4.07.2018 10:26
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Futtergetreide
Mehr Futterweizen: Wer bezahlt?
Die Versorgung von Futtergetreide soll erhöht werden. Insbesondere der Anbau von Futterweizen soll gefördert werden. Der Selbstversorgungsgrad ist unter 20 Prozent gefallen. Bezüglich der Finanzierung gibt es aber Differenzen. Die Migros ist gegen höhere Preise.

Die Futtermittelimporte stehen in der Kritik. Diesem Umstand will eine Arbeitsgruppe, initiiert von Schweizer Bauernverband, entgegenwirken. Die im vergangenen Herbst gegründete Arbeitsgruppe präsentiert nun ihre ersten Zwischenresultate. 

Drei Handlungsachsen

Gemäss einem Communiqué des Schweizer Bauernverbandes (SBV) von Mittwoch erhalten Schweizer Nutztiere heute zu 86 Prozent einheimisches Futter. Die Importe seien zu 100 Prozent gentechfrei. Die Futtersoja sei fast zu 100% zertifiziert verantwortungsvoll produziert. Um den Erwartungen aus der Gesellschaft und der Politik gerecht zu werden und die Glaubwürdigkeit von tierischen Produkten zu stärken, will die Branche die Eigenversorgung erhöhen. Die Strategie der Arbeitsgruppe umfasst drei Handlungsachsen:

1. Inlandproduktion stärken: Die Arbeitsgruppe will die Produktion von Futterweizen verdoppeln. In möglichst vielen Programmen und Labels soll ein Mindestanteil Schweizer Futter verankert werden. «Damit effektiv mehr Futterweizen angebaut wird, ist eine von der Wertschöpfungskette mitfinanzierte Preiserhöhung nötig, um die Attraktivität dieses Getreides zu erhöhen», heisst es in der Mitteilung.

In der vergangenen zehn Jahren hat sich die Anbaufläche beim Futterweizen halbiert. Wurde dieser 2007 noch auf 13'800 ha angebaut, sank die Fläche 2017 auf noch 6'500 ha. Nicht verwunderlich, dass die Importe von Futterweizen in der Tendenz steigend sind. 2017 wurden 282’107 Tonnen «Weizen und Mengkorn zu Futterzwecken» importiert (Zollposition 1001.9939). 104’470 Tonnen kamen aus Deutschland, 94’020 Tonnen aus Frankreich, 32’836 Tonnen aus Ungarn, 24’653 Tonnen aus der Slowakei und 14’839 Tonnen aus Österreich.

2. Importe absichern: Die Arbeitsgruppe will sicherstellen, dass die importierten Futtermittelkomponenten ökologisch und sozial verantwortungsvoll produziert wurden. «Einzelne wichtige Futtermittelkomponenten, wie Bruchreis und Maiskleber, werden vor diesem Hintergrund näher beleuchtet», heisst es in der Mitteilung.

3. Alternativen erhalten und fördern: Nebst dem Ausbau der Futterweizenfläche sollen Alternativen in der Nutztierfütterung erhalten und nach Möglichkeit ausgebaut werden. Damit gemeint sind Nebenprodukte der Nahrungsmittelindustrie (z.B. Rübenschnitzel, Müllereinebenprodukte), diese sollen maximal zum Einsatz kommen. Geprüft werden soll die Verfütterung von tierischen Eiweissen.

Mehrkosten von 8 Millionen

Die Branche ist sich einig, von der gesamten Branche mitgetragenen Strategie nötig ist. Die Stossrichtungen werden «grundsätzlich» unterstützt. Doch bei der Finanzierung könnte die Strategie scheitern. Um den Futterweizenanbau zu erhöhen, soll der Produzentenpreis um 5 Franken auf 41.50 Franken je 100 Kilo erhöht werden. Dies verursacht Mehrkosten von total 7 bis 8 Millionen Franken, die innerhalb der Wertschöpfungskette aufgeteilt werden müssen.

Weil bei Mastgeflügel und Legehennen rund 40% bzw. 20% Futterweizen in der Ration ist, müssten vor allem Poulets und Eier teurer angekauft werden.

Selbstversorgungsgrad von noch 19 Prozent

«Wir haben nicht unbedingt ein Futtergetreideproblem, sondern ein Futterweizenproblem», stellte Christian Oesch, Geschäftsführer der Vereinigung Schweizerischer Futtermittelfabrikanten, im vergangenen Jahr.

Beim Futterweizen beträgt der Selbstversorgungsgrad der Schweiz nur noch 19 Prozent. Vor zehn Jahren waren es noch um die 70 Prozent gewesen. Aufgrund der Importe und tieferen Preise ist der Anbau in der Schweiz gesunken. «Über 90 Prozent der Futterweizenimporte kommen aus unseren Nachbarländern Deutschland und Frankreich», sagte Oesch 2017.

Migros: Kunden nicht bereit, Mehrwert zu bezahlen
 
Wie «Schweizer Bauer» herausfand, ist die Migros damit nicht einverstanden. «Es ist ein theoretischer Ansatz, der sich auf dem Papier gut präsentieren lässt, aber am Markt vorbeizielt. Nicht beantwortet ist beispielsweise die Frage, auf Kosten welcher anderen Kulturen ein Ausbau der Futtergetreideflächen erfolgen sollte», so Migros-Sprecher Luzi Weber. Für einen leicht höheren Anteil an inländischem Futter seien die Kunden nicht bereit, einen Mehrpreis zu bezahlen. 

Die Herkunft der Futtermittel sei eher von untergeordneter Bedeutung, sagt Weber. Wichtig sei, dass die Futtermittel ökologisch produziert würden, also nicht von abgeholzten Flächen.  Chancen für höhere Preise für einheimischen Futterweizen sieht die Migros bei den Labels. «Diskussionen zu den Anforderungen unserer Labels führen wir zudem direkt mit unseren Partnern», so Weber zu «Schweizer Bauer».

Coop zeigt sich offen

Mitbewerber Coop hingegen gibt sich gegenüber höheren Preisen für einheimischen Futterweizen nicht so abweisend wie die Migros. «Wir legen grossen Wert auf nachhaltig produzierte Futtermittel. Deshalb beteiligen wir uns am runden Tisch», teilt Coop gegenüber «Schweizer Bauer» mit. Coop ist also gesprächsbereit. «Wir sind offen für eine Lösung, die die Inlandanteile stabilisiert und bei der nicht vermeidbare Mehrkosten von der gesamten Wertschöpfungskette getragen werden», macht die Detailhändlerin klar.

Trotz der Differenzen bezüglich der Finanzierung des Ausbaus des Futterweizenanbaus werden die Arbeiten in der Arbeitsgruppe weitergeführt. «In einem nächsten Schritt können sich die Akteure der betroffenen Branchen im Rahmen einer Vernehmlassung vertieft zu den Zwischenresultaten äussern», schreibt der Bauernverband.

Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Versprechen eingelöst werden oder die ablehnende Haltung überdacht wird.

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