14.09.2020 15:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wasser
Chlorothalonil: Mehr Zeit für Kantone
Die Abbauprodukte des Fungizids Chlorothalonil im Trinkwasser übersteigen in einigen Regionen der Schweiz die erlaubten Höchstwerte. Die Trinkwasserversorger haben zwei Jahre Zeit, dies zu korrigieren.

Dazu sind sie seit letztem Jahr verpflichtet. In Ausnahmefällen können die Kantone nun den Trinkwasserversorgern eine längere Frist gewähren. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erliess dazu eine neue Weisung, wie es am Montag mitteilte.

Bei 27 Prozent Rückstände

Das Fungizid Chlorothalonil wird durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als wahrscheinlich krebserregend beurteilt. Für den Wirkstoff und seine Abbauprodukte im Trinkwasser gilt gemäss Lebensmittelrecht ein Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. 

Erhebungen des BLV bei den Kantonen ergaben, dass von über 1700 Proben 27 Prozent Rückstände haben, die über dem Höchstwert liegen. Meist seien grossflächige Regionen wie das Mittelland von Höchstwertüberschreitungen betroffen, so das BLV. Schnelle und einfache Lösungen wie das Mischen aus verschiedenen Quellen seien nicht möglich.

Das BLV wies die Kantone im August 2019 an, bei einer Überschreitung des Höchstwerts im Trinkwasser Massnahmen zu verfügen, damit das Trinkwasser innerhalb von zwei Jahren die rechtlichen Anforderungen erfüllt.

Neuen Erkenntnissen angepasst

Nun beschloss das BLV, die Weisung an die Kantone den neuen Erkenntnissen anzupassen. Wenn eine Umsetzung der Massnahmen innert zwei Jahren aus zeitlichen, finanziellen, politischen oder ökologischen Gründen nicht möglich sei, können die Kantone eine längere Frist verfügen. Sie müssen das BLV darüber informieren.

Seit dem 1. Januar 2020 dürfen Produkte mit dem Wirkstoff Chlorothalonil nicht mehr verkauft werden. Damit sei die wichtigste Massnahme getroffen, die zu einer Reduktion der Abbauprodukte im Trinkwasser führen werde, schreibt das BLV weiter. Wird der Höchstwert an Chlorothalonil-Abbauprodukten überschritten, bedeutet dies laut BLV noch keine akute Gefahr für die Gesundheit. Vielmehr müsse der Höchstwert eingehalten werden, um vorbeugend den Schutz der Gesundheit zu gewährleisten.

150 Liter Wasser pro Kilo Körpergewicht 

Der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter sei extrem tief, erklärte der Berner Kantonschemiker Otmar Deflorin im Januar gegenüber der Zeitung «Der Bund». «Bis vor kurzem liessen sich tiefere Werte gar nicht messen.» Zudem brauche es in der Regel eine gewisse Menge, bis eine Substanz toxisch, also giftig sei. 

Er machte ein Beispiel: «Alkohol ist ein Zellgift, das nachweislich Leberkrebs verursacht. Wenn Sie ein Glas Whisky mit 40 Prozent Alkohol trinken, nehmen Sie eine ungleich grössere Menge an toxischen Substanzen ein, als wenn Sie einen Liter Wasser trinken.» Für Chlorothalonil gilt eine lebenslängliche Tagesdosis von 15 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht als unbedenklich. Um diese Dosis zu erreichen, müsste man also 150 Liter Wasser pro Kilo Körpergewicht trinken, sofern der Grenzwert eingehalten wird.

Auch unbelastetes Wasser kann gefährlich sein: Trinkt man innert kurzer Zeit sieben oder mehr Liter Wasser, so kann dies lebensbedrohlich werden. Trotzdem sei er «dezidiert» der Meinung, dass die Chlorothalonil-Abbauprodukte nicht ins Wasser gehörten, sagte Deflorin. «Dass Chlorothalonil nun verboten ist, ist eine grosse Errungenschaft der Behörden.» blu

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