13.06.2020 08:24
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Futterbau
Ökoheu von innen nach aussen mähen
Mähaufbereiter führen speziell in Biodiversitätsförderflächen zu grossen Bienenverlusten. Insekten können auch geschont werden, wenn nicht zur Hauptflugzeit gemäht wird und wenn Altgrasstreifen stehen bleiben.

Sofern das Wetter mitmacht, werden die Ökoheuflächen im Tal- und Hügelgebiet nächste Woche geschnitten. Beim Mähen sollte man wo möglich auf die Nützlinge Rücksicht nehmen. 

Tödlicher Sog

Die Verwendung von Mähaufbereitern führt zu einem Bienenverlust von 35 bis 62 Prozent gegenüber rund 5 Prozent Verlusten, wenn kein Aufbereiter verwendet wird. Um Bienen, aber auch andere Insekten, Spinnen und Larven oberhalb der Schnitthöhe zu schonen, sollte  deshalb auf den Aufbereiter verzichtet werden. Sein Einsatz ist in Biodiversitätsförderflächen der Qualitätsstufe II denn auch verboten. 

Rotierende Mähwerke haben zudem den Nachteil, dass sie in Bodennähe einen starken Sog erzeugen und dadurch die Tiere direkt zu den Mähklingen saugen. Bodenbrütende Vögel, Amphibien, Reptilien und Insekten werden besonders geschont, wenn mit dem Messerbalken gemäht wird. Die Schnitthöhe sollte höher als in den übrigen Natur- und Kunstwiesen gewählt werden und 7 bis 8 cm betragen. 

Hauptflugzeit meiden

Verluste können auch vermieden werden, wenn nicht zur Hauptflugzeit der Insekten, sondern früh am Morgen oder spätabends gemäht wird und wenn sie Ausweichräume und Rückzugsorte in unmittelbarer Nähe finden. Auf grösseren Flächen ist die Staffelmahd eine nützlingsschonende Variante: Zwei Drittel der Flächen werden dabei am 15.Juni gemäht, das übrige Drittel drei Wochen später. 

Eine Biene pro Quadratmeter

Untersuchungen von Agroscope haben ergeben, dass beim Mähen pro Hektare bis zu 24'000 Bienen getötet werden. Bei einer Staatengrösse von rund 30'000 Tieren ist diese Zahl sehr hoch. Bienenverluste können vermieden werden, indem ausserhalb ihrer Flugzeit gemäht wird – also abends, nachts oder am frühen Morgen. Generell gilt: Zählt man mehr als eine Biene pro Quadratmeter, sollte ein Feld nicht gemäht werden. Da die Bienenverluste bei Anwendung eines Mähaufbereiters etwa siebenmal höher ausfallen als ohne, sollte auf den Einsatz solcher Maschinen tagsüber in blühenden Feldern verzichtet werden. Dasselbe gilt beim Mulchen mit Schlegelmähwerken. sum

Für extensive Wiesen mit einer hohen botanischen Qualität ist der erste Schnitt eine gute Gelegenheit, die natürliche Versamung zu fördern. Damit die Samen ausfallen, sollte das Heu mindestens drei Tage liegen bleiben und in dieser Zeit intensiv gewendet werden. 

Kein Zeitverlust

Grosse Säuger wie Rehe, Katzen und Füchse, aber auch Vögel können vor dem Vermähen geschützt und vertrieben werden, wenn die Fläche von innen nach aussen gemäht wird (Siehe Bild oben). Dieses Verfahren gilt in der Praxis allerdings häufig als umständlich. Versuche haben jedoch gezeigt, dass mit der richtigen Fahrstrategie kein Zeitverlust entsteht. Wird mit dem Frontmähwerk gearbeitet, sollte von einer Seite gemäht werden, damit den Tieren eine gedeckte Fluchtmöglichkeit in den Wald oder ein benachbartes Feld bleibt. sum

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE