4.09.2019 17:42
Quelle: schweizerbauer.ch - dpa
Deutschland
D: Glyphosat-Verbot ab 2024
Die deutsche Regierung will die Anwendung des umstrittenen Herbizids Glyphosat in fünf Jahren verbieten. Schon zuvor soll der Einsatz des Mittels eingeschränkt werden.

Das umstrittene Unkrautgift Glyphosat soll in Deutschland zum 31. Dezember 2023 verboten werden. Dann läuft vorrausichtlich auch die Genehmigung in der EU inklusive Übergangsfrist aus. Die geplante "verbindliche Beendigung der Anwendung" von glyphosathaltigen Mitteln ist Teil eines Programms zum Insektenschutz und wurde am Mittwoch vom Bundeskabinett in Berlin beschlossen.

"Systematischen Minderungsstrategie" 

Bereits ab 2020 soll demnach mit einer "systematischen Minderungsstrategie" die Anwendung deutlich eingeschränkt werden. Geplant ist unter anderem, die Verwendung für Haus- und Kleingärten und öffentliche Flächen wie Parks zu untersagen. Ausserdem soll es Einschränkungen für Bauern geben, darunter ein Anwendungsverbot vor der Ernte. Das soll etwa drei Viertel der in Deutschland eingesetzten Glyphosatmenge vermeiden.

Glyphosat wurde vom US-Saatgutkonzern Monsanto in den Siebzigerjahren auf den Markt gebracht und ist einer der am meisten verwendeten Unkrautvernichter, der inzwischen von vielen Unternehmen verkauft wird. Monsanto gehört mittlerweile zum deutschen Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer, der in den USA mit Tausenden Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Herbizide konfrontiert ist. Zu den wichtigsten Absätzmärkten zählen die USA und Brasilien.

"Wahrscheinlich krebserregend" 

Die Krebsagentur IARC der WHO kam 2015 dagegen zu dem Schluss, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend" sei. Die Institution untersucht allerdings nur, ob ein Stoff grundsätzlich in der Lage ist, Krebs auszulösen. Sie bewertet nicht, wie gross diese Gefahr ist und ob ein konkretes Risiko für die Bevölkerung besteht. So stuft die IARC auch den Friseurberuf und den Konsum heisser Getränke als "wahrscheinlich krebserregend" ein, Sonnenstrahlen und Alkohol als "sicher krebserregend".

Der Wirkstoff tötet Unkraut und andere Pflanzen ab, weswegen Naturschützer das Mittel als schädlich für die ökologische Vielfalt kritisieren. Um Bienen und andere Insekten zu schützen, will die deutsche Regierung den Einsatz von Unkraut- und Schädlingsgiften auch insgesamt stark einschränken. Unkrautbekämpfungsmittel sowie Insektengifte, die der biologischen Vielfalt schaden, sollen ab 2021 in Naturschutzgebieten und anderen geschützten Zonen tabu sein, etwa an Naturdenkmälern oder in Nationalparks.

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