29.04.2020 17:15
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Wiesen zertrampelt wegen Corona?
Mit dem Ausrufen der ausserordentlichen Lage wurde das Leben in der Schweiz massiv eingeschränkt. Viele Menschen nutzen die Zeit, um in der Natur zu spazieren. Dabei kommt es zu Spannungen mit der Landwirtschaft. Haben die Schäden auf Ihren Feldern seit dem Beginn der Pandemie zugenommen? Abstimmen und mitdiskutieren

Das gesellschaftliche Leben in der Schweiz ist durch die Corona-Pandemie stark eingeschränkt. Viele Menschen suchen derzeit in der Natur Erholung. Dem ist eigentlich nichts auszusetzen.

Rechtliche Lage eindeutig

Doch erachtet ein Teil der Erholungsuchenden die Wiesen und Weiden als «Freizeitpark». Dies führt unweigerlich zu Konflikten. Gemäss dem Zürcher Bauernverband (ZBV) melden sich vermehrt Landwirte beim Verband. Diese seien über das Treiben auf ihren Futterflächen frustriert. Denn ein Teil der Bevölkerung würde rücksichtlos Gras zertreten, das in Kürze gemäht werden soll. Auch Ökoflächen – die von der Bevölkerung sehr gewünscht sind – würden durch zurückgelassenen Abfall verunreinigt. 

Die rechtliche Lage ist gemäss ZBV aber eindeutig. In fast allen Gemeinden ist in der Polizeiverordnung geregelt, dass das Begehen von Kulturland in der Vegetationsperiode verboten ist. Der Verband und die Landwirtinnen und Landwirte appellieren an die Bevölkerung Wiesen und Weiden nicht zu betreten. Der ZBV hebt aber hervor, dass ein Grossteil der Bevölkerung die blühenden Wiesen vom Feldrand aus geniesst.

Futterflächen respektvoll behandeln

Auch Landwirt Luzius Frei aus Ehrendingen AG hat negative Erfahrungen gemacht. «Viele Spaziergänger picknicken auf den Wiesen, laufen durch das hohe Gras oder parkieren auf dem Feld», sagte er zu «Aargauer Zeitung». Das niedergetrampelte Grün könne nicht gemäht werden. «Das Gras ist ein Lebensmittel, auch wenn nicht für Menschen. Das sollte man respektvoll behandeln», sagt er weiter. 

Betroffen ist von zertrampelten und verschmutzten Wiesen und Weiden sind auch die Landwirtschaftsbetriebe im Kanton Bern. «Der Belastungsgrad ist jedoch unterschiedlich, je nachdem mit wie viel landwirtschaftlichem Wissen die Besucherinnen und Besucher unterwegs sind», sagte Hans Jörg Rüegsegger, Präsident vom Berner Bauernverband (BEBV), zum Landwirtschaftlichen Informationsdienst. Besonders betroffen seien Naherholungsgebiete um die urbanen Gemeinden wie Bantiger, der Moossee, die Region Naturpark Gantrisch sowie die Gegenden um Fliessgewässer.

Info-Tafeln

Der Berner Bauernverband rät, Feldrandtafeln an stark frequentierten Orten aufzustellen, die über die Kulturen und die Produktion informieren. Wichtig sei auch, sich Zeit für Gespräche mit den Ausflüglern zu nehmen und den Dialog zu suchen. 

«Wenn jemand dann immer noch uneinsichtig ist, könnte der Vergleich mit `Betreten ihres Gartens/Rasens verboten` die Fehlbaren ermuntern, die Regeln zu akzeptieren», empfiehlt Rüegsegger.

Tafeln bestellen

Wegen der Corona-Einschränkungen zieht es derzeit besonders viele Besucherinnen und Besucher ans Kulturland. Mit Tafeln wie «Stadt und Land – Hand in Hand» können diese aufs richtige Verhalten aufmerksam gemacht werden. Die wetterbeständige Informationstafel «Stadt und Land, Hand in Hand», eignet sich zum Aufstellen am Feldrand.

Informationstafeln und Broschüren können kostenfrei im LID-Shop hier bestellt werden. Pro Bestellung der Tafeln werden 8 Franken für Porto und Verpackung verrechnet. Das Material kann gratis an der Weststrasse 10, Bern, abgeholt werden.

«Respekt heisst das Zauberwort»

Für grosse Aufmerksamkeit sorgte einen Aufruf von Bäuerin Petra Fäh aus Notkersegg bei St. Gallen. Auf den Wiesen und Weiden hat die Bevölkerung im Gras niedergelassen und Abfall liegen gelassen. «Liebe St. Galler Spaziergänger/innen, Partytiger, Frischluft-Geniesser/innen: Dieser Abfall landet nachher im Futter unserer Tiere. Besonders Glasscherben und Teile von Aludosen können dem Tier viel Leid zufügen. Gar zum Tod führen! Bitte nehmt doch euren Abfall wieder mit! Wir und unsere Tiere werden es euch danken! Und bitte haltet euch an die offiziellen Wege und trampelt nicht im zukünftigen Futter unserer Kühe rum! Respekt heisst das Zauberwort! Der Natur, den Tieren, den Mitmenschen und uns gegenüber», liess über einen Facebook-Post verlauten.

Die allermeisten Kommentar-Verfasser teilen der Ärger der Bäuerin. Seit rund 20 Jahren führen Thomas und Petra Fäh den Bauernhof Notkersegg. Das Foto mit dem Abfall und der zertrampelten Wiesen hat sie am vergangenen Sonntag aufgenommen. Littering sei schon vor zehn Jahren ein Problem gewesen, sagte sie zum «St. Galler Tagblatt». Seit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie habe sich das Problem aber verschärft. 

Schaden kann kaum eingefordert werden

Wenn alle Massnahmen nicht wirken und am Kulturland Schaden entsteht, ist es für die betroffenen Landwirten jedoch schwer, den Schaden ersetzt zu bekommen. «Der Bauer könnte angerichteten Schaden geltend machen. In der Praxis ist das aber kaum durchzusetzen, respektive in den meisten Fällen nicht möglich, den Schaden zu beziffern», sagt Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband (SBV).

Bevölkerung sensibilisieren

Sie können verstehen, dass die Bevölkerung mit Sparziergängen Abwechslung suche. Abfall und zertrampeltes Gras sei aber nicht zu akzeptieren. Denn der Abfall könne eine Gefahr für die Kühe werden. Mit dem Post und den dazugehörenden Fotos will sie die Bevölkerung auf die Gefahren sensibilisieren. 

Sie gibt auch keiner Generation die Schuld. Es seien nicht einmal zwingend die Jungen. Und die über 60-Jährigen wüssten noch, dass man die Felder nicht betreten soll.  «Wir beobachten viele Familien mit Kindern, die irgendwo auf einer Wiese ein Picknick veranstalten. Und dann bleiben halt teils auch Abfälle liegen», sagte Fäh zum «St. Galler Tagblatt». 

Haben Sie auch Erfahrungen mit Spaziergänger und Ausflügler gemacht? Und wenn ja, wie fielen diese aus? Wurden Wiesen zertrampelt? Oder hat sich die Bevölkerung die Futterflächen respektiert? Abstimmen und mitdiskutieren

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