5.01.2015 07:44
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Pflanzenschutz
Die alte Etikette stimmt oft nicht mehr
Wer 2014 ein Pflanzenschutzmittel gekauft hat, muss 2015 bei der Anwendung Acht geben: Viele Abstandsauflagen ändern. Das unwissentliche Nichteinhalten der neuen Werte wird kommendes Jahr aber nicht gebüsst.

Ab 2015 gelten bei zahlreichen Pflanzenschutzmitteln neue, strengere Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern. Viele der davon  betroffenen Mittel sind bereits bei den Bauern an Lager, weil sie auch 2014 schon eingesetzt wurden. Das Problem: Auf der Etikette steht noch der alte Wert, gelten tut aber der neue, grössere Abstand zum Ufer – bis zu 100m kann der betragen.

Liste im Internet

Der Bauer ist beim Spritzen verpflichtet, geltende Bestimmungen einzuhalten. Aber woher soll er wissen, dass etwas geändert hat?  «Uns ist bewusst, dass die alten Etiketten nächstes Jahr nicht mehr stimmen», meint Olivier Félix vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) dazu. «Klar ist aber auch, dass die Pflanzenschutzmittelhersteller nicht von Hof zu Hof fahren können, um dort die Etiketten auf den Gebinden auszuwechseln.»

Auf die Frage, ob ein Landwirt, der unwissend und nicht willentlich die alten statt die neuen Abstandsregeln einhält, gebüsst werden kann, zieht Félix   einen Vergleich zum geltenden Recht beim Rückzug eines Pflanzenschutzmittels. Dann gibt es noch ein Jahr Verkaufs- und ein Jahr Anwendungsfrist. Ein Produkt, das ab 2015 nicht mehr zugelassen ist, darf also nächstes Jahr noch verkauft und 2016 noch aufgebraucht werden. «Für die Abstandsauflagen können in meinen Augen dieselben Zeitfenster gelten», schlägt Félix vor. Das BLW werde im Januar die Liste der Produkte mit neuen Abstandsauflagen auf der Homepage veröffentlichen.

Vorgehen absprechen

Andi Distel vom Pflanzenschutzdienst des Kantons Aargau begrüsst den Vorschlag von Olivier Félix, bei neuen Abstandsauflagen dieselben Regeln wie beim Rückzug anzuwenden, grundsätzlich: «Ich finde aber, dass man das exakte Vorgehen zwischen den Kantonen zusätzlich noch absprechen muss, damit der Vollzug einheitlich gehandhabt wird.»

Die Vorschriften

Im ÖLN sind sechs Meter das Minimum

Laut Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) ist beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ein Mindestabstand von 3 m Breite gegenüber Oberflächengewässern einzuhalten. Gemäss Direktzahlungsverordnung ist für ÖLN-Anlagen gegenüber Gewässern gar ein Abstand von 6m einzuhalten. Aufgrund der Gefährlichkeit einiger Pflanzenschutzmittel für Wasserlebewesen sind für solche Produkte grössere Abstände festgelegt, als die ChemRRV vorschreibt. Die Breite dieser Zone wird auf der Etikette im Sicherheitssatz Spe3 erwähnt: «Zum Schutz von Gewässerorganismen muss eine unbehandelte Pufferzone von 6m (bzw. H 20, 50 oder 100m) zu Oberflächengewässern eingehalten werden.» Die Abstandsauflagen können durch den Einsatz von driftmindernder Technik oder einem gleich hohen zusammenhängenden Vegetationsgürtel (oder einer gleichwertigen physischen Barriere) entlang des Gewässers um eine Stufe reduziert werden. sum

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