14.08.2016 13:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Pflanzenschutz
Bafu soll anstatt BLW Pflanzenschutzmittel zulassen
Das Schweizer Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel weise Schwächen auf, die für Umwelt und Bevölkerung ein Risiko darstellen könnten. Das sagen die Umweltverbände WWF Schweiz, Bird Life Schweiz, Pro Natura und Greenpeace Schweiz gemäss «NZZ am Sonntag».

Sie stützen sich dabei auf eine Studie, die sie selber in Auftrag gegeben haben. Durchgeführt hat die Studie «Interface Politik-Studien». Sie hat das Zulassungsverfahren mit jenen in Deutschland und in Neuseeland verglichen und dabei fünf kritische Punkte ausgemacht.

Daniela Hoffmann, Projektleiterin Landwirtschaft und Biodiversität bei WWF Schweiz, hält drei davon für besonders problematisch: Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) habe im Verfahren zu wenig Gewicht. Es könne lediglich bei der Kennzeichnung und Einstufung von neuen Wirkstoffen mitreden, nicht aber beim finalen Entscheid, den das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) fälle. Die Prüfung der Umweltverträglichkeit übernimmt die eidgenössische landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope, auf deren Expertise sich das BLW stützt. «Der Schlussentscheid zur Zulassung liegt aber alleine beim BLW, ohne dass Umweltinteressen adäquat vertreten wären», sagt Daniela Hoffmann.

Als heikel beurteilen die Umweltverbände auch die Doppelrolle des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), das gleichzeitig als entscheidende Behörde und Anlaufstelle für die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln fungiere. Damit bestehe eine Nähe zu den Herstellern und den Anwendern, welche die Unabhängigkeit der Entscheidfällung beeinflussen könne, sagt Hoffmann. Zudem sei das Verfahren zu wenig transparent, da die Zulassungsentscheide nicht publiziert werden. «Entschieden wird im stillen Kämmerlein, das Verfahren ist eine Blackbox», sagt Hoffmann. Die Öffentlichkeit habe aber das Recht zu erfahren, weshalb ein Pestizid zugelassen werde – oder eben nicht.

Olivier Félix, der beim BLW den Fachbereich Nachhaltiger Pflanzenschutz leitet, hält die Kritik am Verfahren für nicht gerechtfertigt: «Wir haben seit 2005 einen Drittel aller Wirkstoffe aus dem Markt zurückgezogen, das entspricht rund 1000 Produkten im Bereich der Pflanzenschutzmittel», sagt er. «Das zeigt doch, dass das Verfahren funktioniert.»

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