25.10.2017 12:50
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
EU
Glyphosat-Entscheid vertagt
Die Entscheidung über die weitere Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in Europa ist vertagt. Das zuständige Expertengremium der EU-Länder hat am Mittwoch in Brüssel nicht abgestimmt, wie die EU-Kommission mitteilte. Was denkt Ihr? Soll Glyphosat verboten werden? Stimmt ab.

Stattdessen will die Kommission in den nächsten Wochen «weiter mit den Mitgliedstaaten an einer Lösung arbeiten, die grösstmögliche Unterstützung hat». Das Herbizid gilt als sehr wirksam und wird weltweit massenhaft eingesetzt, steht aber im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu belasten.

Zulassung läuft Ende Jahr ab

Die bisherige Zulassung für Glyphosat in Europa läuft Ende des Jahres ab. Wird sie nicht erneuert, muss das Mittel vom Markt genommen werden. Die EU-Kommission hatte ursprünglich die weitere Zulassung für zehn Jahre beantragt, war aber am Dienstag auf einen Vorschlag von fünf bis sieben Jahren zurückgegangen. Zuvor hatte das Europaparlament ein Verbot des Mittels bis 2022 gefordert.

Im für die Entscheidung zuständigen Expertengremium gab es bis kurz vor der Sitzung keine klaren Mehrheitsverhältnisse. Die deutsche Regierung war sich nicht einig, so dass sie sich wohl hätte enthalten müssen. Die belgische Regierung teilte am Mittwoch mit, dass sie gegen eine Zulassung für weitere sieben oder zehn Jahre sei und sich der Forderung des Europaparlaments anschliesse.

Schon bald nächste Sitzung

Im zuständigen EU-Fachausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel wird per qualifizierter Mehrheit entschieden. Nötig sind für einen Beschluss mindestens 16 Mitgliedstaaten, die für 65 Prozent der EU-Bevölkerung stehen. Bisher gibt es keine Mehrheit für oder gegen eine Verlängerung. Die Kommission dürfte bereits Anfang November die nächste Sitzung zu Glyphosat ansetzen. Nach einer Abstimmung wäre eine weitere Runde im sogenannten Berufungsausschuss möglich.

Gibt es auch dort kein Resultat, wäre die EU-Kommission am Zug. Sie hatte schon 2016 wegen einer fehlenden Einigung der Mitgliedstaaten beschlossen, die Zulassung nochmals um anderthalb Jahre zu verlängern. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kritisierte danach, dass seine Behörde den Schwarzen Peter zugeschoben bekomme, wenn die Mitgliedstaaten nicht entscheiden wollten.

Umstrittene Risiken

Über mögliche Risiken durch den Unkrautvernichter wird seit Jahren gestritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufte das Herbizid im März 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» für den Menschen ein. Andere Agenturen wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung BfR sehen hingegen kein von Glyphosat ausgehendes Risiko.

Der Wirkstoff wurde vom US-Konzern Monsanto entwickelt, den der deutsche Konkurrent Bayer übernehmen will. Dieses Milliardengeschäft wird derzeit von der EU-Kommission geprüft. Vertrieben werden Glyphosat-haltige Mittel aber auch von mehr als 40 weiteren Herstellern.

850'000 Tonnen weltweit

Glyphosat wird weltweit auf rund 400 Millionen Hektar überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen eingesetzt, wie das Marktforschungsunternehmen Kleffmann Group berichtete. Zum Vergleich: Die Agrarflächen in der Schweiz umfassen 1,05 Millionen Hektar. 

Der vom US-Konzern Monsanto entwickelte Wirkstoff wurde 1974 erstmals zugelassen. Im Jahr 2000 lief das Patent aus, seither werden glyphosathaltige Produkte auch von anderen Herstellern angeboten. Verkauft werden jährlich rund 850'000 Tonnen solcher Mittel, in der Schweiz werden knapp 300 Tonnen eingesetzt.

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