18.08.2020 12:15
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Pflanzenschutz
Fenaco und FiBL werden Partner
Der genossenschaftlich organisierte Agrarkonzern und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) gehen eine Forschungskooperation ein. So sollen neue Lösungen für nachhaltigen Pflanzenschutz entwickelt werden. Die Fenaco verfolgt mit diesem Schritt ein ambitioniertes Ziel.

Das Thema Pflanzenschutz ist derzeit in aller Munde. Zwei Initiativen kommen bald zur Abstimmung. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die nicht natürlichen Ursprungs sind, wird zunehmend hinterfragt. Die Fenaco will beim Thema Pflanzenschutz alternative Wege gehen.

Agroline neu ausgerichtet

Sie hat ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Sie will die führende Anbieterin im nachhaltigen Pflanzenschutz werden. Dazu hat der Agrarriese unter der Marke Agroline die Töchter «UFA-Samen Nützlinge» und «Fenaco Pflanzenschutz» gebündelt. «Agroline will Pflanzenschutz neu denken und unterstützt Bauern mit einer kompetenten Beratung sowie innovativen Produkten und Dienstleistungen», sagte Michael Feitknecht, Leiter des Departements Pflanzenbau, Mitte Juli.

Die Fenaco investiert gemäss eigenen Angaben jedes Jahr mindestens 1 Million Franken in die Innovationsförderung. Ein grosser Teil davon fliesst in Projekte rund um den nachhaltigen Pflanzenschutz.

150'000 Franken pro Jahr

Nun folgt ein weiterer Schritt, um den alternativen Weg zu forcieren – die Forschungskooperation mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL. Ziel sei es, gemeinsam marktfähige Lösungen für einen nachhaltigen Pflanzenschutz zu entwickeln, teilt die Fenaco am Dienstag mit. Die Fenaco unterstützt die Forschungskooperation mit einem jährlichen Beitrag von 150’000 Franken.

Das FiBL sei weltweit ein anerkanntes Forschungsinstitut für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Fenaco sei in der Schweiz das führende Agrarunternehmen und agiere auf sämtlichen Stufen der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette, heisst es weiter. Das FiBL und die Fenaco haben bereits Erfahrung in Zusammenarbeit. So wurden ein Projekt zur Reduktion von Pestizidrückständen auf Äpfeln durchgeführt.

Fenaco will führende Anbieterin werden

Mit der Zusammenarbeit mit dem FiBL stärkt die Fenaco also ihr Ziel, die führende Anbieterin von nachhaltigem Pflanzenschutz zu werden. Nach der Kooperation mit der Forschungsanstalt Agroscope und der ETH Zürich folgt der nächste Schritt.

Bei der Kooperation mit dem FiBL steht in einer ersten Phase der Bereich Pflanzenschutz im Fokus. «Der Pflanzenbau und die Beratung sind wichtige Kernkompetenzen beider Partner. Wir ergänzen uns ideal. Das FiBL bringt die Expertise aus der Forschung mit, die Fenaco den Bezug zum Markt», so Knut Schmidtke, Direktor für Forschung, Extension & Innovation beim FiBL. Konkret wollen das FiBL und die Fenaco die Verbreitung nachhaltiger Anbausysteme über zwei Wege beschleunigen:

  • Im Rahmen von Projekten sollen die Forschungserkenntnisse des FiBL mit den Kompetenzen der Fenaco in Bezug auf die Produktion, die Zulassung und den Vertrieb kombiniert werden. Gemeinsam sollen aus vielversprechenden Prototypen marktfähige Produkte entwickelt werden.
  • Um die Erträge ihrer Kulturen auf möglichst natürliche Art und Weise zu sichern, müssen Landwirtinnen und Landwirte eine Vielzahl von Massnahmen richtig kombinieren. Dank der Partnerschaft von FiBL und der Fenaco können die Erkenntnisse aus der Forschung schnell und breit zu den Landwirtinnen und Landwirten gebracht werden.

Kupfer-Ersatz als erstes gemeinsames Projekt

Kupfer spielt in der Landwirtschaft bei der Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten eine grosse Rolle. «Der Einsatz von Kupfer steht jedoch in der Kritik, weil sich dieses im Boden ansammelt und negative Auswirkungen auf Mikroorganismen haben kann. Auch im Aktionsplan Pflanzenschutz des Bundesrates wird es als Pflanzenschutzmittel mit besonderem Risikopotenzial identifiziert», heisst es in der Mitteilung. 

Das FiBL und das Departement Pharmazeutische Biologie der Universität Basel forschen seit 2011 an Ersatzprodukten. Es wird vom Coop Fonds für Nachhaltigkeit, vom Bundesamt für Landwirtschaft und von EU-Projekte finanziert. Bei einem Screening von mehr als 3500 Extrakten von Pflanzen und Mikroorganismen identifizierte das Forschungsteam mehrere Extrakte, die als Alternative zu Kupfer in Frage kommen. 

Für den bezüglich Wirkung und Wirtschaftlichkeit vielversprechendsten Extrakt wurde 2016 ein Patent eingereicht. Bis zur Marktreife stehen aber noch zahlreiche Schritte bevor. Diese gehen das FiBL und die Fenaco im Rahmen der neuen Partnerschaft gemeinsam an. Die Markteinführung eines Kupfer-Ersatzprodukts, welches voraussichtlich gegen den falschen Mehltau bei Reben und weitere Pflanzenkrankheiten eingesetzt werden kann, ist frühestens 2025 geplant, heisst es in der Mitteilung.

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