17.06.2019 12:55
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Pflanzenschutzmittel
«Anreize statt Verbote»
Diese Woche wird im Nationalrat die Trinkwasserinitiative beraten. Die Interessengemeinschaft (IG) Zukunft Pflanzenschutz hat sich zum Ziel gesetzt, Alternativen zu umstrittensten Pflanzenschutzmitteln zu entwickeln. Dazu sollen die Investitionen verdoppelt werden. Die IG setzt auf Anreize statt Verbote.

Die Trinkwasser-Initiative verlangt, dass nur noch Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen erhalten, die auf Pestizide und vorbeugend verabreichte Antibiotika verzichten. Würde die Initiative angenommen, würde dies die Schweizer Landwirtschaft grundlegend verändern.

30 bis 40 Prozent weniger Ertrag

Die IG Pflanzenschutz will neue Anliegen rund um den Pflanzenschutz aufnehmen und umsetzbare Lösungen entwickeln. Diese sollen dazu beitragen, das Risiko von Pflanzenschutzmitteln für Mensch und Umwelt weiter zu reduzieren. Für die IG ist aber klar: Es braucht die Anstrengungen von Produzenten, Grosshändler bis zu den Konsumenten, damit weitere Fortschritte im Bereich des Pflanzenschutzes erzielt werden können.

Am Montag trat die IG vor die Medien. Sie anerkennt Handlungsbedarf bei den Pflanzenschutzmitteln (PSM). Statt auf Verbote will die IG aber wirtschaftliche Anreize schaffen. «Wenn Produzenten wirtschaftliche Alternativen zu bestehenden Pflanzenschutzmitteln erhalten, reduzieren sie deren Einsatz automatisch», hält die IG fest. Pflanzenschutzmittel würde heute erst zum Einsatz kommen, wenn keine umsetzbare Alternative existierte. Der Aktionsplan Pflanzenschutz ist aus der Sicht der IG eine «solide Grundlage» für die Reduktion der Risiken von Pflanzenschutzmitteln darstellen.

Bei einem ganzeinheitlichen Verbot würde die Ernte um 30 bis 40 Prozent geringer ausfallen. In regnerischen Jahren könne es gar zu Totalausfällen kommen, warnte Nationalrat Bruno Pezzatti, Vorstandsmitglied des Schweizer Obstverbandes (SOV).

Alternativen bis 2030

Die IG Pflanzenschutz präsentierte auch ihre Ziele. Bis 2030 sollen Alternativen für die vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) mit besonderem Risikopotenzial eingestuften Pflanzenschutzmittel entwickelt werden. Diese Lösungen sollen ökologisch und ökonomisch sein. «Unsere Verbände haben in den letzten Jahren dutzende Projekte im Bereich Pflanzenschutz initiiert. Gemeinsam mit unseren Partnern aus Wissenschaft und Verwaltung haben wir so Projekte im Umfang von rund 12 Millionen ausgelöst», so Olivier Mark, Präsident des Steuerungsausschusses der IG. Erste Erfolge seien bereits realisiert worden. Bei der integrierten Produktion sank die eingesetzte Menge an Pflanzenschutzmittel in den vergangenen 10 Jahren um 27 Prozent.

Neben der Entwicklung von Alternativen soll die Forschung weiter intensiviert werden. Dazu sollen die entsprechenden Investitionen verdoppelt werden. «Unsere Mitglieder verpflichten sich, zusätzliche Projekte zu initiieren, welche zu einer Verdopplung der Investitionen in Forschung und Entwicklung führen», so Mark.

Die alternativen Bekämpfungsmethoden sind je Schädling anders. So werden beispielsweise gegen den kleinen Fruchtwickler oder den Apfelwickler Pheromonfallen eingesetzt, womit der Befall überwacht werden kann. Mit Verwirrungstechnik konnte Obst-Produzent Ernst Lüthi bereits gute Erfolge erzielen. So war letztes Jahr auf einer damit ausgestatteten Fläche von 3.5 Hektaren kein einziger Apfel Opfer des Apfelwicklers geworden.

Lebensmittel kennzeichnen

Zudem sollen die bestehenden, ökonomisch und ökologisch nachhaltigen Ersatzmassnahmen bei den Mitgliedern noch systematischer und flächendeckender eingesetzt werden. Genannt werden der Einsatz von Nützlingen, neue Techniken oder technische Innovationen. Mit Pflanzenschutzrobotern konnten gemäss der IG beim Kopfsalat der Pflanzenschutzmittel-Einsatz um 85 Prozent gesenkt werden.

Die IG wird weitere Lösungen entwickeln. Zur Diskussion steht unter anderem die Idee der Kennzeichnung von Produkten von Produzenten, die freiwillig an Projekten zur Reduktion der Risiken von Pflanzenschutzmitteln partizipieren. Dadurch sollen gemäss IG Konsumenten die Möglichkeit erhalten, entsprechende Produzenten zu unterstützen und ihren Beitrag an die Forschung zu leisten.

Die IG Zukunft Pflanzenschutz

Die Interessengemeinschaft (IG) Zukunft Pflanzenschutz vereint Produzenten, Verarbeiter und Konsumenten. Ihr Ziel ist es, neue Anliegen rund um das Thema Pflanzenschutz aufzunehmen und umsetzbare Lösungen zu entwickeln. Diese sollen dazu beitragen, das Risiko von Pflanzenschutzmitteln für Mensch und Umwelt weiter zu reduzieren. Die IG setzt sich zusammen aus folgenden fünf Verbänden: Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), Schweizer Obstverband (SOV), JardinSuisse, Swiss Convenience Food Association (scfa) und Swisspatat, die Branchenorganisation der Kartoffeln. Das Schweizerische Konsumentenforum kf wirkt in der IG beratend mit.

 

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