24.06.2020 18:43
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Pflanzenschutzmittel
Auf wenig Land viel Ertrag erzielen
In einer online durchgeführten Medienkonferenz haben sich am Mittwoch Roman Mazzotta, Länderchef von Syngenta Schweiz, und Felix Reiff, Verwaltungsratspräsident von Bayer Schweiz, zu den beiden Pflanzenschutz-Initiativen geäussert. Sie stellen sich gegen die beiden Volksbegehren.

Die öffentliche Diskussion drehe sich mehr um Risiken von Pflanzenschutzmitteln (PSM) als um die Risiken, die ohne PSM bestünden, beklagte Roman Mazzotta, Länderpräsident von Syngenta Schweiz.

Nur ressourceneffiziente Landwirtschaft nachhaltig


Und auch die Bundesämter kritisierte er: Diese hätten je länger je mehr die Vorstellung, dass man der Einfachheit halber Grenzwerte unabhängig von wissenschaftlichen Erkenntnissen festlegen könne. Er betonte, dass es eine Null-Rückstand-Gesellschaft nicht gebe, auch ausserhalb der Landwirtschaft nicht. Mazzotta sprach zudem die Lebensmittelsicherheit an.

Ein Verbot von Pestiziden – wie es eine der PSM-Initiativen fordert - sei auch ein Verbot von Bioziden und damit von Desinfektionsmitteln in der Landwirtschaft. "Ohne Pestizide gibt es keine Lebensmittelsicherheit", so Mazzotta. Unter Biozide würden beispielsweise Desinfektionsmittel fallen, die so ebenfalls verboten würden. «Wollen wir wirklich, dass die Stallhygiene leidet und dann Keime in die Milchproduktion einfliessen?», sagt Mazzotta. 

Die Trinkwasser-Initiative komme zwar moderater daher, sei aber ebenfalls extrem. Der Länderpräsident von Syngenta Schweiz geht davon aus, dass eine Annahme der Initiative Regionalprodukte verteuern und damit Importe fördern würde. "Ich bin mir nicht sicher, ob es nachhaltig ist, wenn Leute gezwungen werden, im Ausland einzukaufen", so Mazzotta. Ohnehin sei nur eine ressourceneffiziente Landwirtschaft nachhaltig: "Die ist nur gewährleistet, wenn wir auf möglichst wenig Land mit möglichst wenigen Mitteln möglichst viel Ertrag erzielen."

Warnung vor Technologieverboten

Felix Reiff, Verwaltungsratspräsident von Bayer Schweiz, sprach den Standort Schweiz an. Die Rahmenbedingungen seien für ein Unternehmen ein wichtiger Grund für die Standortwahl. "Wir sind gut beraten, vielversprechende Technologien in der Schweiz auch zuzulassen", so Reiff. Technologieverbote - wie etwa im Bereich Genome Editing - seien Gift für den Standort Schweiz.

Reiff kritisierte zudem, dass die Zulassungen von neuen, nachhaltigen Pflanzenschutzmitteln mit sehr grossen Verzögerungen verbunden seien. "Teilweise warten wir schon Jahre auf die Zulassung", so der VR-Präsident. Man können keine Risiken minimieren, ohne neue, verbesserte Produkte zuzulassen.

Zwei Initiativen

Trinkwasser-Initiative:

Sie will, dass nur Bauern Direktzahlungen erhalten können, die auf den Einsatz von Pestiziden (der Initiativtext enthält keine Einschränkung auf chemisch-synthetische Pestizide) und auf die prophylaktische Abgabe von Antibiotika verzichten, die die Biodiversität erhalten und die nur so viel Tiere halten, wie sie mit betriebseigenem Futter ernähren können.

Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» von Future3: 

Sie will in der Schweiz den Einsatz synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion verbieten. Die gewerbsmässige Einfuhr von Produkten, die im Ausland mit synthetischen Produkten hergestellt wurden, würde auch verboten. 

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