16.10.2020 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Mais
Wieso die Schweiz diesen Käfer im Griff hat
Der Maiswurzelbohrer ist ein gefährlicher Schädling. Seit einigen Jahren tritt er auch in der Schweiz regelmässig auf. Im Gegensatz zu anderen Ländern konnte er sich hier bisher nicht etablieren. Der Grund ist die Fruchtfolge.

«Billion Dollar Bug» wird der Maiswurzelbohrer in Nordamerika auch genannt – der Milliarden-Dollar-Käfer. Der Grund sind die grossen Schäden, die der Käfer seit Jahrzehnten in Nordamerikas Maisfeldern anrichtet.

Nur eine Art in Europa

Auf eine Milliarde Dollar werden sie in den USA pro Jahr geschätzt. Eigentlich stammt er aus Zentralamerika, aber bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde er erstmals in den USA beobachtet. Seither hat er sich stark ausgebreitet und ist gemäss der Forschungsanstalt Agroscope seit 2000 regelmässig in Tessiner Fallen zu finden. Er fliegt jeweils von Italien her ein.

Während in den USA mehrere Unterarten vorkommen, ist in Europa erst eine aufgetreten. In der Schweiz gilt der Westliche Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera) als Quarantäneorganismus. Dabei handelt es sich um Schädlinge (oder Pflanzenkrankheiten), die wirtschaftlich von Bedeutung sein können, in der Schweiz aber nur lokal oder gar nicht auftreten. Tritt so ein Schädling auf, so muss er gemeldet und bekämpft werden, damit er sich nicht ausbreiten kann. Die Massnahmen erweisen sich bisher als erfolgreich.

Umfassendes Fallennetz

Mit Pheromonfallen wird der Schädling in der Schweiz überwacht. Über das ganze Maisanbaugebiet in der Schweiz sind die Fallen in einem Gitternetzmuster verteilt. 769 Käfer gingen dieses Jahr in die Fallen, die meisten davon im Tessin nahe der Grenze zu Italien. Das sind weniger Käfer als im Vorjahr. Agroscope bezeichnet die Situation denn auch als stabil.

Ein Grund für die im Vergleich zur EU komfortable Situation sind die rigorosen Bekämpfungsmassnahmen. Wo ein Maiswurzelbohrer gefangen wird, darf im Umkreis von 10 Kilometern um den Fallenstandort herum nicht mehr Mais auf Mais angebaut werden. Weil im Tessin seit rund 20 Jahren die Käfer regelmässig auftreten, gilt die Regel dort für den ganzen Kanton.

Erfolg dank Fruchtwechsel

Dass die Schweiz im Vergleich zum Ausland besser dasteht, hängt grundsätzlich mit dem Fruchtwechsel zusammen. Frisch geschlüpfte Junglarven des Käfers brauchen rasch Nahrung – also Maiswurzeln (siehe Textbox). Ohne diese sterben sie. Damit ist der Fruchtwechsel eine einfache Methode, den Käfer im Griff zu behalten. Tests von Agroscope im Tessin bestätigten, dass in Monokultur-Parzellen die Käferanzahl signifikant höher ist als in jenen mit Fruchtwechsel.

Laut Agroscope sind Monokulturen wie in Nordamerika auch der Grund, wieso sich der Schädling überhaupt dermassen verbreiten konnte. In den USA ist ausserdem eine Unterart bekannt, die mit Einführung der Fruchtfolge Mais auf Soja ihr Eiablageverhalten geändert hat und dadurch auch Schäden an Fruchtwechsel-Mais verursacht hat.

Kein Quarantäne-Organismus mehr in der EU

In der EU ist der Käfer verbreitet. Die Versuche, ihn auszurotten, sind gescheitert. Deshalb gilt der Maiswurzelbohrer dort seit 2014 nicht mehr als Quarantäneorganismus, was seine Verbreitung noch gefördert hat. Das zeigt sich gut an den Fallzahlen in Baden-Württemberg. Während dort 2014 in den Fallen 2400 Maiswurzelbohrer landeten, waren es 2019 schon 145'000 gefangene Käfer. Aufgrund der starken Zunahme in der Rhein-Ebene bei Freiburg im Breisgau gelten dort wieder strengere Vorschriften.

So darf in gewissen Gebieten nur noch in zwei von drei aufeinanderfolgenden Jahren Mais auf einer Fläche angebaut werden. Die Vorschriften sind dadurch zwar strenger, aber immer noch lockerer als in der Schweiz. Es dürften also weiterhin Käfer in die Schweiz einfliegen, aus Deutschland, aber vor allem aus Italien, wo in den Ebenen südlich der Schweiz oft immer noch auf Monokulturen gesetzt wird.

Die Larven verursachen die grössten Schäden

Der Maiswurzelbohrer (MWB/Diabrotica virgifera virgifera) gehört zu den Blattkäfern. Während es in Nordamerika mehrere hundert Diabrotica-Arten gibt, beschränkt sich deren Auftreten in Europa auf eine Art. Die schwarz-gelben Käfer sind 5-6 Millimeter gross. Die Weibchen legen nach der Befruchtung rund 300 bis 500 Eier in der Nähe von Mais in den Boden. Diese überwintern dort.

Die Larven schlüpfen schliesslich bis in den Juli hinein. In drei Stadien entwickeln sie sich während rund vier Wochen – je nach Temperatur - zum Käfer. Die geschlüpften Larven fressen dann Maiswurzeln. Sie können sich zwar auch von einigen anderen Gräsern ernähren, dann aber mit hoher Sterblichkeit. Wenn bei einer Maispflanze zu viele Wurzeln gefressen werden, stirbt die Pflanze ab, weil sie ihren Wasser- und Nährstoffbedarf nicht decken kann. Sind die Larven älter bohren sie sich – daher kommt der Name – ins Wurzelwerk des Maises hinein. Weil damit die gesamten Wurzeln von Pflanzen wegfallen können, kippen sie rasch um. Nachdem sie sich vollgefressen haben, verpuppen sich die Larven, bis sie als ausgewachsene und flugfähige Käfer wiederkommen.

Die Käfer fliegen ungefähr von Juni bis Oktober. Die adulten Käfer ernähren sich schliesslich von den Narbenfäden, Pollen und Körner des Maises. Wirtschaftlich bedeutend sind aber vor allem die unterirdischen Schäden. In der Schweiz ist ausschliesslich die Fruchtfolge zur Bekämpfung möglich. Chemische oder biologische Pflanzenschutzmittel gegen den Maiswurzelbohrer sind nicht zugelassen.

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