27.10.2017 10:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
EU
EU: Glyphosat für 5 Jahre verlängern
Die EU-Kommission legt im Streit um die erneute Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat einen Kompromissvorschlag vor. Neu werde eine Verlängerung der Lizenz für die Chemikalie um fünf Jahre angestrebt, teilte die Brüsseler Behörde mit.

Damit rückt die Kommission von der bisher geforderten Verlängerung von sieben Jahren und davor von zehn Jahren ab. Der neue Vorschlag sei den 28 Mitgliedsstaaten zugesandt worden, die voraussichtlich am 9. November darüber abstimmen werden. Das jüngste Votum am Mittwoch war wie einige davor ergebnislos verlaufen.

Um die Verlängerung wird zäh gerungen, weil es in wichtigen Ländern der Union keine klare Haltung zu Glyphosat gibt. In Deutschland arbeitet nach der Wahl die Regierung nur noch geschäftsführend und muss bei Festlegungen vorsichtig sein. Zudem gibt es Streit zwischen den Ministerien, weshalb man sich bei einer Abstimmung in Brüssel enthalten müsste. Frankreich zeigte sich zuletzt offen für eine Vereinbarung von vier Jahren. Die Zeit drängt, da die derzeitige Genehmigung nur noch bis Mitte Dezember läuft. 

Umstrittene Risiken

Über mögliche Risiken durch den Unkrautvernichter wird seit Jahren gestritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufte das Herbizid im März 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» für den Menschen ein. Andere Agenturen wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung BfR sehen hingegen kein von Glyphosat ausgehendes Risiko.

Der Wirkstoff wurde vom US-Konzern Monsanto entwickelt, den der deutsche Konkurrent Bayer übernehmen will. Dieses Milliardengeschäft wird derzeit von der EU-Kommission geprüft. Vertrieben werden Glyphosat-haltige Mittel aber auch von mehr als 40 weiteren Herstellern.

850'000 Tonnen weltweit

Glyphosat wird weltweit auf rund 400 Millionen Hektar überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen eingesetzt, wie das Marktforschungsunternehmen Kleffmann Group berichtete. Zum Vergleich: Die Agrarflächen in der Schweiz umfassen 1,05 Millionen Hektar. 

Der vom US-Konzern Monsanto entwickelte Wirkstoff wurde 1974 erstmals zugelassen. Im Jahr 2000 lief das Patent aus, seither werden glyphosathaltige Produkte auch von anderen Herstellern angeboten. Verkauft werden jährlich rund 850'000 Tonnen solcher Mittel, in der Schweiz werden knapp 300 Tonnen eingesetzt.

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