Sonntag, 25. September 2022
19.09.2012 07:09
AFGG-Waldhoftagung

Wertvollen Hofdünger nicht verpuffen lassen

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Von: Barbara Schwarzwald

Der Nährstoffgehalt der Gülle schwankt stark. Das ist unvermeidlich, bedingt aber, dass man weiss, was mit dem Druckfass ausgebracht wird. Beim Güllen schliesslich soll nicht noch mehr N verpuffen. Mit Bildergalerie

«Wir bieten den Landwirten mit der diesjährigen Waldhoftagung Unterstützung beim Dreifach-Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie, zwischen dem Tierwohl und den Nährstoffverlusten sowie zwischen der Nährstoffverlustminimierung und der Bodenverdichtung», liess Ernst Flückiger, Pflanzenbauberater am Inforama Emmental Bäregg, wissen. Flückiger war Mitglied im Organisationskomitee der Waldhoftagung, an der gut 700 Landwirte, Lohnunternehmer und weitere interessierte Fachpersonen aus der Landwirtschaft teilnahmen.

Hohe Verluste

Jochen Mayer von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART zeigte den Weg des Güllestickstoffs von der Kuh zur Pflanze auf. Eine Kuh mit einer Milchleistung von 6’500kg scheidet 115kg Stickstoff in Form von Kot und Harn aus. Ammoniakemissionen im Stall und durch die Lagerung führen dazu, dass davon noch 92kg N in Form von Gülle ausgebracht werden. 55kg N, also nur ca. 50 Prozent des ausgeschiedenen Stickstoffs, sind für die Pflanzen schlussendlich verfügbar.

Güllegehalt kennen

Da der Düngerwert der Gülle eine stark variable Grösse sei, sei es wichtig, den Nährstoffgehalt der eigenen Gülle zu kennen. Gegen 500 Gülleproben wurden von den Landwirten zum Gratis-Check an die Waldhoftagung mitgebracht. Mittels Schnelltest hätte jeder Landwirt am Ende der Tagung den Wert seiner Gülle erfahren sollen. Da die Verantwortlichen nicht mit so vielen Ammonium-Stickstoff-Untersuchungen gerechnet hatten, werden die Resultate schriftlich mitgeteilt. Eine zweckmässige Beprobung der Gülle sei für eine gezieltere Düngung unabdingbar.

Erstmals live

Mittels Ultraschallanemometer für 3D-Windmessungen, Impingersystem für die mobile Vergleichsmessung und anderer Tools wurde den Landwirten erstmals live die Bestimmung von Ammoniakverlusten nach dem Ausbringen von Gülle vorgeführt. Die verschiedenen Applikationsarten wurden mit einem speziellen Forschungsfass von Tänikon vorgenommen.

Drei wichtige Punkte zum Güllen wurden als Kernbotschaften vermittelt: Erstens ist vor dem Güllen in allen Jahreszeiten eine Bestand-Wetter-Boden-Prüfung durchzuführen. Zweitens sollte die Gülle nur dann ausgebracht werden, wenn an ihrer Stelle auch Ammonsalpeter gestreut würde. Und als dritte Botschaft gilt: Wenn sich ein Kreiselheuer und ein Druckfass auf der Strasse begegnen, ist einer/eines von ihnen falsch.

Ende Winter bis im Frühjahr seien Güllegaben bezüglich Stickstoffaufnahme, gasförmiger Emissionen, Abschwemmung und Auswaschung (mit punktuellen Risiken) sehr günstig. Gute Zeitfenster böten sich vom zeitigen Frühjahr bis in den Frühherbst. Dass im Sommer auf Ammoniakverluste zu achten ist, dass also vorzugsweise bei kühlem, bedecktem Wetter, leichtem Regen und bei Windstille abends auf saugfähigen Boden mit verdünnter Gülle im Verhältnis 1:1 bis 1:2 gedüngt wird, ist bekannt.

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