24.03.2020 16:04
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Initiativen
«Existenz von Höfen gefährdet»
Die Trinkwasser- und die Pestizidverbotsinitiative dürfte in diesem Jahr vor das Stimmvolk gelangen. Die Interessengemeinschaft Zukunft Pflanzenschutz und der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse wollen sich gemeinsam mit einer Kampagne gegen die beiden Initiativen engagieren.

Voraussichtlich im November werden die Stimmberechtigten über die beiden Landwirtschaftsinitiativen befinden. 

Gravierende Auswirkungen

Zwei Gegner der Vorlagen wollen im Abstimmungskampf eine gemeinsame Kampagne lancieren. «Die Trinkwasser- und die Pestizidverbotsinitiative haben gravierende Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette. Sie schaden Bauern, KMU und verarbeitendem Gewerbe sowie Konsumenten massiv», schreiben IG Zukunft Pflanzenschutz und Economiesuisse am Dienstag in einer Mitteilung.

Zusammen vereinen die beiden Organisationen Vertreter aus über 100 Branchen, darunter die Gemüse- und Obstproduzenten und -verarbeiter, die Gartenbauer und Zierpflanzenproduzenten, Konsumentenorganisationen sowie den Handel, die Gastronomie und die Hotellerie.

Mehr Einkaufstourismus

Die Initiativen würden die regionale Produktion gefährden und damit die Existenz zahlreicher landwirtschaftlicher Betriebe aufs Spiel setzen. Bei einer Annahme würden inländische Lebensmittel massiv teurer werden. Zudem nimmt aus Sicht der beiden Organisationen die Lebensmittelverschwendung und der Einkaufstourismus zu. Auch würde der Innovations- und Forschungsstandort Schweiz geschwächt.

IG Zukunft Pflanzenschutz und Economiesuisse nehmen aber die Anliegen der Bevölkerung ernst. Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel soll weiter sinken. Dies gelinge aber nur bei einer konstruktiven Zusammenarbeit aller Akteure der Wertschöpfungskette.

Einsatz senken

Zufrieden zeigen sich die beiden Organisationen mit dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel und dem geplanten Absenkpfad. Die Wirtschaftskommission des Ständerates (WAK) will ein Reduktionsziel im Gesetz verankern. «Die vom Bund initiierten Massnahmen greifen und stellen sicher, dass eine nachhaltige Landwirtschaft sowie das Innovationspotenzial der Schweiz optimal genutzt werden», heisst es weiter.

Neue innovative Produkte, so im Bereich der digitalen Landwirtschaft, ermöglichten einen reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Diese würden aber Investitionen in Forschung und Entwicklung bedingen, die bei einer Annahme der Initiativen kaum mehr möglich wären, machen die beiden Organisationen deutlich.

Gemäss dem Vorschlag der WAK-S sollen die mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verbundenen Risiken für Oberflächengewässer, naturnahe Lebensräume und als Trinkwasser genutztes Grundwasser bis 2027 um 50 Prozent reduziert werden. Dies gegenüber dem Mittel der Jahre 2012 bis 2015. Eine Minderheit der Kommission will darüber hinaus eine Reduktion der Risiken um 70 Prozent bis 2035 gesetzlich verankern.

«Wir sind der Überzeugung, dass sich eine produktive Landwirtschaft mit dem optimalen Schutz von Mensch und Umwelt verbinden lässt. Klimawandel, Ernährung einer wachsenden Bevölkerung, begrenzte Ressourcen und schwindende Biodiversität sind grosse Herausforderungen, zu deren Bewältigung wissenschaftsbasierte Lösungen auf Basis von stetiger Innovation gefragt sind», lässt sich Olivier Mark, Präsident der IG Zukunft Pflanzenschutz, zitieren.

Zwei Initiativen

Trinkwasser-Initiative:

Sie will, dass nur Bauern Direktzahlungen erhalten können, die auf den Einsatz von Pestiziden (der Initiativtext enthält keine Einschränkung auf chemisch-synthetische Pestizide) und auf die prophylaktische Abgabe von Antibiotika verzichten, die die Biodiversität erhalten und die nur so viel Tiere halten, wie sie mit betriebseigenem Futter ernähren können.

Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» von Future3: 

Sie will in der Schweiz den Einsatz synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion verbieten. Die gewerbsmässige Einfuhr von Produkten, die im Ausland mit synthetischen Produkten hergestellt wurden, würde auch verboten. 

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