22.12.2017 07:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Mischkulturen
«Wir brauchen das Wissen der Bauern»
Neben den Eiweisserbsen-Gerste-Gemengen und den Standardmischungen im Futterbau gibt es noch viele andere Mischkulturen. Ein Forschungsprojekt soll dazu beitragen, dass ihre Vorteile besser genutzt werden können. Mit der Umfrage wird das Wissen der Bauern zusammengetragen.

«Schweizer Bauer»: Sie sind Professor für Agrarökologie. Welche Bereiche umfasst Ihre Forschung?
Christian Schöb: Unsere Forschung hat zum Ziel, Forschungsmethoden sowie Erkenntnisse aus der Ökologie, also aus der Forschung mit natürlichen Ökosystemen, in der Landwirtschaft anzuwenden. Rund 40 Prozent der Fläche in der Schweiz werden landwirtschaftlich genutzt. Aktuell befassen wir uns mit der Biodiversität von Agrarökosystemen und wollen herausfinden, wie wir Biodiversität für eine nachhaltige, aber produktive Landwirtschaft nutzen können.

Wie soll das gehen?
Studien haben gezeigt, dass artenreichere Ökosysteme produktiver und weniger anfällig auf jährliche Klimaschwankungen sind und reduzierten Schädlingsbefall zeigen. Das bildet doch eine interessante Ausgangslage für eine Anwendung in der Landwirtschaft?

In einem EU-Projekt untersuchen Sie die Möglichkeiten von Mischkulturen für die landwirtschaftliche Produktion. Was gibt es dazu noch zu erforschen?
Eine ähnliche Frage stellen wir auch den Landwirten, den Saatgutproduzenten, der verarbeitenden Industrie, der Vermarktung und sogar den Konsumenten. Wir wollen von diesen Interessengruppen wissen, welche Informationen zu Mischkulturen sie suchen, aber nicht finden. Zum anderen sind wir darauf hinaus, unter verschiedenen Umweltbedingungen ideale Partner für Mischkulturen zu eruieren, also Kombinationen von Arten und Sorten, die gut miteinander funktionieren.

In der Schweiz ist im Ackerbau vor allem der Anbau von Gerste und Eiweisserbsen bekannt. Im Futterbau haben sich Mischungen durchgesetzt. Bauen die europäischen Bauern noch andere Mischkulturen an?
Ja, definitiv, vor allem andere Kombinationen von Getreide und Leguminosen. Mischungen von Ackerbohne mit Weizen, Hafer oder Triticale sind relativ weit verbreitet. Lupine, Linse oder Soja sind andere Leguminosen, die als Mischungspartner verwendet werden. Unsere österreichischen Partner arbeiten mit Bohne-Mais- und Bohne-Hirse-Mischungen. Neben Artenmischungen sind auch Sortenmischungen anzutreffen, etwa Weizenmischungen in der Schweiz oder Gerstenmischungen in Schottland. Und schlussendlich sind auch Mischkulturen von mehrjährigen Pflanzen möglich, wie zum Beispiel der Anbau von Weinreben mit Feigenbäumen in Spanien.

Sie bitten die Schweizer Bauern um Hilfe bei den Forschungsarbeiten. Was möchten Sie von ihnen wissen?
Wir brauchen das Wissen der Bauern und möchten auf ihre Erfahrungen mit Mischkulturen zurückgreifen. Uns interessiert, welche Mischungen sie anbauen, was gut funktioniert und wo sie Potenzial sehen für Verbesserungen. Aber wir möchten auch die Meinungen von Landwirten hören, die keine Erfahrung mit Mischkulturen haben. Da fragen wir uns, was sie davon abhält, diese anzubauen.

Werden auch die Landwirte in anderen EU-Ländern zu ihren Erfahrungen befragt?
Ja, Landwirte und andere Interessengruppen aus über zehn europäischen Ländern nehmen an dieser Studie teil.

Wie werden die Forschungsarbeiten nach dem Ende der Umfrage weitergehen?
Wir werden zum einen versuchen, die «Problemzonen» von Mischkulturen anzugehen und Lösungen dazu zu suchen. Zum anderen werden wir bewährte Mischungen verbessern und neue Mischungen entwickeln. Wir planen dabei ab 2018 auch Feldversuche mit Landwirten, bei denen sie Mischkulturen ausprobieren und mit Monokulturen vergleichen können. Für den Aufwand können wir sie in kleinem Rahmen auch finanziell entschädigen. Interessierte Landwirte können sich gerne bei uns melden.

Werden die Erkenntnisse aus dem Projekt der Praxis wieder zugute kommen?
Das Forschungsprojekt an und für sich findet schon in Zusammenarbeit mit der Praxis statt. Unser Ziel ist es, Mischkulturen «mehrheitsfähig» zu machen. Dafür werden wir den Landwirten nach dem Projekt auch ein Instrument zur Verfügung stellen, das ihnen, je nach Region und Interesse, vielversprechende Mischungen für den Anbau empfiehlt. Und einige unserer Projektpartner werden auch passende Sorten für spezifische Mischungspartner züchten und vertreiben. 

Hier gehts zur Umfrage

Im Europäischen Forschungsprojekt DIVERSify werden die Möglichkeiten von Mischkulturen für die landwirtschaftliche Produktion untersucht. Die Forscher möchten ideale Kombinationen von Arten und Sorten für Mischkulturen unter verschiedenen Anbaubedingungen identifizieren. Die Forschung soll aber nicht bei null beginnen, sondern auf den bestehenden Erfahrungen der Landwirte aufbauen. Mit der Umfrage wird ihr Wissen zusammengetragen. sum

Hier können Sie an der Umfrage teilnehmen

Hier gibts mehr Infos zum Projekt



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