16.05.2015 07:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
AP 14-17
Müller bleiben auf Kleie sitzen
Der Absatz von Mühlennebenprodukten harzt, die Lager sind voll. Schuld daran sind der Milchpreis und die Agrarpolitik. Die Situation beeinflusst die Preiskalkulation der Müller und könnte Folgen für den Getreidepreis haben.

Pro Jahr werden rund 620000 Tonnen Brotgetreide, Hartweizen, Hafer, Spezialgetreide usw. in der Schweiz vermahlen. Doch nur drei Viertel des Weizenkorns können auch tatsächlich als Mehl verwendet werden. Aus 25% des Getreides fallen sogenannte Mühlennachprodukte (MNP) wie Kleie, Mühlennachproduktgemisch oder Bollmehl an — rund 155000 t jährlich. Diese werden in der Futtermittelindustrie verwertet.    Weitere Mühlennachprodukte fallen auch aus der Verarbeitung von Hartweizen und Spezialgetreide an.

Sinkende Kraftfutterabsätze und graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) führen momentan  dazu, dass die Verarbeitung von MNP in den Mühlen zu einer immer grösseren Herausforderung wird.

 

Milchpreis ist Hauptgrund

«MNP werden vorwiegend im Milchviehfutter eingesetzt. Im Geflügel- und Schweinefutter sind sie beschränkt verwendbar», erklärt Hansueli Rüegsegger, Milchviehspezialist bei der UFA. Wenn der Markt an Rindviehfutter zurückgehe, brauche es auch weniger MNP. «Der Druck beim Milchpreis geht an uns nicht spurlos vorbei. Aber auch das GMF-Programm hat einen Einfluss», ist Rüegsegger überzeugt.

Laut Peter Stadelmann, Geschäftsführer der Firma Kunz Kunath, ist es allerdings noch zu früh, um sinkende Milchviehfutterverkäufe festzustellen. «Das werden wir erst im Verlauf dieses Jahres merken», meint er.

GMF hat einen Einfluss

MNP werden im GMF-Programm zu 100% als Kraftfutter angerechnet. Im Gegensatz etwa zu Biertreber oder Zuckerrübenschnitzeln. Diese zählen zum übrigen Grundfutter. Damit ein Landwirt von der GMF-Prämie profitiert, darf er höchstens 10% Kraftfutter füttern.
«Landwirte, die bei GMF mitmachen wollen, weichen nun eher auf Zuckerrübenschnitzel oder höher konzentrierte Kraftfutter aus», zeigt der UFA-Berater die Problematik auf. Diese sieht Peter Stadelmann ebenso: «Wir werden vermehrt hoch konzentrierte Milchviehfutter verkaufen, weshalb es weniger MNP brauchen wird.»

Wieso  Zuckerrübenschnitzel zum übrigen Grundfutter zählen und MNP nicht, ist Rüegsegger schleierhaft. «Es sind doch beides Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie.» Tatsächlich hatte der Dachverband Schweizerischer Müller (DSM) in der Anhörung zur AP 14–17 im Juni 2013 den Antrag gestellt, dass MNP nicht zum Kraftfutter gerechnet werden.

Druck auf Weizenpreise

«MNP können auch zu Biogas vergoren oder im Extremfall als Heizmaterial verwendet werden», erklärt DSM-Geschäftsführer Lorenz Hirt. Diese Alternativen seien aber wenig sinnvoll und für die Mühlen nicht attraktiv.

Denn neben dem Aspekt der Verschwendung eines Rohstoffs hat  der Einsatz von MNP in der Futtermittelbranche auch einen finanziellen Aspekt.  Wenn eine Mühle ihre MNP nicht mehr in die Mischfutterindustrie verkaufen kann, fällt eine wichtige Einnahmequelle weg.  Dies könnte Druck auf die Weizenpreise geben. «Die Preise für MNP sind in den letzten zwölf Monaten deutlich gesunken», weiss Hirt.

Über die konkreten Überschussmengen an MNP lägen keine konsolidierten Zahlen vor. Die Lagersituation müsse aber gut überwacht werden, da die Mühlen diese Koppelprodukte nicht zu lange lagern möchten und können. Auch die Futtermittelhersteller sind betroffen, da sie zum Teil mit den Mühlen Abnahmeverträge für MNP haben.

Weitere Gespräche laufen

Der DSM und die Branchenorganisation Swiss Granum setzen sich weiter dafür ein, dass die MNP in die Positivliste des Grundfutters bei GMF aufgenommen werden. Sie argumentieren in einem Brief an das Bundesamt für Landwirtschaft mit dem Ziel, die Kreisläufe in der Lebensmittelindustrie zu schliessen. Zudem gälten MNP aufgrund ihrer Inhaltsstoffe eher als rohfaserreich.

Mehr Luzerne

Ebenfalls ein Nebeneffekt der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF) ist beim Luzerne-Import festzustellen. «Mit der AP 14—17 wurde der Einsatz interessanter, weil Luzerne als Raufutter anrechenbar ist», sagt Denis Romanens von der Landi Moléson im April in der «UFA-Revue». Die Verkäufe hätten sich im Jahr 2014 verdoppelt. Auch Landi aus anderen Regionen berichten von zunehmendem Luzerne-Einsatz in der Fütterung. Ein anderer Grund dafür sei auch die gute Strukturwirkung in Rationen mit jungem Grundfutter und viel Mais.

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