12.07.2018 08:38
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Futtergetreide
Ökoflächen sollen Weizen weichen
Fritz Glauser, Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes, spricht im Interview mit dem «Schweizer Bauer» über das Futterweizenproblem. Er sagt, weshalb und wie der Futterweizenanbau gestärkt werden soll.

«Schweizer Bauer»: Innerhalb von zehn Jahren wurde die Futterweizenanbaufläche mehr als halbiert. Haben Sie auf Ihrem Betrieb den Futterweizenanbau ebenfalls reduziert?
Fritz Glauser: Nein, wir bauten immer gleich viel Bio-Futterweizen an. Neben gut drei Hektaren Brotweizen sind das knapp zwei Hektaren Futterweizen.

Haben wir ein Futterweizenproblem in der Schweiz?
Der Selbstversorgungsgrad liegt bei Futterweizen im Durchschnitt bei 30 Prozent. Ja, wir haben ein Problem bei der Futterweizenversorgung, obschon Weizen das wertvollste Futtergetreide ist, das bei allen Tierarten eingesetzt werden kann.

Ist bei Futterweizen die Wertschöpfung derart gering?
Das Problem ist die Fruchtfolge. Es ist klar, dass man wegen der Wertschöpfung vorwiegend Brot- und nicht Futterweizen anbaut. Der Gerstenanbau zahlt sich ebenfalls nicht aus. Die Bauern kommen wegen der Fruchtfolge nicht darum herum, Futterweizen anzubauen. In erster Linie müssen wir aber den Futterweizen fördern.

Die Produktion von Futterweizen soll verdoppelt werden. Reicht für dieses Ziel eine Richtpreiserhöhung von 5 Franken auf 41.50 Franken aus?
Wir müssen für die Bauern einen Anreiz schaffen, damit wieder mehr Futterweizen angebaut wird. Wir haben in der vom Schweizer Bauernverband initiierten Arbeitsgruppe diskutiert, dass eigentlich eine Richtpreiserhöhung von acht bis zehn Franken nötig wäre, um dem Decknungsbeitrag von Brotweizen näher zu kommen. Als Kompromiss auf die Frage, wer diesen Preis bezahlen soll, haben wir uns auf eine Richtpreiserhöhung von fünf Franken geeinigt. Ob damit das Ziel erreicht wird? Ich glaube nicht, aber es ist ein Anfang.

Wer soll den höheren Preis bezahlen?

Wenn wir nicht eine Wertschöpfungsstufe unter Druck setzen wollen, dann müssen wir den Preis vom Konsumenten einfordern. Beim Fleisch würde das einen Mehrpreis von etwa 20 bis 40 Rappen pro Kilogramm bedeuten. Das sind marginale Mehrkosten.

Warum höhere Kosten verursachen, wenn doch weiterhin nachhaltig produzierter Futterweizen aus der EU importiert werden könnte?
Die Nachhaltigkeitsstandards sind in der Schweiz höher als im Ausland. Wenn wir immer mehr Futter importieren und im Gegenzug die Ökoflächen erweitern, haben wir am Schluss ein Problem mit der Düngebilanz.

Die Migros stellt sich aber gegen die Richtpreiserhöhung und entsprechend gegen höhere Preise.
Wir sind noch in den Verhandlungen und im Gespräch mit gewissen Partnern. Wir suchen Lösungen.

Auf Kosten welcher Kulturen soll der Futterweizenanbau ausgedehnt werden?
Im Talgebiet liegen die Ökoflächen mehr als 10'000 Hektaren über der geforderten Mindestfläche. Der Landwirt soll auf Kosten der Ökofläche wieder mehr Ackerbau betreiben. Deshalb müssen wir die Rahmenbedingungen verbessern.

Eigentlich müssten der Sojaanbau und andere Leguminosen gefördert werden. Schliesslich stammt ein Grossteil der Sojaimporte aus Südamerika.
Das Anbaugebiet für Soja ist limitiert. Der Sojaanbau ist dort erfolgreich, wo Weinbau möglich ist. Auf meinem Betrieb auf 700 m.ü.M. ist Sojaanbau nicht möglich. Zudem gibt es keinen Zoll auf Futtersoja, entsprechend müsste der Anbau von Soja finanziell unterstützt werden.

Zur Person

Fritz Glauser führt zusammen mit seinen zwei Söhnen in einer Generationengemeinschaft in Châtonnaye FR einen 40-Hektaren-Milch- und Ackerbaubetrieb. Der gebürtige Thurgauer übernahm 1994 den Betrieb und führt ihn nach Bio-Richtlinien. Der 57-Jährige ist Vize-Präsident des Schweizer Bauerverbandes und Präsident des Freiburger Bauernverbandes. Neben dem Vizepräsidium bei Swiss Granum führt er seit über zehn Jahren als Präsident den Schweizerischen Getreideproduzentenverband an. hal

 

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