Samstag, 17. April 2021
10.12.2020 07:34
Pflanzenschutzmittel

Neonicotinoide: EU-Behörde prüft Ausnahmen

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Von: aiz

Neonicotinoide sind in der EU seit 2018 verboten. In zahlreichen EU-Mitgliedstaaten gibt es aber nationale Ausnahmegenehmigungen, welche die EU-Kommission nun überprüfen möchte.

Belgien, Kroatien, Dänemark, Spanien, Finnland, Litauen, Polen, Rumänien, die Slowakische Republik und Österreich haben Notfallzulassungen von Neonicotinoiden beantragt, berichtet die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA).

Die Behörde hatte in ihrem Gutachten vor allem vor Risiken für Bienen und andere Insekten gewarnt, was zu Verboten der Wirkstoffe im Mai 2018 und im Januar 2020 geführt hatte. Ausnahmen vom Verbot müssen begründet werden. Nachdem zahlreiche EU-Mitgliedstaaten davon Gebrauch machen, hat die EU-Kommission die EFSA mit einer Überprüfung beauftragt.

Die EFSA muss nun entscheiden, ob die Begründungen ausreichen, ob die einzelnen EU-Mitgliedstaaten sich in einer besonderen Lage befinden und ob es Alternativen für die Beizung von beispielsweise Saatgut für Zuckerrüben gibt.

Ein Ergebnis kündigt die Behörde in Parma (I) für die zweite Hälfte des kommenden Jahres an. Zudem will die EFSA untersuchen, ob ihre Methode für die Einschätzung der Risiken von Wirkstoffen in Anbetracht der «Farm to Fork»-Strategie überarbeitet werden muss. Die EU-Kommission setzt sich in ihrer Strategie für eine Halbierung von risikoreichen Pflanzenschutzmitteln bis 2030 ein und will die Entwicklung von  Alternativen unterstützen. Ihre Methoden für die Einschätzung der Risiken will die EFSA bis Ende 2022 untersuchen.

Neonicotinoide

Neonicotinoide zählen zu den sogenannten systemischen Insektiziden. Das heisst, sie werden über die Pflanzenwurzeln oder die Blätter aufgenommen und verteilen sich dann über die ganze Pflanze. Das heisst, wo auch immer saugende oder beissende Insekten die Pflanze schädigen, nehmen sie die giftigen Substanzen auf. Einmal aufgenommen, greift der Wirkstoff schnell in das Nervensystem der Tiere ein und verursacht dort einen Dauerreiz an den Nervenzellen, der zu Krämpfen und schliesslich zum Tod der Insekten führt.

Wegen der systemischen Wirkung werden Neonicotinoide häufig als Saatgutbeizmittel verwendet. Das heißt, das Saatgut wird mit dem Wirkstoff umhüllt. Das hat zum Ziel, dass der Wirkstoff bereits von der jungen Pflanze aufgenommen werden kann. Darüber hinaus werden Neonicotinoide aber auch als Spray, Granulat oder Zusatz zum Bewässerungswasser eingesetzt. Da Neonicotinoide in der Pflanze nur langsam abgebaut werden, hält ihre Wirkung lange an.

Seit 2018 ist der Einsatz der drei Neonicotinoide Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid auf Äckern EU-weit verboten. Sie dürfen seitdem nur noch in Gewächshäusern angewendet werden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte zuvor die Schädlichkeit der Stoffe für Wild- und Honigbienen bestätigt. Quelle: Bundesinformationszentrum Landwirtschaft

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