30.03.2014 11:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz, lid
Silofolien
Recyclen statt verbrennen
Nur etwa 10 Prozent der Silofolien werden in der Schweiz wiederverwertet. Ein Netz von Sammelstellen macht die Wiederverwertung der Folien einfacher, günstiger und ökologischer als das Verbrennen in Kehrichtverbrennungsanlagen.

Hansruedi Osterwalder aus Wängi TG steht vor einer grossen Holzkiste im Futtertenn seines Stalles. Obenauf ein 70 kg schweres Gewicht, darunter ein Stapel Silofolien, die er täglich von seinen Quaderballen schneidet. Zum Pressen der Folien zieht der Landwirt das Gewicht an einer Seilwinde nach oben und legt dann die neue Folie auf den Stapel.

Etwa 120 Folien presst er so, bis er den Stapel zusammenschnürt und in der Remise lagert. Ein Stapel nimmt gerade so viel Platz ein als die Palette, auf welcher er steht. Für seine 40 Kühe benötigt der Landwirt täglich einen Quaderballen, so dass jährlich etwa zwei Stapel an Silofolien anfallen. Bei einem Gewicht von etwa 3 kg je Folie kommt ein Stapel auf etwa 360 kg.

Handling braucht Disziplin

Das "Handling" hört sich ganz einfach an. Doch, damit es funktioniert, braucht es Disziplin. "Man muss die Folie jeden Tag in den Rahmen bringen", erklärt Hansruedi Osterwalder. Sonst liege sie herum und fange an zu stinken. "Doch, wo ein Wille, da ein Weg", sagt sinngemäss der Landwirt, der Wert auf Ordnung legt.

Früher habe er die Folie einfach in einen Kipper geworfen, aber dann brauchte er diesen und musste die Folien ab- und wieder aufladen. Wenn die Folie aus dem Weg ist, komme es auch nicht vor, dass sie zerschleisst und Folienfetzen in die Gülle gelangen, wo sie dann den Schneidkopf des Schleppschlauchverteilers blockieren.

Geld einsparen

Im Frühjahr, wenn die Silage verfüttert ist, holt der Maschinen- und Betriebshelferring Thurgau MBR die gepressten Stapel ab. Pro Stapel kostet das den Landwirt 55.- CHF. Bei der Kehrichtverbrennungsanlage KVA müsste er 180.- CHF/t zahlen und die Folie selber anliefern. Das käme ihn nicht nur etwas teurer, sondern wäre auch aufwändiger für ihn und nicht zuletzt würde das Verbrennen die Umwelt belasten.

Denn pro Tonne Silofolie, welche nicht verbrannt, sondern recycelt wird, lassen sich gemäss Markus Tonner, Geschäftsführer der Innorecycling AG, 3 t CO2 einsparen. Die Sammelkosten liessen sich nach Ansicht des Landwirts reduzieren, indem man regionale Sammeltage einführt, an welchen die Landwirte die Silofolie an einen bestimmten Ort bringen. In Deutschland werde das teilweise so gemacht und hier erhielten die Landwirte sogar noch eine kleine Entschädigung für ihre Folien.

"Die Silofolie ist ein Wertstoff"

Die erwähnte Innorecycling AG in Eschlikon TG sammelt Kunststoffe aller Art, sortiert und presst sie, um sie dann wieder an andere Firmen zur Verarbeitung zu liefern. Auch Silofolie, ein Polyethylen, gehört zum Sortiment. Die Firma bezahlt den Sammelstellen 20.- CHF/t angelieferte Folie. "Die Silofolie ist ein Wertstoff", erklärt Markus Tonner.

Während früher seine Kunden fragten. "Was muss ich zahlen", fragen sie ihn heute: "Was zahlen Sie dafür?" Diese Frage sei gerechtfertigt, denn Kunststoffe sind nicht einfach Abfall, den man entsorgen muss, sondern ein Material, der sich wieder zu gefragten Produkten verarbeiten lässt. Silofolie ist ein von den Verwertern gefragter Rohstoff, denn der Kunststoff ist sortenrein und fällt in grossen Mengen an.

Die Verarbeitung übernimmt die Schwesterfirma Innoplastics AG, welche sich gerade neben der Innorecycling AG befindet. Es ist die einzige Firma in der Schweiz, welche Silofolie verarbeitet. Wichtig ist, dass die Folien ohne Schnüre und Netze angeliefert werden, betont der Werkführer Robert Müller. Spezialmaschinen zerkleinern und extrudieren das Material. Das Endprodukt ist ein Granulat, das in Silos gelagert und als wiederverwertbarer Rohstoff weiterverkauft wird. Das Granulat dient vor allem zur Herstellung von Kabelschutzrohren. Mit einem neuen Verfahren soll sich sogar ein Granulat herstellen lassen, das wieder als Ausgangsmaterial für neue Folien dient.

Verwertung schont Ressourcen und Umwelt

"Kunststoff aus recyceltem Material benötigt weniger Energie als die Produktion von neuem Kunststoff", betont Markus Tonner. Ausserdem schont die Wiederverwertung die Ressource Erdöl. Hinzu kommt die oben erwähnte Reduktion von CO2-Emissionen, so dass man bei der Verarbeitung von einem mehrfachen Nutzen sprechen kann. So wie es politisch aussieht, dürfte das Verbrennen von Silofolien in der Zukunft verboten werden, erklärt Simone Hochstrasser, Beraterin für Umweltpolitik bei der Innorecycling AG.

Bei der Revision des Umweltschutzgesetzes USG ist in Art. 30d vorgesehen, dass "Abfälle stofflich verwertet werden müssen, wenn dies technisch möglich und wirtschaftlich tragbar ist sowie die Umwelt weniger belastet als eine andere Entsorgung und die Herstellung neuer Produkte." Noch wird das neue USG im Parlament beraten.

Sammelpflichten könnten möglich werden

Gemäss Art. 30 b desselben Gesetzes soll der Bundesrat für Verpackungen Sammelpflichten vorschlagen, "wenn dies notwendig ist, um deren Verwertung sicherzustellen." Bei der Silofolie könnte das Projekt "RESI" (siehe Kästchen) die Sammlung übernehmen. Darin sind mehr als 100 Entsorgungsfirmen zusammengeschlossen, welche die Silofolien in der Schweiz entgegennehmen und dem Recycling zuführen. Damit wird das Entsorgen der Folien einfacher, günstiger und ökologischer.

Das RESI-Netz sei schon jetzt viel engmaschiger als dasjenige der 30 KVA in der Schweiz, betont Markus Tonner. Die RESI-Partner seien meistens Entsorgungsfachbetriebe, wo die Landwirte auch anderes Abfallgut wie Altmetall, Holz oder Glas abgeben können, fügt er hinzu.

Das Projekt "RESI"

RESI, die Abkürzung für Recycling von Silofolien, ist ein Projekt, das gemeinsam von Entsorgungswirtschaft Schweiz, dem Schweizerischen Bauernverband SBV, dem Schweizer Verband für Landtechnik SVLT, den Schweizer Lohnunternehmern und dem Bundesamt für Umwelt BAFU getragen wird. RESI soll die Recycling-Quote von derzeit 12 auf 70 % steigern.
Der nächste Entsorgungspartner lässt sich finden unter: www.resi.ch

Freiwillig sammeln anstatt Sammelpflicht

Verbrennen sei schon heute teurer als Verwerten, denn die KVA verlangten meistens zwischen 150.- und 180.- CHF/t Silofolie, während die Preise der RESI-Partner zwischen 80.- und 120.- CHF/t lägen. "Mein Wunsch ist, dass die Preise für die Wertstoffe nach oben gehen und wir dem Landwirt mehr zahlen können", sagt Markus Tonner. Das Recycling von Kunststoff wird nicht vom Staat subventioniert, sondern geschieht von A bis Z auf privatwirtschaftlicher Basis.

Eine vorgezogene Recyclinggebühr, welche im Preis der neuen Silofolie inbegriffen ist, sieht der Geschäftsführer des Sammelbetriebes nicht als die beste Lösung. Denn das würde die Sammelkosten in die Höhe treiben Die Landwirte haben es seiner Meinung nach in der Hand, zusätzliche Gebühren zu vermeiden. Je mehr sie die RESI-Sammelstellen benutzen, desto effizienter können diese arbeiten und auch den Landwirt entschädigen.

Ein Leitfaden der Innorecycling AG zum Handling mit Silofolien ist in Vorbereitung.

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