3.08.2016 11:54
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Uri
Wildheulandschaft ausgezeichnet
Die Isenthaler Wildheuflächen werden mit der Auszeichnung „Landschaft des Jahres“ bedacht. Der Preis wird von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) verliehen. Das Wildheuen hat sich gemäss der Organisation zu einem Kulturgut und wichtigen Pflegemassnahmen entwickelt.

Mit dem seit 2011 verliehenen Preis will die Stiftung Landschaftsschutz (SL) die Werte von Landschaften kommunizieren, über deren Gefährdungen informieren sowie das Engagement für die Landschaftspflege honorieren. 

Uri: 370 ha

Dieses Jahr wird das Wildheuen im Urner Isenthal mit dem Preis in der Höhe von 10‘000 Franken ausgezeichnet. „Die althergebrachte Gewinnung von „Notheu“ und Winterfutter ist längst zu einem Kulturgut und zu einer wichtigen Pflegemassnahme artenreicher Trockenwiesen geworden“, schreibt die Stiftung am Dienstag in einem Communiqué. Diese Nutzungsform sei weltweit vermutlich nur in den Alpen anzutreffen.

Der Kanton Uri fördert das Wildheuen seit dem Jahr 2008. Das spektakuläre Wildheuen wurde zuvor immer seltener. So wurde beispielsweise für das Schächental zwischen 1940 und 1980 eine Flächenreduktion von 60% festgestellt. Der Kanton Uri hat europaweit eine Spitzenposition beim Wildheuen inne. Rund 370 ha oder 1/3 der wertvollen nationalen Wildheumatten des Bundesinventars liegen auf seinem Gebiet. In der Schweiz werden gemäss Bundesamt für Umwelt schätzungsweise noch 4'000 Hektaren Wildheu genutzt. Davon sind rund 1'000 Hektaren besonders artenreich.

Flächen über 1500 Meter über Meer

Das Wildheuen mit Sense und in Nagelschuhen sowie das Lagern des Heus in hoch aufragenden Heustöcken ist eine Kunst, die auf alter Erfahrung beruht. Trotz Einsatz modernster Hilfsmittel wie Helikopter oder Bergmäher ist das Wildheuen eine anstrengende Handarbeit. Für den Transport wird das Heu zu grossen Bündeln verpackt, die auf dem Rücken getragen werden können.

Bei den Arbeitsgebieten handelt es sich um gemähte Wiesen im Sömmerungsgebiet. Sie werden als «Wildi» oder «Wildheuplanggen» bezeichnet. Sie befinden sich auf steilen, abgelegenen Flächen über 1500 Metern Höhe. Im 17. Jahrhundert stieg in vielen exportorientierten Talschaften aufgrund der grossen Nachfrage nach Heu der Druck, auch auf den abgelegensten und steilsten Wiesen Heu zu gewinnen.

Isenthal: 60 ha

Das Isenthal weist eine hohe Dichte an Wildheuflächen aus, die bewirtschaftet werden. „Die Isenthaler Wildheuer sind in vorbildlicher Weise mit Leidenschaft und Können auf den Wildiflächen tätig und erhalten eine bedrohte Kulturlandschaft mit langer Geschichte und grossem Identifikationsgehalt“, lobt die Stiftung Landschaftsschutz. Insgesamt werden in Isenthal noch rund 60 Hektaren Wildheuflächen bewirtschaftet (jährlich etwa 22-­25 ha). Die 30 Wildheuer werden stellvertretend für die übrigen Wildheuer in Uri und der ganzen Schweiz als Preisträger ausgezeichnet.

Das Wildheuen ist aber auch mit Gefahren verbunden. Am vergangenen Sonntag ist ein erfahrener Wildheuer abgestürzt und an seinen Verletzungen gestorben. Der 62-jährige Mann verlor im Gebiet Franzen-Hochegg oberhalb von Flüelen bei der Arbeit plötzlich den Halt und stürzte 300 Meter in die Tiefe.

Wildheuen

Als Wildheuen bezeichnet man den Schnitt von ungedüngten Bergwiesen in steilsten Lagen (ab 50% Hangneigung), in denen eine Alpung nicht mehr möglich ist. Lange Zeit waren die Bergbauern auf das Wildheuen auf den schwer zugänglichen Mähder (Planggen, Wildi) angewiesen, um genügend Winterfutter für ihr Vieh zu haben. Diese Wildheumatten stellen den extremsten Kulturlandschaftstyp im Alpenraum dar, der direkt an die unbewirtschaftbaren Flächen des Hochgebirges grenzt. Seit lange Drahtseile produziert werden können, wird das Heu meist in Netze verpackt und in Ballen («Pinggel») zu Tal geseilt. Die Wildheuer müssen nebst dem Heuen auch die genutzten Flächen regelmässig von Schutt und Geröll, aber auch niedergedrückten Gehölzen befreien.

Die Verleihung findet am Samstag, 13. August 2016, auf Gitschenen UR statt.  Am 12. August 2016 wird um 14.00 Uhr im Schulhaus in Isenthal UR die Tagung zum Thema «Wildheulandschaft – ein spektakuläres Natur- und Kulturgut mit Zukunft!» durchgeführt.

Die bisherigen Auszeichnungen gingen an:

2011: Val Sinestra GR
2012: Birspark-­Landschaft BL/SO
2013: Campagne genevoise GE
2014: Valle di Muggio TI
2015: Innerrhoder Streusiedlung AI

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE