Samstag, 25. September 2021
15.05.2021 08:23
Forschung

Studie: Moderate Beweidung schützt Insekten

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Von: sda/blu

Das Zusammenspiel zwischen Pflanzen- und Insektenarten ist umso besser, je mehr Licht Wälder durchfluten und je weniger Wiesen und Grasland gemäht werden. Dies ist das Resultat einer von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) koordinierten internationalen Studie.

In der vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierten Studie im Rahmen des «Schwerpunktprogramms Biodiversitäts-Exploratorien» der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) untersuchten die Forscher in den drei deutschen Naturräumen Schwäbische Alb (Baden-Württemberg), Hainich (Thüringen) und Schorfheide (Brandenburg) die Vielfalt der Pflanzen und Insekten, sowie deren Wechselwirkungen.

Intensivierung bedroht biologische Vielfalt

«Die Intensivierung der Landnutzung stellt eine grosse Bedrohung für die biologische Vielfalt dar, unter anderem für pflanzenfressende Insekten und ihre Wirtspflanzen», schreiben die Forscher. Sind Käfer, Heuschrecken, Blattwanzen oder Zikaden nur auf eine oder sehr wenige Pflanzenarten spezialisiert, müssen sie abwandern oder sie sterben lokal aus, wenn ihre Wirtspflanzen verschwinden.

Ist die vorhandene Nahrungspalette einer Insektenart hingegen artenreich, kann sie trotzdem überleben, auch wenn die Pflanzenarten abnehmen. «Das Zusammenspiel von Arten unterschiedlicher Organismengruppen ist letztlich entscheidend für die Stabilität eines Ökosystems», halten die Forscher fest.

Wiesen, Weiden und Wälder untersucht

Mit ihrer Studie auf intensiv bis wenig bewirtschafteten Wiesen und Weiden (Grünland) sowie in unterschiedlich bewirtschafteten Buchen- und Nadelwäldern wollten sie mehr über das Zusammenspiel zwischen Pflanzen- und Insektenarten herausfinden, die lokale Netzwerke bilden.

Dies geschah in bis zu 1300 Quadratkilometer grossen Naturräumen, wie die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL am Freitag mitteilte. So war sichergestellt, dass eine genügende Anzahl unterschiedlich bewirtschafteter Flächen abgedeckt wurde, um statistisch gesicherte Ergebnisse zu erhalten. Insgesamt erfassten die Forschenden auf 289 langfristig angelegten Stichprobenflächen 531 Pflanzen- und 1053 Insektenarten sowie deren Häufigkeiten.

Dabei zeigte sich, dass Pflanzen-Insekten-Netzwerke in wenig beweidetem Grünland aus mindestens 70 Pflanzenarten und 80 pflanzenfressenden Käfer-, Heuschrecken-, Blattwanzen- und Zikadenarten bestehen. Auf häufig gemähten oder gedüngten Wiesen und Weiden konnten hingegen durchschnittlich 40 Pflanzen- und 60 bis 70 der untersuchten Insektenarten nachgewiesen werden.

Licht stabilisiert Systeme

In seit kurzem unbewirtschafteten Wäldern mit dichtem Baumbewuchs erwies sich die Biodiversität mit durchschnittlich 25 Pflanzen- und 30 solcher Insektenarten deutlich geringer als in lichten Wäldern. Jenen Insekten, die nur wenige Baum- oder Krautarten als Nahrung nutzen können, fehlt dort die Lebensgrundlage.

Hingegen dringt in Wäldern mit zahlreichen Lücken im Kronendach viel Licht auf den Boden, so dass dort bis zu 80 Pflanzen- und 50 pflanzenfressende Insektenarten der studierten Gruppen vorkommen.

Licht fördert die Vielfalt an Pflanzen

«Licht fördert die Vielfalt an Pflanzen, welche wiederum mehr Insektenarten als Nahrungsgrundlage dienen. Gleichzeitig sind die Insektenarten weniger gefährdet, lokal auszusterben, das System ist also stabiler», sagt WSL-Forscher Felix Neff, der Erstautor des soeben in der Zeitschrift «Science Advances» erschienenen Fachartikels. Auch förderlich sind aus verschiedenen Laub- und Nadelbäumen gemischte Bestände, die sich ausserdem als stabiler gegenüber dem fortschreitenden Klimawandel erweisen dürften. 

Für Grünland empfehlen die Forschenden eine moderate Beweidung anstelle des intensiven Mähens, um vielfältige und stabile Insektengemeinschaften zu fördern. «Diese Erkenntnisse lassen sich auch auf die Schweiz übertragen, beispielsweise aufs Mittelland, den Jura oder die tieferen Lagen der Voralpen», sagt Martin Gossner, Gruppenleiter bei der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft.

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