8.05.2019 07:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Wetter
Schnee drückte Wiesen und Raps flach
Die Frostschäden im Beeren-, Obst- und Rebbau sind noch nicht abzuschätzen. Der Schnee hat Wiesen und Raps heruntergedrückt. Der Raps kann sich wieder aufrichten. Flach gedrückte Wiesen sollten bald gemäht werden.

In der Nacht auf Dienstag wurde praktisch die ganze Schweiz von Bodenfrost heimgesucht. In Bern tauchte die Bodentemperatur bereits am Montag in der Früh laut SRF Meteo auf –7,6 Grad. Im Osten sorgten Wolken in der Nacht auf Montag noch  für etwas höhere Temperaturen.

Anders die Situation in der Nacht auf Dienstag: Es klarte überall auf, und sogar auf 2m Höhe blieben die Temperaturen nur in wenigen Regionen knapp über dem Gefrierpunkt, so am Genfersee, Bodensee und Zürichsee sowie im Rheintal. Bodenfrost wurde nahezu in der ganzen Schweiz gemessen.

Umfrage im Kanton Bern

Jürg Maurer von der Fachstelle Obst und Beeren am Inforama Oeschberg BE  kann zum Ausmass der Frostschäden noch keine Aussagen machen. «Wir führen derzeit unter den Obst-, Beeren- und Weinproduzenten im Kanton Bern eine Umfrage durch. Wer Einbussen über 70 Prozent befürchtet, soll sich melden. So hoffen wir, bis Ende der Woche ein Bild zur Lage zu haben.» Hans Jüstrich, Rebbaukommissär am Plantahof in Landquart GR, kann für den Kanton Graubünden Entwarnung geben. «Wir haben einfach Glück gehabt», sagt er.

Samuel Jenni von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau in Aarberg BE hofft, dass die Rüben die tiefen Temperaturen gut überstanden haben. «Rüben können trockene Kälte von –5°C kurzfristig aushalten. Es kommt vielleicht zu einem kurzen Wachstumsstillstand oder kleinen Blattrandverbräunungen, aber den werden sie wieder aufholen.» Heikel sei, wenn es nach dem Frost zu einer starken Sonneneinstrahlung komme. «Ob der Frost geschadet hat oder die Zellen in den Blättern durch den raschen Temperaturanstieg geplatzt sind, kann man erst in zwei Tagen sagen.»

Baldmöglichst mähen

Zusätzlich zum Frost hat es am Sonntag verbreitet bis in tiefe Lagen geschneit. Das hat einige Kulturen in Mitleidenschaft gezogen. Laut Martin Zbinden vom Inforama Rütti in Zollikofen BE sind vor allem Wiesen und Raps betroffen. «Die Wiesen wurden durch den Schnee heruntergedrückt, es waren schöne, silierreife Raygrasbestände. Bei solchen Parzellen mit Schneedruck ist es wichtig, dass man sie bald mähen kann.»

Zbinden hofft, dass es bald ein Zeitfenster zum Silieren und Heuen gibt, weil das Gras ansonsten unten zu faulen und zu stinken beginnen kann. «Wenn beim Raps der Haupttrieb geknickt wurde, ist mit einer weitgehenden Kompensation durch die Seitentriebe zu rechnen.» Heinrich Hebeisen vom BBZN Hohenrain LU meint zur Situation im Kanton Luzern: «Der Schnee hat insbesondere in Lagen über 600m zu Schneedruckschäden bei Raps und Gerste und auch zu Schäden in Obstanlagen geführt.»

Gekrümmte Stängel

Am Strickhof in Lindau ZH gab es kaum Schnee. Dafür in St.Gallen rund 20cm. Markus Hochstrasser vom Strickhof rechnet im Raps nicht mit starken Schäden: «Es kommt zu gekrümmten Stängeln oder zu Stängeln mit Rissen. Gekrümmte Stängel drehen sich wieder in die Senkrechte. Das sollte nicht problematisch sein. Wenn Stängel geknickt wurden, kann der Raps das mit der Bildung von Seitentrieben meist gut kompensieren.» 

Schneedruck versichern

Die Ackerbau-Pauschalversicherung (APV) und die APV+ der Schweizer Hagel decken 15 Risiken beziehungsweise Elementarschäden ab, darunter  Schneedruck in Getreide, Mais, Raps, Körnerleguminosen und Wiesen. Dabei muss der Schnee einen feststellbaren Schaden verursachen, damit es als Schadenereignis gilt. Laut Emilia Baldi von der Schweizer Hagel haben rund 10'000 Bauern in der ganzen Schweiz eine solche Versicherung abgeschlossen. Seit 2018 können bei der Schweizer Hagel neben Reben auch Obst- und Beerenkulturen gegen Frost versichert werden. sum


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