22.07.2018 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Ruth Bossert, lid
Fütterung
Mit Klee Wertschöpfung auf Hof halten
Mit Weissklee-Trockenwürfeln sagen Bio-Bauern dem steigenden Futtermittelimport den Kampf an. Durch kurze Transportwege und ohne Zwischenhandel soll die Wertschöpfung auf dem Hof bleiben.

Zur Produktion von Milchprodukten, Fleisch und Eiern braucht die schweizerische Landwirtschaft Kraftfutter, unter anderem Soja. Der Import der eiweisshaltigen Bohnen ist insbesondere im Biolandbau umstritten, wo man geschlossene Kreisläufe anstrebt und hohe, soziale Ziele verfolgt. Wurden im Jahr 2006 noch 5'300 Tonnen Knospe-Soja importiert, sind es heute bereits 17'500 Tonnen, teilt Bio Suisse auf Anfrage mit. 

Stabiler Rohproteingehalt von 20 Prozent 

Eine Handvoll Thurgauer Landwirte beschäftigt sich in Zusammenarbeit mit dem BBZ Arenenberg bereits seit ein paar Jahren mit einem alternativen Protein-Futtermittel aus einheimischem Anbau. Aufgrund von Anbau- und Fütterungsversuchen hat sich Weissklee als Hauptkomponente durchgesetzt.
Heute stehen dem Produzenten drei unterschiedliche Mischungen zur Verfügung. Der Eiweiss-Ertrag ist am höchsten, wenn der Weissklee mit hochwachsenden Futter-Leguminosen wie Rotklee oder Luzerne kombiniert wird. 

Wichtig sei, dass über alle Schnitte des Jahres hinweg ein stabil hoher Gehalt an Rohprotein erreicht wird, sagt Andy Vogel. Das geerntete Futter wird in einer Grastrocknungs-Anlage getrocknet und zu Pellets oder Würfeln gepresst und schliesslich dem Vieh verfüttert. Im Herbst geschnittene Weissklee-Luzerne-Mischungen enthalten bis zu 25 Prozent Rohprotein. Angestrebt wird, dass die getrockneten Pellets im Jahresdurchschnitt von fünf Schnitten zwischen 18 und 20 Prozent Eiweiss enthalten. Für die Wiederkäuer ist dieser Eiweissgehalt ideal, für Schweine- und Hühnerfutter ist er zu niedrig und die Proteineigenschaften entsprechen nicht ganz den Bedürfnissen.

Kurze Transportwege und kein Zwischenhandel


Die Initianten haben sich mit der Gründung des Vereins "Swiss green protein" zum Ziel gesetzt, den Inlandanteil von Eiweiss-Futtermitteln zu erhöhen. Damit wollen sie den Erwartungen der Konsumenten, dass Schweizer Nutztiere auch Schweizer Futter fressen, gerecht werden."Standortgerecht produzieren, direkter Verkauf an regionale Betriebe und kein Zwischenhandel", so erklärt Daniel Fröhlich, Bioberater am BBZ Arenenberg, die Leitidee des Vereins. 

"Uns ist es wichtig, die Wertschöpfung auf dem Hof zu behalten." Deshalb verkauft der Ackerbauer die getrockneten Pellets im Idealfall an seinen Nachbarn oder einem Milchbauer in seiner Region oder er verfüttert sie an seine Tiere. So können lange, ökologisch sinnlose Transportwege verhindert werden. Dem Verein ist es deshalb ein Anliegen, dass es schweizweit weitere Gruppen gibt, die vermehrt schweizerische Kleewürfel produzieren und verfüttern. 

Doppelmesser-Mähwerk

Für Andy Vogel ist seine Weissklee-Wiese eine anspruchsvolle Ackerkultur, die es aufmerksam zu führen gilt. Der Klee-Bestand müsse möglichst reingehalten und zum richtigen Zeitpunkt geschnitten werden, um die nötigen Proteingehalte zu erreichen, so Vogel. Das erste Mal geschnitten wird die Wiese, wenn der Weissklee zu blühen beginnt und erst 20 bis 25 Zentimeter hoch ist. Nach dem ersten Schnitt im Mai mäht Vogel alle vier bis fünf Wochen.

Dafür hat er sich ein Doppelmesser-Mähwerk angeschafft. Damit erreiche er den erwünschten Anwelkgrad im Sommer in einem Tag - ohne jegliche Bearbeitung, erklärt er. Im Herbst lässt er das Futter je nach Wetter zwei bis drei Tage liegen. 

Würfel lassen sich gut absetzen

Für Vogel ist entscheidend, die Trocknungs-Kosten tief zu halten. Dies erreiche er durch gutes Anwelken des Schnittes. Er produziert jährlich auf einer Hektare rund 10 Tonnen Trockenwürfel. Bei einem Preis von 65 Franken für 100 Kilo und angestrebten Trocknungskosten von 25 bis 30 Franken für 100 Kilo, erreiche er einen Deckungsbeitrag, der tendenziell eher etwas über demjenigen von normalem Raufutter liege. Zudem schwanke die Nachfrage nach Bio-Raufutter von Jahr zu Jahr stark. Der Absatz der Trockenwürfel sei dagegen kein Problem. 

Anwelken ist wichtig

Philipp Meier von der Gastrocknungsgenossenschaft Märstetten produziert in seiner Trocknungsanlage zwischen 170 bis 200 Tonnen Weisskleewürfel (Trockengewicht). Die Tendenz sei klar steigend, erklärt er. Möglicherweise werde die verarbeitende Menge in diesem Jahr etwas kleiner, dies wegen der grossen Trockenheit in der Ostschweiz. 

Viele Landwirte mussten die Schnittfolge um zwei Wochen auf sechs Wochen erhöhen und werden möglicherweise einen Schnitt weniger machen als in Sommern mit mehr Regenfällen. Wichtig sei eine gute Planung und der persönliche Kontakt mit seinen Kunden, sagt er zur Frage der Koordination zwischen Schnittgut in Bioqualität und konventionellem Schnittgut. 

Damit die Trocknungskosten zwischen 25 bis 30 Franken liegen, muss das Schnittgut gut angewelkt angeliefert werden.. Bei nasser Ware steigt der Gasverbrauch und erzeugt höhere Herstellungskosten für den Produzenten. Meiers Anlage wird mit Erdgas betrieben.

Soja im konventionellen Anbau günstiger

Eine Arbeitsgruppe des Schweizer Bauernverbandes hat in diesen Tagen den Branchenvertretern eine Strategie einer nachhaltigen Futtermittelversorgung aufgezeigt. Diese sieht eine Verdoppelung der Inlandproduktion von Futterweizen, eine Absicherung der Importe und den Ausbau von alternativen Möglichkeiten vor. 

Für Andy Vogel, Bioackerbauer aus Wäldi und Präsident des neu gegründeten Vereins "Swiss green protein", werden die neuen Zielsetzungen betreffend Kraftfutteranteil von Bio Suisse, der Alternative mit Weisskleewürfeln Schub verleihen. Bio Suisse halbiert per 2022 den maximalen Kraftfutteranteil in der Wiederkäuerfütterung auf fünf Prozent. Gleichzeitig soll das zugeführte Futter für Wiederkäuer künftig nur noch aus Schweizer Knospe-Produkten stammen. 

Inwieweit die konventionelle Landwirtschaft die Alternative mit den Weisskleewürfeln umsetzt, ist für Vogel eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Während sich beim Bio, sauber gerechnet, die Lösung mit Weisskleewürfeln gegenüber der importierten Soja die Waage hält, liegen im konventionellen Anbau die Sojakosten um einiges tiefer. Doch auch die konventionelle Landwirtschaft wird sich mittelfristig mit diesem Thema befassen, ist der Biobauer überzeugt.

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