Mittwoch, 21. April 2021
07.02.2021 07:19
Abdrift

Gesamte Ernte muss vernichtet werden

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Von: mge

In der Nähe von Oettingen im deutschen Bundesland Bayern, baut die Bio-Bäuerin Franziska Blind Fenchel an. Die Samen sollten in Thüringen zu Tee verarbeitet werden. Doch daraus wurde nichts. In den Bio-Samen wurden Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden.

Die Bio-Bäuerin Franziska Blind sei einfach schockiert gewesen, als die E-Mail vom Labor kam, heisst es in dem Bericht von tagesschau.de. Blind baut zwei Hektar Fenchel für einen Teeproduzenten aus Thüringen an, und dieser lässt die Ware seiner Anbaubetriebe standardmässig im Labor untersuchen. Dieses Labor fand in den Fenchelsamen von Blind Rückstände von Pflanzenschutzmitteln.

Mögliche Erklärung: Abdrift

Der Laborbericht wies für Pendimethalin einen Rückstandswert von 0.11 Milligramm pro Kilo aus. Der Grenzwert liegt in Deutschland bei 0.05. Eine mögliche Erklärung für die Belastung mit diesem Unkrautvernichtungsmittel könnte Abdrift von konventionell bewirtschafteten Feldern in der Nähe sein. Die komplette Fenchel-Ernte von Blind musste vernichtet werden, und der Bio-Bäuerin entstand dadurch ein Schaden von 8000 Euro (8667 CHF).

Der Fall von Franziska Blind sei kein Einzelfall, und die Frage danach, wie gross das Problem in Deutschland ist, sei nur schwer zu beantworten. Harald Ebner, Grünen-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des deutschen Landwirtschaftsausschusses, sagte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, das die Summe der Einzelfälle nahe lege, dass es keine Einzelfälle sind.

Ein Teil kommt nicht dort an

Unumstritten sei, das sich Pflanzenschutzmittel in der konventionellen Landwirtschaft in der Umwelt verbreiten und damit auch auf biologisch bewirtschafteten Feldern landen können. «Wird ein Pflanzenschutzmittel auf den Acker gesprüht, ist es kaum zu vermeiden, dass ein Teil des Mittels nicht dort ankommt, wo es wirken soll», schreibt das deutsche Bundesamt für Risikobewertung (BfR) dazu. Durch Wind, Verdunstung oder über Staubpartikel könnten sich die feinen Tröpfchen möglicherweise verbreiten.

Kaum Hoffnung auf Ersatz

Die Bio-Bäuerin Blind hat kaum Hoffnung, dass sie den wirtschaftlichen Schaden ersetzt bekommt, denn es lässt sich kaum nachweisen, von welchem Feld in der näheren und weiteren Umgebung die Rückstände auf ihr Bio-Feld gelangt sind. Blind sieht bei der Spritzmittelproblematik vor allem die Behörden in der Pflicht. «Wir müssen von diesen Mitteln wegkommen, die langfristig noch in der Umwelt zu finden sind», sagt sie gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln schränkten sie in ihrer Arbeit ein, beklagt Blind. Trotzdem wolle die Bio-Bäuerin ihren Fenchel zukünftig auf einem anderen Feld anbauen, in der Hoffnung auf eine dann unbelastete Ernte.

Eine Studie der privaten Umweltorganisation «Umweltinstitut München» untersuchte 2020, wie sich Pflanzenschutzmittel kilometerweit durch die Luft verbreiten können. Dazu wurde an 163 Standorten in ganz Deutschland die Luft untersucht. Passivsammler, Luftfiltermatten aus Passivhäusern, Baumrinde und Bienenbrot aus Bienenstöcken wurden dafür verwendet. Insgesamt fanden sich in den verschiedenen Sammelmedien 124 verschiedene Wirkstoffe. von Pflanzenschutzmitteln sowie 14 Abbauprodukte. Interessant: 30% der nachgewiesenen Pflanzenschutzmittelwirkstoffe waren in Deutschland zum jeweiligen Messzeitpunkt nicht mehr oder noch nie zugelassen.

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26 Responses

    1. Genau: wie bei der Diskussion um die TWI wäre es schön, wenn die gesamte Pflanzenschutzmittelversorgerkette, also die Forschung, die PSM-Produzenten, die Zulassungsbehörden, die Beratung und viele mehr hinstehen und diese Biobäuerin unterstützen würden.

      1. Ich habe 3 Mal Daumen hoch eingegeben und im Kommentar sind nun Fragezeichen. So entstehen Missverständnisse. Also in Worten: Genau richtig Fredy Abächerli! Man müsste noch den Anwender hinzufügen, auch er hat eine Verantwortung.

    2. Auch Bio spritzt. Kupfer, Schwefel und vieles mehr!!!! Das ist im Boden nicht abbaubar und ist in den Bioböden ein sehr grosses Problem. Das Andere ist die mehr Durchfahrten im Acker-, Gemüse- und Obstbau. Das generiert viel mehr schädliches Abgas ( CO2, Lachgas usw.) und auch der Bodendruck ist ein grösseres Problem als im konventionellen Anbau. Warum lassen wir uns nicht gegenseitig Leben, denn wir sitzen alle im gleichen Boot, nur rudern wir gegen einander. Genau das wollen unsere „Abnehmer“.

      1. Sofort einverstanden, einander leben lassen. Aber eben, das oben im Artikel beschriebene Problem entspricht nicht dem Grundsatz. Habe bisher noch nie gehört, dass ein Biomittel die konv. Ernte unverkäuflich machte.

      2. Ja das ist schon alles richtig. Aber wenn der BioBauer seinen Acker hackt, oder striegelt, müssen die benachbarten konventionellen Landwirte ihr Ernte nicht vernichten. Andersherum kann dies wie in diesem Beispiel sehr wohl passieren. Hier müsste eine strengere Dokumentationspflicht für Psm während der Maßnahme, am besten online stattfinden, dass der möglicherweise Verursacher ausfindig gemacht werden kann. Wird aber wohl nicht passieren.

    3. Das ist keine Abdrift.
      Pendimethalin lagert sich über Jahrzehnte an den Ton-Humus-Komplex an und wird bei pH-Veränderungen freigegeben.
      Die Grenzwerte sind einfach hirnrissig! Das hat nichts mehr mit Gefährdung zu tun.
      Wenn wir soweit gehen, dann muss auch jeder Batch auf Mykotoxine getestet werden. Wenn wir da dann vergleichbare Grenzwerte festlegen… – Gute Nacht Bio!!!

  1. Der Wirkstoff „Pendimethalin“ ist als Herbizid bei der Fenchelproduktion im konventionellen Einsatz bewilligt. Ob die gefundene Belastung über Km auf das Bio-Feld zufällig gelangt ist??? Ich glaube im Moment spinnen alle und benehmen sich wie aufgescheuchte Hühner und plötzlich soll alles Gift sein? Wir leben alle auf dem gleichen Planet, ob der konventionelle oder der Biobauer, hört bitte auf mit gegenseitiger Schuldzuweisungen. Muss ev. auch da ein Impfstoff her um diesen Virus zu bekämpfen?

    1. Beat Kramer sagt das richtige. Den Fenkel muss man nicht entsorgen, den kann man als konventionelles Produkt verkaufen. Verbietet nur alle Pflanzeschutzmittel dann werdet ihr bald alle Hunger leiden.

      1. Leider sind die gefundenen Pestizidrückstände so hoch, dass der Fenchel nicht einmal mehr als konventioneller Fenchel verkauft werden kann.
        Ebenso wurden Rückstände gefunden die seit Jahren verboten sind und sich also immer noch im Boden befinden. Ich finde das sollte einem zu denken geben.
        Es geht nicht darum konventionellen Bauern die Schuld zuzuweisen, die sind in der Situation ja auch nur die ausführende Kraft, sondern die Politik und Hersteller in die Pflicht zu nehmen.

      1. Bin seit 1988 Biobauern es gab immer den Laborsprung den hat man so reduziert das das untersuchen oft zu Schwierigkeiten führt Bio ist mehr wie Laboruntersuchungen

  2. Schwacher Kommentar! Zuerst schreiben “ Ob die gefundene Belastung über Km auf das Bio-Feld zufällig gelangt ist???“ Und im gleichen Text “ hört bitte auf mit gegenseitiger Schuldzuweisungen.“

    Tatsächlich ist das abdriften von synthetischen Mitteln ein Problem welches besser diskutiert werden sollte! Denn zur Zeit trägt nur selten der Ausbringer den Schaden.

  3. Das weiss ja eigentlich jeder Bauer, wie es manchmal stundenlang und im Umkreis von mehreren hundert Metern stinkt, wenn gewisse Pflanzenschutzmittel gespritzt wurden… Also wenn es in meiner Stube so richen würde, würde ich jedenfalls nicht behaupten, dass dass völlig unbedenklich wäre!
    Aber da sind Chemiker wohl ein bisschen mehr abgehärtet!? 😉

  4. Leute, jetzt lese ich extra den Schweizer Bauer, weil ich glaubte, die Schweizer Bauern seien vernünftiger als die im Großkanton. Wir reden so viel von Verantwortung und übernehmen keine. Wir haben ein Verursacherprinzip, südlich und nördlich des Rheins. Wo der Verursacher nicht klar ist, müssen alle vom Hersteller bis zum Anwender in einen Fonds zahlen, aus dem zügig und großzügig entschädigt wird. Warum es so was nicht schon längst gibt? Ein Schelm, der schlecht darüber denkt;-)

    1. Unser Betrieb ist mit Wald umgeben 15 Km in Umkreis keine konventionelle Landwirtschaft 5 Untersuchungen Ergebnise von 0.00bis 0.011 0.01 zulässig .Labore sagt alles gut für bio 50% Toleranz Kunde sagt er braucht 000 das macht den Fenchelanbau unmöglich. Labore sind Goldgruben übernehmen keine Verantwortung und 10 Untersuchungen 10 verschiedene Ergebnise

      1. Sehr treffend beschrieben! Labore haben Hochkonjunktur und verdienen sich eine goldene Nase mit Untersuchungen in den Makrobereich die nichts bringen und finden alles was man will . Und irgendwer setzt dann mal einen willkürlichen Grenzwert fest, der sagt was Bio ist.
        Die Vernichtung bei so einem knappen Wert ist ein Wohlstandsproblem und dumm, wetten dass weitere Proben gepasst hätten.
        Zitat Albert Einstein: Alles ist Gift, es kommt auf die Dosierung an!!

  5. Ich habe auch schon konventionelle Ernte vernichten müssen,bei Artischocken. 1 U. 2 Schnitt waren in Ordnung und der3 Schnitt hatte erhöhte Werte.

  6. Es ist Bedauerlich all die gegenseitigen Schuldzuweisungen innerhalb der Landwirtschaft mit zu verfolgen, viele haben noch nicht bemerkt das wir im gleichen Boot sitzen und um unsere zukünftigen Existenzen kämpfen müssten.
    Paracelsus vor paar Hundert Jahren wusste das alles eine Frage der Menge ist, in der heute hochstudierten und hochtechnologisierten Welt wissen wir es nicht mehr.

  7. Bedauerlicherweise lassen wir uns durch die MGO’s hinters Licht führen und uns gegenseitig aufwiegeln, nur das Sie bei den Konsumenten mit ihren angstmachenden Aussagen Spendegelder generieren können. Unterstützt wird das Ganze von den Links – Grünen Parteien und Economi-Swiss, die durch ihre verlogene Politik die Lebensmittelproduktion in dem Land mit der höchsten Lebensmittelsicherheit der Welt herunterfahren, um von dort wo die Lunge der Welt brennt, Lebensmittel mit Gewinn zu Importieren.

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