7.09.2020 13:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Schwieriger Sommer für Äcker und Wiesen
Die Hitze und Dürre im Jahr 2018 hat besonders Ökosystemen in tiefen Lagen zugesetzt. Ein anderes Bild zeigte sich in höheren Gefilden: Dort profitierte die Natur von den wärmeren Temperaturen und der längeren Vegetationszeit.

Forschende der ETH Zürich, der Universität Zürich und der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft untersuchten, wie Wälder, Äcker und Wiesen auf den Sommer 2018 reagierten. Sie präsentierten ihre Resultate aus Messungen von fünf Schweizer Standorten, die zwischen 400 bis 2000 Meter über Meer liegen, nun im Fachmagazin «Phil Trans B» der Royal Society.

Demnach reduzierte sich die Produktivität des Mischwaldes auf der Lägeren und bei den Wiesen auf der Chamau im Kanton Zug um 20 Prozent im Vergleich zu den beiden Vorjahren. Der Nadelwald bei Davos, die Wiese bei Früebüel im Kanton Zug und die Alpweide Weissenstein am Albulapass kurbelten ihre Produktivität jedoch an.

Viel Schnee nicht unbedingt hilfreich

Die höher gelegenen Ökosysteme profitierten nicht nur von den warmen Temperaturen, sondern auch von den ergiebigen Schneefällen im Winter zuvor. Dadurch konnten sie sich einen Feuchtigkeitsspeicher für den Sommer aufbauen - das gelang den tiefer gelegenen Standorten nicht.

«Die Wasserverfügbarkeit ist ein entscheidender Faktor, wie Ökosysteme Hitzeperioden überstehen», sagte Nina Buchmann von der ETH Zürich gemäss der Mitteilung vom Montag. «Deshalb muss man bei der Untersuchung einer Dürre nicht nur die eigentliche Trockenperiode berücksichtigen.»

Ökosysteme speicherten zum Teil weniger CO2

Fast alle untersuchten Systeme nahmen im trockenen und heissen Sommer 2018 nicht nur mehr Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre auf, sondern setzten gleichzeitig auch mehr des Treibhausgases frei.

«Insgesamt resultiert das in einer geringeren Netto-Kohlenstoffaufnahme für die beiden Wälder und die Wiese auf der Chamau», sagte die Erstautorin Mana Gharun, ebenfalls von der ETH. Das sei ein ungünstiger Befund, da man unter wärmeren Bedingungen davon ausgehe, dass Ökosysteme als Kohlenstoffsenken einen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels leisten könnten.

Starker Einbruch der Produktivität

Beim Mischwald auf der Lägeren nahe bei Zürich und bei der Wiesen auf der Chamau reduzierte sich die Produktivität im Schnitt um 20 Prozent im Vergleich zu den beiden Vorjahren. Anders sieht die Situation bei den höherliegenden Ökosystemen aus: Sowohl der Nadelwald bei Davos als auch die Wiese bei Früebüel und die Alpweide Weissenstein am Albulapass profitierten von den wärmeren Temperaturen und der längeren Vegetationszeit. Die günstigeren Wachstumsbedingungen führten dort zu einer höheren Produktivität der Ökosysteme. 

Für die Fichten wird es ungemütlich

Dass die Wälder in der Schweiz im Hitzesommer nachhaltigen Schaden erlitten hatten, zeigte bereits eine Basler Studie. Demnach vertrockneten die Bäume schneller, trieben im Folgejahr nicht mehr aus oder waren gar abgestorben.

Auch Buchmann sagte nun: «Für die Fichten im Tiefland wird es mittelfristig ungemütlich.» Denn Fichten schlagen nicht tiefe Wurzeln, wodurch sie eher von Dürren betroffen sind als andere Bäume. Das sei eine ungünstige Prognose, so die Forscher.

Schlechte Aussichten für die Bauern

Und wie sieht es mit den Wiesen aus? Dort stellen die beiden Forscherinnen zurzeit noch keinen Memory-?Effekt fest, weil sich Wiesen nach einer Trockenphase schneller erholen. Dass Wiesen in den tieferen Lagen in einem Jahr wie 2018 deutlich weniger Gras hergeben, ist für die Bauern dennoch eine schlechte Nachricht.

Die Graslandwirtschaft ist der zentrale Pfeiler der Schweizer Landwirtschaft. Wenn auf Wiesen künftig wegen der zunehmenden Trockenheit im Sommer weniger Gras wächst, dann hat das direkte Konsequenzen für die Milch-? und Fleischproduktion.

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