11.03.2020 17:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Nager
Umfrage: Mehr Mäuse auf Feldern?
Die Mäuse beginnen früher als normal mit der Vermehrung. Das kann bis zum Totalschaden der Wiesen führen. Wie sieht es auf Ihren Feldern und Wiesen aus? Haben Sie auch mehr Mäuse beobachtet? Oder sind Ihre Felder nicht betroffen? Abstimmen und mitdiskutieren

Der milde Winter hat den Schermäusen gefallen. «Wir haben schon einige Male feststellen können, dass die Schermäuse in warmen Wintern früher als sonst mit der Vermehrung beginnen», weiss Cornel Stutz von Agroscope, der im Schermausradar die Entwicklung der Mäusepopulationen beobachtet.

Milder Winter hilft Mäusen

Für die Bauern verheisst die frühe Aktivität der Nager nichts Gutes. Denn je länger die Vegetationsperiode dauert, desto fleissiger vermehren sie sich. «Grob geschätzt können ein bis zwei zusätzliche Würfe pro Jahr zu einer Verdoppelung der Schermauspopulation führen», rechnet Stutz vor. «Bei einer niedrigen Schermausdichte fallen ein bis zwei Extrawürfe kaum ins Gewicht. Doch kann ein milder Winter einer im Herbst mittelgrossen Schermauspopulation dazu verhelfen, im Frühling in die Massenvermehrungsphase überzugehen.»

Klassische Massenvermehrungen ereignen sich aktuell im Entlebuch LU, in der Region Thal SO und in den Freibergen JU. Eine deutliche Entspannung bezüglich Schermausdruck erfahren die Bauern im Emmental BE, im Säuliamt ZH, auf dem Hirzel ZH sowie im freiburgischen voralpinen Hügelgebiet. Wäre der Winter kalt und der Boden gefroren gewesen, hätte eine Schneeschicht den Mäusen geholfen, sich vor Räubern zu verstecken und ihre Baue im Boden warm zu halten. Doch das war diesen Winter selten der Fall. 

Bis 40 Mäuse/ha lohnt sich Bekämpfung

Bis zu einer Mäusedichte von ungefähr 40 Mäusen pro Hektare – dann sind die Schermaus-Kolonien über die Fläche locker verteilt und gut voneinander unterscheidbar – lohnt sich eine Mäusebekämpfung. Wenn es mehr Mäuse hat und die Schermaus-Kolonien nur noch knapp oder gar nicht mehr voneinander unterscheidbar sind, dann lohnt sich laut Stutz eine grossflächige Mäusebekämpfung im Futterbau nicht mehr.

«In solchen Fällen raten wir den Landwirten, dass sie den Mäusefang auf besonders wertvolle Flächen wie  Obstanlagen, Blumenfelder oder Gemüseparzellen beschränken sollen.» Bei geringen Schäden werden die Mäusehaufen auf dem Feld laut Stutz am besten mit einer Wiesenegge  ausgeebnet.

Mäuse-Zyklus

Wühlmauspopulationen verhalten sich an vielen Orten zyklisch. Während zwei bis vier Jahren ist der Bestand gering, ehe sich die Mäuse explosionsartig fortpflanzen. Nach fünf bis sieben Jahren bricht die Population plötzlich wieder zusammen.

Schäden in Millionenhöhe

«Bei mittleren Schäden kann man die Wiesen abschleppen und eine Übersaat durchführen», fährt er fort. «Bei grossen Schäden heisst es abwarten, bis die Population zusammengebrochen ist, um eine totale Wiesensanierung mit Neuansaat vorzunehmen.» Wenn die Population nicht zusammenbricht, kann man im Ackerbaugebiet die Parzelle temporär in die Fruchtfolge nehmen und ein Jahr Getreide anbauen. 

In der Landwirtschaft entstehen durch Mäuse jährlich Schäden in Millionenhöhe. Auswertungen von Agroscope haben ergeben, dass eine Schermaus durchschnittliche Kosten von 5 Franken verursacht. Bei einer Mäusezahl von 300 bis 1000 Tieren pro Hektare, aus pflanzenbaulicher Sicht ist das ein Totalschaden, bricht die Population gewöhnlich zusammen, sodass nur noch wenige Individuen überleben. 

Wie sieht es auf Ihren Feldern aus? Haben Sie mehr Schäden durch Schermäuse zu beklagen als in den Vorjahren? Wie gehen Sie gegen die Nager vor? Abstimmen und mitdiskutieren

Schermaus

Die Schermäuse (Arvicola) sind eine Gattung der Wühlmäuse. Mit Kopfrumpflängen bis 22 Zentimetern sind dies die grössten Wühlmäuse. Die Fortpflanzung findet von März bis Oktober statt, die Zahl der Würfe pro Jahr beträgt 3 bis 5. Die Tragzeit beträgt etwa 22 Tage. Die Würfe sind relativ gross; sie umfassen 2-9, ausnahmsweise bis 14 Junge, meist jedoch 4-6 Junge. Die Lebensdauer in Gefangenschaft betrug maximal 3,5 Jahre.

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