8.05.2018 07:31
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Ertragsverluste befürchtet
In Frankreich hat die Interprofession für Zuckerrüben und Zucker (AIBS) das Verbot der Anwendung der neonikotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam unter freiem Himmel scharf kritisiert.

Es handele sich um eine „Katastrophe mit sehr schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen für die Landwirte und die Zuckerindustrie“, erklärte die AIBS am Ende April. 

Keine nachhaltige Alternative

Die Entscheidung werde den heimischen Rübenanbau hart treffen. Alle Anbaugebiete liefen Gefahr, Ertragsverluste durch Vergilbungsviren zu erleiden. National sei mit Einbussen von bis zu 12% zu rechnen, und regional könnten 50% erreicht werden, so die AIBS. Hinzu kämen die Schwächung der industriellen Struktur und der potentielle Verlust von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum. Nach Ansicht der Zuckerbranche gibt es für die Rübenbauern derzeit keine umweltfreundliche und nachhaltige Alternative zum Einsatz von Neonikotinoiden.

Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) habe festgestellt, dass es bei deren Anwendung kein Risiko für Bestäuber gebe, und das Amt für Gesundheitsschutz in Ernährung, Umwelt und Arbeit (ANSES) habe bestätigt, dass die Wirkstoffe alternativlos bei der Bekämpfung von Blattläusen seien. Paris müsse daher eine Ausnahmeregelung für die Saatgutbeize mit Neonikotinoiden schaffen, forderte die AIBS. Die Branche engagiere sich für alternative Lösungen und werde dies auch weiterhin tun, brauche aber Zeit. 

Die einzigen Gewinner des Verbots seien die Zuckerproduzenten in Drittländern, die angesichts eines offeneren EU-Marktes von der Schwächung des europäischen Sektors und ihren wesentlich flexibleren Umwelt- und Sozialstandards profitierten, so der Verband.

Grosser Tag für Bienen

Begrüsst wurde das Verbot dagegen erwartungsgemäß bei Imker-, Umwelt- und Konsumentenverbänden. Die Umweltorganisation Générations Futures sprach von einem Sieg und forderte Paris und Brüssel auf, insbesondere mit Blick auf Wirkstoffe wie Sulfoxaflor weitere Schritte einzuleiten. Die Verbraucherschutzorganisation „UFC - Que choisir“ konstatierte einen „grossen Tag für Bienen, Umwelt und Konsumenten“. Trotz unumstösslicher Beweise für die Toxizität der Wirkstoffe hätten die Mitgliedstaaten lange gezögert, nun aber endlich entschieden. Das Verbot sei nicht zuletzt den Stimmen Frankreichs, Deutschlands und Grossbritanniens zu verdanken.

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