13.01.2014 16:26
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Silomais
Silomaiserträge waren 2013 fast 10 Prozent tiefer
2013 war ein schwieriges Maisjahr. Mindererträge waren die Folge. Da bekommen neue Sorten eine noch grössere Bedeutung als sonst. 20 neue fanden Aufnahme in der Liste der empfohlenen Sorten für die Aussaat 2014.

Was eine neue Maissorte werden will, hat eine strenge Prüfung zu überstehen. Nur so ist es möglich, aus den vielen neu eingereichten Produkten die besten auszuwählen, jene also, die dem Landwirt die grössten Dienste leisten. Deshalb erklärte Jürg Hiltbrunner von der Forschungsanstalt Agroscope am UFA-Maistag im Sämereienzentrum Niderfeld den rund 300 Bauern, welche Kriterien die entscheidenden sind.

Neue Sorten prüfen

Beim Körnermais werden Ertrag, Reife, Standfestigkeit, Krankheit und Jugendentwicklung untersucht. Beim Silomais kommt die Verdaulichkeit dazu. Die Kriterien werden mit denen bestehender Referenzsorten verglichen. Über Formeln lässt sich berechnen, ob eine neue Sorte einen Mehrertrag oder auch einen Mehrnutzen bringt. Ist das der Fall, so findet sie Aufnahme in der Liste der empfohlenen Sorten.

In den Prüfjahren 2012/13 hat Hiltbrunner zusammen mit seinem Team 65 neue Sorten untersucht. «Davon konnten wir 20 Sorten oder 31 Prozent definitiv empfehlen», erklärte er. «Mit dieser Methode können wir Schwächen der Sorten eruieren und objektive Vergleiche zwischen den Sorten anstellen.» Diese Neuempfehlungen haben aber auch zur Folge, dass neun Sorten aus der Liste gestrichen wurden. Die veränderte Sortenliste ist online bei Swiss Granum und Agroscope abrufbar.

Mindererträge 2013

Wie wichtig die Entwicklung neuer Sorten ist, zeigte sich im letzten Jahr. Es war für die Forscher zwar ein gutes Jahr, da sie ihre Versuche unter extremen Bedingungen durchführen konnten. «So erhalten wir Resultate, die in normalen Jahren nicht möglich wären», sagte Hiltbrunner. Auf der anderen Seite litt der Ertrag der Bauern. Das wurde mit den Ausführungen von Hanspeter Hug von der UFA klar.

Er zeigte Bilder von Maispflanzen, die durch die Wetterextreme arg zerzaust worden waren. Bei den einen Sorten litt die Standfestigkeit, bei anderen zeigten sich der Hexenbesen oder die Stängelfäule. Wieder andere Felder waren mehr Wiese als Maisfeld. «So entstanden im Jahr 2013 beim Körnermais Mindererträge von 6,7 Prozent, beim Silomais von 9,8 Prozent», erklärte Hugs Kollege Stefan Lüthi. Trotzdem sprach Lüthi von einem höheren Körneranteil in der Silage, was einem höheren Futterwert entspreche.

Er wies zudem darauf hin, dass sich bei frühem Säen und spätem Dreschen eine späte Zahnmaissorte aufdränge. Bei frühem Säen und frühem Dreschen sei es eine Hartmaissorte und bei spätem Säen eine Silomaissorte.

Verdaulichkeit verbessern

Seit 1980 hat beim Mais der Ertrag stetig zugenommen. Doch nicht nur der Kolben wurde grösser, es gibt auch mehr Anteil an Restpflanze. Diese ist schlechter verdaulich. Ihre Zellwandbestandteile enthalten zwar 20 bis 30 Prozent der Energie. Diese sei aber nur gerade zu 56 Prozent verdaulich, wie Roger Bolt vom Strickhof erklärte. Das Lignin in der Zellwand limitiere die Verdaulichkeit. Komme dazu, dass die Menge an Fasern bei frühreifen Sorten tiefer sei und danach mit fortschreitender Reife steige.

Für Bolt war deshalb klar, dass sich ein Bauer für seine spezifische Betriebsausrichtung gut überlegen muss, welche Sorte er für seinen Standort wählt, wie lange er mit der Ernte zuwartet und wie er sein Futter mischt. Es gelte, eine Balance zu finden zwischen Stärkegehalt, Energiegehalt und Verdaulichkeit. Auf der anderen Seite sah er es als Aufgabe der Forschung, auf bessere Verdaulichkeit der Restpflanze zu züchten.

Vom Mais zur Milch

Denn klar ist, wenn der Pansen einer Kuh diese schlecht abbaut, so hat er weniger Platz für neues Futter. «Sicher ist, dass es ein langer und schwieriger Weg ist, bis aus dem angesäten Mais Milch oder Fleisch wird.»

Diese Gedanken prägen auch die Silomaiszüchtung. Man müsse aber  abwägen, wie man die Anforderungen der Kuh gewichte im Vergleich zu pflanzenbaulichen Aspekten  sowie der Eignung für verschiedene Ernte- und Silierverfahren, sagte Frank Looff von Pioneer in Buxtehude (D).

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