4.12.2013 09:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Pflanzenschutz
Druck auf Pflanzenschutz nimmt zu
Bei der Agrarpolitik ab 2018 wird die Schraube beim Pflanzenschutz wohl angezogen werden. Einige Umweltorganisationen stellen bereits jetzt Forderungen. Unterstützt werden sie von IP-Suisse. Der SBV ist nicht erfreut.

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen, sagt man so schön. Und das gilt auch für die agrarpolitische Diskussion. Bereits jetzt wird versucht, auf die Ausgestaltung der Agrarpolitik ab 2018 Einfluss zu nehmen. So will der Schweizer Bauernverband (SBV) etwa mit seiner Initiative Druck machen. Druck hin zu mehr Produktion und weniger Ökologie.

Sowohl Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), wie auch sein Chef Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sind sich einig: Diese Bestrebungen bringen wenig. Bei der kommenden Agrarreform werde der eingeschlagene Weg fortgesetzt.

Stossrichtung steht

Auch machen sie keinen Hehl daraus, was die künftigen agrarpolitischen Diskussionen prägen wird. Es sind dies der Pflanzenschutzmitteleinsatz, die Erosionsproblematik und der Ressourcenschutz allgemein. Spätestens nach diesem Herbst werden wohl auch Bodenverdichtungen respektive Massnahmen dagegen die Diskussion prägen.

Punkto Pflanzenschutzmitteleinsatz läuft die Diskussion schon auf Hochtouren. Verschiedene parlamentarische Vorstösse wollen die Bienen besser schützen. Und insbesondere das im März 2012 eingereichte Postulat der grünen Nationalrätin Tina Angelina Moser, welches die Prüfung eines Aktionsplans für den Pflanzenschutzmitteleinsatz verlangt, gab der Diskussion Aufwind. Als Folge davon erarbeitet das BLW aktuell einen solchen. Dies mit dem Ziel, den Einsatz zu reduzieren.

Nationaler Plan gefordert

Vergangene Woche hiess der Ständerat eine Motion aus dem Nationalrat gut, welche zum Schutze der Bienen eine Pflanzenschutzmittelreduktion verlangt. Kurz darauf meldeten sich die Umweltorganisationen Greenpeace, Pro Natura, der Vogelschutz und der WWF zu Wort. Sie fordern einen nationalen Plan zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln. Dies unter anderem mit der Begründung, die Verkaufsmengen seien zwischen 2006 und 2011 um 16% angestiegen. Der Agrarbericht 2013 hingegen zeigt auf, dass der Verbrauch in der Schweiz seit 2007 nicht zunahm.

Eine unheilige Allianz?

Am Dienstag folgte eine Medienmitteilung von IP-Suisse. Darin begrüsst IP-Suisse die von den Naturschutzorganisationen ausgearbeitete Anleitung zur Pestizidreduktion. Sie unterstützt die Forderung eines nationalen Pflanzenschutzmittelreduktionsplans. Ein Verbot von besonders gesundheits- und umweltgefährdenden Pestizide und das Vorantreiben von alternativen Pflanzenschutzmethoden begrüsst IP-Suisse.

Handelt es sich hierbei um ein erstes Scharmützel? Verbündet sich IP-Suisse mit den Naturschutzorganisationen, um die künftige Agrarpolitik weiter zu extensivieren? Fritz Rothen, Geschäftsführer von IP-Suisse winkt ab. «Ein Bioland Schweiz ist nicht unser Ziel. Wir wollen produzieren. Möglichst viel, aber möglichst nachhaltig», sagt er.

Nachhaltig definiert Rothen so: «Die Biodiversitätsfläche soll nicht nur wachsen, ihre Qualität aber zunehmen; Rindfleisch soll nicht zur Hauptsache mittels extensivem Weidebeef sondern intensiver IP-Suisse-Munimast produziert werden.» Punkto Pflanzenschutz sei es aber so, dass bei gewissen Produkten grosse Probleme auftreten. Hier seien Lösungen gefragt. An der Forderungen der Umweltschutzorganisationen schätzt Rothen, dass sie nicht auf ein Verbot, sondern einen Massnahmenkatalog abzielten. «Gefordert werden strengere Bewilligungsverfahren und die Unterstützung der Labelproduktion. Das ist gut so», sagt er weiter.

SBV ist nicht erfreut

Weniger Freude an den Forderungen von Pro Natura und Co hat der SBV. «Der SBV bietet nicht Hand für einseitige Festlegung von Reduktionsszielen im Bereich Pflanzenschutz. Dafür besteht im Moment keine dringliche Notwendigkeit», erklärt SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein. Der Pflanzenschutz müsse als Ganzes überprüft und zuerst das Potenzial eruiert werden. Dabei müssten auch unerwünschte Nebeneffekte (wie Resistenzbildung oder Qualitätseinbussen) in die Überlegungen einfliessen. 

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