26.02.2019 08:52
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
Eklat bei Glyphosat-Prozess
In den USA hat am Montag ein weiterer Prozess gegen Bayer wegen der angeblich krebserregenden Wirkung seines Unkrautvernichters Glyphosat begonnen. Der Konzern verbesserte mit einem gekonnten Schachzug seine Position.

In ihrem Eröffnungsplädoyer erklärte die Anwältin des Klägers Edwin Hardeman in San Francisco, dass das glyphosathaltige Herbizid Roundup der Bayer-Tochter Monsanto ursächlich für die Krebserkrankung von Hardeman sei.

Richtungsweisender Prozess

Bayer hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Anwalt für den Leverkusener Konzern, Brian Stekloff, sagte, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Roundup und Krebserkrankungen. Die Zahl der Fälle von Non-Hodgkin-Lymphom sei in den 1990er Jahren, als der Gebrauch von Roundup merklich anstieg, stabil geblieben.

Der Fall des Kaliforniers Hardeman gibt die Richtung für mehr als 760 bei dem Gericht in San Francisco anhängige Verfahren vor. Als Erfolg für Bayer war gewertet worden, dass der Richter dem Antrag des Konzerns stattgegeben hatte, das Verfahren in zwei Phasen aufzuteilen.

Eklat zum Auftakt

Dadurch kann der Kläger seine Vorwürfe, Monsanto habe versucht, Behörden und die öffentliche Meinung zu manipulieren, nicht schon am Anfang des Prozesses vorbringen. Sie kommen erst zum Tragen, wenn in der ersten Phase des Prozesses befunden wird, dass Glyphosat die Krebserkrankungen des Klägers ausgelöst hat und das Verfahren in eine zweite Phase geht. Einige umstrittene Dokumente will der Richter aber schon in der ersten Phase als Beweismittel zulassen.

Der Richter Vince Chhabria warf der Klägeranwältin am Montag allerdings vor, gezielt vom festgelegten Thema abgewichen zu sein. Chhabria hatte im Januar entschieden, das Verfahren in zwei Teile zu trennen - zunächst geht es ja lediglich darum, ob Monsanto-Produkte krebserregend sind. Nur wenn die Klägerseite dies ausreichend belegen kann, würde die Frage verhandelt, ob das Unternehmen Risiken verschwiegen hat. Die Anwältin habe sich an diese vorgegebene Linie in ihrem eröffnenden Statement aber nicht gehalten. Chhabria verdonnerte sie per gerichtlicher Anordnung, noch im Laufe des Tages eine schriftliche Erklärung zu ihrem Verhalten abzugeben.

9300 Klagen - Aktienkurs taucht

Der Leverkusener Konzern, der den Glyphosat-Entwickler Monsanto im vergangenen Sommer für 63 Milliarden Dollar übernommen hatte, sieht sich in den USA wegen des Unkrautvernichtungsmittels mit mehr als 9300 Klagen konfrontiert. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen und verweist darauf, dass Zulassungsbehörden weltweit Glyphosat bei sachgemässer Anwendung als sicher bewerteten. Monsanto war im vergangenen Jahr von einem kalifornischen Geschworenengericht zur Zahlung von 289 Millionen Dollar Schadenersatz an einen an Krebs erkrankten Mann verurteilt worden.

Später wurde die Summe zwar auf 78 Millionen Dollar reduziert, doch Glyphosat wurde immer noch für die Krebserkrankung des Mannes verantwortlich gemacht. Die Bayer-Aktie hatte infolge des Urteils an der Börse massiv an Wert verloren.

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