6.09.2018 11:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, lid
Bern
Bauern und Kanton wollen handeln
Kleine Gewässer im Kanton Bern sind teils stark mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Man müsse handeln, sagen Bauern und Behörden. Ein Projekt soll aufzeigen, wie sich der Spritzmittel-Einsatz optimieren lässt, damit die Gewässer künftig sauber bleiben.

81 nachgewiesene Substanzen, 12 davon kritisch für die Gewässerorganismen: Gewässer und Ausläufe der Kläranlagen im Kanton Bern sind teils stark durch Pflanzenschutzmittel belastet. Das zeigt eine letztjährig durchgeführte Untersuchung des kantonalen Gewässer- und Bodenschutzlabors.

Bauern als Teil der Lösung

Die präsentierten Messresultate dokumentieren den Zustand der Gewässer im Jahr 2017. Im gleichen Jahr haben der Kanton, der Berner Bauernverband mit Unterstützung des Bunds das Berner Pflanzenschutzprojekt lanciert, das bis 2022 dauert. Dieses soll aufzeigen, wie Bauern den Pflanzenschutzmittel-Einsatz optimieren können, damit die Gewässer sauber bleiben.

Für die Verantwortlichen ist klar: Es besteht Handlungbedarf. Das betonte Regierungsrat Christoph Ammann genauso wie Hans Jörg Rüegsegger, Präsident des Berner Bauernverbands. Entweder die Landwirtschaft bewege sich selbst oder sie werde von aussen bewegt, sagte Ammann mit Blick auf die Trinkwasser-Initiative und die Initiative "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide". Rüegsegger betonte, dass die Bauern nicht das Problem seien, sondern Teil der Lösung. Das grosse Interesse der Berner Bauern am Pflanzenschutzprojekt zeige, dass man Verantwortung übernehmen wolle.

Landwirte überrascht

Die Landwirte waren selbst überrascht über die Resultate. "Die Messergebnisse lassen aufhorchen", sagte Paul Hofer. Und Berufskollege Thomas Iseli erklärte: "Ich war erstaunt, was man in welcher Konzentration in den Gewässern fand." Iseli ist vom Projekt überzeugt, es führe zu einem Lerneffekt bei den Landwirten. Der Bauer aus Jegenstorf betonte, dass er nicht aus Spass Spritzmittel einsetze, sondern um Ernten zu sichern. Bei Kartoffeln beispielsweise, so Iseli, bestünde ohne Pflanzenschutzmittel das Risiko eines Totalausfalls.

Andreas Wyss, Geschäftsführer des Berner Bauernverbands, wies darauf hin, dass die Belastung der Gewässer mit Pflanzenschutzmitteln nicht von einem unrechtmässigen Einsatz der Pestizide herrühre. "Wir haben kein rechtliches Problem." Vielmehr existierten noch Wissenslücken rund ums Ausbringen von Spritzmitteln.

Richtige Schlüsse ziehen


Es gehe nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern darum, nun die richtigen Schlüsse zu ziehen, sagte Christin Hofer, Leiter des Amts für Landwirtschaft und Natur. Ein Patentrezept gebe es nicht, individuelle und standortangepasste Lösungen seien nötig. Hofer sieht den Kanton Bern als Vorreiter bei der Pflanzenschutzmittel-Thematik. Man habe ein entsprechendes Projekt lanciert, noch bevor der Bund seinen Aktionsplan Pflanzenschutzmittel initiiert habe, so Hofer.

11 Massnahmen für sauberere Gewässer

Das 2017 lancierte Berner Pflanzenschutzprojekt hat zum Ziel, den Eintrag von Spritzmitteln in die Gewässer zu reduzieren. Das Interesse der Bauern am Projekt ist gross. Derzeit beteiligen sich knapp 3'200 Landwirtschaftsbetriebe, 20 Prozent mehr als im letzten Jahr. Den Bauern stehen 11 Massnahmen zur Auswahl, die sie umsetzen können. Dazu gehören beispielsweise: Verzicht auf Herbizide, der Einsatz von Trichogramma gegen Maiszünsler, Nachrüstung der Feldspritze mit einer Innenreinigung oder die Einnetzung von Reben und Obstkulturen. Für die Umsetzung der einzelnen Massnahmen erhalten die Bauern eine Entschädigung für den Mehraufwand. Die Projektkosten betragen 62,7 Mio. Franken, 80 Prozent übernimmt der Bund.

Weitere Informationen finden sich unter vol.be.ch

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