Freitag, 30. September 2022
11.08.2022 08:54
Studie

Hitze und Dürre: Mehr Zusammenarbeit nötig

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: sda

Bei Hitze- und Dürreereignissen hat die Zusammenarbeit bisher zu wenig gut geklappt. Das sagen Forschende der Universität Zürich nach der Analyse von acht Extremereignissen auf drei Kontinenten in den letzten zwanzig Jahren.

Wenn jeder nur für sich schaut, werden die Auswirkungen von Extremereignissen noch schlimmer. Laura Niggli, Erstautorin der Studie des Geografischen Instituts, erklärte am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA das Problem am Beispiel Wasser in der Schweiz.

Bessere Zusammenarbeit erforderlich

Wasser werde in diversen Sektoren gebraucht, etwa zum Abkühlen in Atomkraftwerken, zum Bewässern in der Landwirtschaft, als Trinkwasser oder in Flüssen wie dem Rhein für den Transport.

«Wenn die Landwirtschaft, die Industrie oder die Stromproduktion weiter oben das knappe Wasser abzweigen, fehlt es unten für den Transport von Futtermitteln oder Energieträgern über die Flüsse in die Schweiz», sagte Niggli. Hier brauche es eine bessere Zusammenarbeit statt einer Priorisierung des eigenen Bedarfs.

«Die erhöhte Stromnachfrage während extremer Hitzeperioden kann eine Lücke zwischen Nachfrage und Angebot entstehen lassen», heisst es in der Studie

«Entscheidend ist, wo die Elektrizität herkommt und wie sie produziert wird. AKW sind anfällig wegen ihres Bedarfes an Kühlwasser, der schnell im Konflikt steht zur Erhaltung der Flussökologie sowie zu der Nachfrage in der Landwirtschaft. Wasserkraft, sei es in Form von Laufkraft- oder Speicherkraftwerken, ist anfällig gegenüber lang anhaltender Trockenheit. Hier muss bereits frühzeitig das Management angepasst werden und nicht erst mitten in einer Dürresituation. Es werden hier zunehmend Konflikte ums Wasser offensichtlich, auch in den Alpenregionen unserer Länder», so die Wissenschafterin

Verluste in Milliardenhöhe

Extremereignisse würden in Zukunft vermehrt auftreten, schrieben die Forschenden in ihrer Studie. Entsprechend müssten sich die Verantwortlichen darauf vorbereiten und zusammen Massnahmen planen. Dass die Schäden, etwa für die Wirtschaft, gross sind, zeige das Beispiele der Buschbrände in Australien 2019/2020. Die Verluste betrugen rund 100 Milliarden US-Dollar.

«Aufgrund der Brände und der Rauchentwicklung mussten die Menschen zuhause bleiben. Das war für die Gesundheit wichtig, hatte aber gleichzeitig extreme ökonomische Auswirkungen», erklärte Niggli. Nicht zu unterschätzen sei auch, dass die Schulen geschlossen blieben und das Freizeitgestaltungsangebot eingeschränkt wurde, was der Lernentwicklung der Kinder schadete.

Destabilisierter Welthandel

Im aktuellen Sommer zeige sich in weiten Teilen Europas, wie die Kombination von Rekordtemperaturen und Dürreperioden verschiedenen Sektoren schade. Betroffen seien etwa das Gesundheitssystem, die Lebensmittelproduktion, die Energieversorgung oder die Wirtschaft. «Gleichzeitige Wetterextreme sind potenziell in der Lage, ganze gesellschaftlich relevante Systeme, etwa den Welthandel, zu destabilisieren», betonte Niggli.

Die getroffenen Massnahmen kämen meist zu spät. Die Forschenden fanden auch Anzeichen dafür, dass die Massnahmen negative Auswirkungen auf andere Sektoren hatten, wie die Ökosysteme oder die Kultur. Die Risikobewertung muss gemäss der Studie nicht mehr einzeln unterteilt werden, sondern systematisch die Verflechtung der Sektoren und der Systeme berücksichtigen.

«Die Studie zeigt, dass die Resilienz des ‚Systems‘ insgesamt angegangen und verbessert werden muss. Das heutige Krisenmanagement ist meist begrenzt auf die einzelnen betroffenen Stellen (z.B. Hitze, Wassermangel oder Strommangel), und es fehlen kombinierte Krisenstäbe verschiedener Bereiche die sich gegenseitig beeinflussen. Insbesondere fehlt in den meisten Fällen ein gemeinsames Lagebild, das alle Bereiche beinhaltet und aus welchem entsprechende Folgerungen abgeleitet werden können», so die Studienautorin.

Mehr zum Thema
Pflanzen

Tatsächlich ist der Rosenkohlanbau in der Schweiz generell akut gefährdet. - unsplash Nachdem sich die Anbaufläche von Schweizer Rosenkohl zwischen 2010 und 2018 fast verdoppelt hat, ist sie in den…

Pflanzen

Am 16. September 2022 ist Tag des Apfels.  - A.d.I. gestohlen Am Tag des Apfels feiert die Schweiz die Lieblingsfrucht der Schweizer Bevölkerung. Über 1’000 Apfelsorten gibt es in der…

Pflanzen

Rosenkohl ist quasi der Bonsai unter den Kohlarten.  - fotolia Rosenkohl ist zwar kalorienreicher als seine grösseren Verwandten, enthält dafür aber mehr Vitamin C als jede andere Kohlsorte und ist…

Pflanzen

Michael Götz Hinsichtlich der Fruchtqualität können sich die Konsumenten auf eine gute Saison freuen. Das schreibt Agroscope in den «Einschätzungen und Empfehlungen zur bevorstehenden Erntesaison».  Die Fruchtfleischfestigkeit liegt bei den…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE