2.10.2020 11:54
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt
Krankheiten
Neue Maiskrankheit entdeckt
Einige biologische Pflanzenschutzmittel enthalten lebende Sporen des Pilzes Trichoderma, die die Fähigkeit haben, andere Krankheitserreger zurückzudrängen. Forscher der Universität Göttingen haben herausgefunden, dass eine Trichoderma-Art eine schwere Kolbenfäule an Mais auslösen kann.

Das massive Auftreten einer bislang in Europa unbekannten Trichoderma-Art an Maiskolben liess sich erstmals 2018 in Süddeutschland feststellen.

Trockensubstanzgehalt stark verringert

Bei betroffenen Pflanzen bildeten sich graugrüne Sporenbeläge auf den Körnern und zwischen den Lieschblättern der Kolben. Zudem keimten die befallenen Körner verfrüht aus. Die Wissenschaftler brachten für die aktuelle Studie Maispflanzen im Gewächshaus mittels Inokulation, also auf künstlichem Wege, mit Trichoderma in Kontakt. Sie konnten nachweisen, dass sich der Trockensubstanzgehalt der Maiskolben stark verringert.

Annette Pfordt, Doktorandin am Department für Nutzpflanzenwissenschaften der Universität Göttingen und Erstautorin der Studie, hat über zwei Jahre lang 18 Trichoderma-Isolate vornehmlich aus Maiskolben in Süddeutschland und Frankreich analysiert. Sie fand heraus, dass einige dieser Isolate mit einem Kolbenbefall von 95 bis 100 Prozent hochaggressiv sind. Mittels molekulargenetischer Untersuchungen liessen sich diese Isolate der neuen Art Trichoderma afroharzianum zuordnen. Innerhalb dieser Art haben sich offenbar bislang unbekannte pflanzenpathogene Stämme entwickelt, die nun für die neu entdeckte Maiskrankheit verantwortlich sind.

Einsatz lebender Mikroorganismen ist Risiko

„Die Art, die in biologischen Pflanzenschutzmitteln zum Einsatz kommt, ist ein naher Verwandter, nämlich Trichoderma harzianum. Isolate dieser Art waren in den Untersuchungen nicht so aggressiv, führten aber in den Inokulationsversuchen auch zu einem leichten Befall am Kolben“, sagt Pfordt.

„Die bisherigen Untersuchungen zeigen zwar, dass sich die in biologischen Pflanzenschutzmitteln eingesetzten Trichoderma-Stämme von den jetzt gefundenen aggressiven Formen unterscheiden. Allerdings wird auch deutlich, dass Risiken durch den Einsatz lebender Mikroorganismen im Pflanzenschutz genau untersucht werden müssen“, sagt Professor Andreas von Tiedemann, Leiter der Abteilung für Pflanzenpathologie und -schutz der Universität Göttingen.

Bio-Produkte enthalten Trichoderma 

Im Gemüseanbau können „Trichoderma-Mittel“ eingesetzt werden, zum Beispiel, um Krankheiten wie Botrytis (Grauschimmel) oder Fusarium zu bekämpfen und um Fäulniserreger am Erntegut zu reduzieren. Auf dem Markt werden verschiedene Bio-Produkte angeboten, die Trichoderma enthalten. Sie werden fast ausschliesslich im biologischen Anbau eingesetzt.

Trichoderma-Arten gehören zu den Schlauchpilzen und kommen weltweit im Boden, an Pflanzenwurzeln, in verfaulenden Pflanzenresten und an Holz vor. Sie gelten als Substratzersetzer und als Gegenspieler anderer Mikroorganismen. Bisher waren sie jedoch nicht als Krankheitserreger an Pflanzen beschrieben worden.

Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Frontiers in Agronomy erschienen.

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