14.02.2016 07:57
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Glyphosat
Glyphosat: EU entscheidet bald über Neuzulassung
Die Europäische Kommission könnte die Mitgliedstaaten der Europäischen Union in wenigen Wochen über die Neuzulassung des Breitbandherbizids Glyphosat abstimmen lassen.

Wie ein Sprecher am vergangenen Freitag gegenüber AGRA-EUROPE bestätigte, war zuletzt vorgesehen, im zuständigen Regelungsausschuss ein Votum am 6. oder 7. März herbeizuführen. Endgültig sei dieser Termin jedoch noch nicht. Man müsse noch weitere Beratungen durchführen. Bereits zuvor hatten die Grünen-Politiker Martin Häusling und Harald Ebner das Datum genannt - nach einem Gespräch von Kommissionsvertretern mit Mitgliedern des Umweltausschusses im Europaparlament.

Grüne kritisieren

Die beiden Sprecher - Häusling für die Fraktion Die Grünen/EFA im Europaparlament, Ebner für die deutsche Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen - kritisierten diese Information scharf. Sie bezeichneten das Tempo der Kommission als überstürzt. „Vor einer solch weitreichenden Entscheidung müssen wenigstens noch die Glyphosat-Bewertungen der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) und der Pestizidexperten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) abgewartet werden“, so Ebner und Häusling. Die Grünen lehnen Glyphosat grundsätzlich ab, insbesondere jedoch den Einsatz als Reifebeschleuniger von Getreide sowie den Verkauf an Laien für den Gebrauch im Garten und auf Gehwegen.

Die Kommission hatte die Neuzulassung ursprünglich bis Ende vergangenen Jahres abschließen wollen. Sie beauftragte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) jedoch kurzfristig, das seit Juli 2015 verfügbare Gutachten der internationalen Krebsforschungsagentur (IARC), Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“, ebenfalls zu berücksichtigen. Dadurch verzögerte sich der Prozess um mehrere Monate. Die EFSA folgte der IARC-Einschätzung im vergangenen November nicht und nennt auch keine Gründe, die einer Neuzulassung im Wege stünden.

Seriöse Studien gefragt

Unterdessen hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) definitiv Entwarnung hinsichtlich möglicher Glyphosatrückstände in Muttermilch gegeben. Wie das Institut am vergangenen Donnerstag mitteilte, entwickelten Forschungslabore in seinem Auftrag zwei unabhängige Analyseverfahren mit hoher Sensitivität und untersuchten damit insgesamt 114 Muttermilchproben aus Niedersachsen und Bayern. Dabei konnten laut BfR keinerlei Rückstände des Wirkstoffs Glyphosat nachgewiesen werden. „Das Ergebnis zeigt, wie wichtig seriös durchgeführte wissenschaftliche Studien sind, um in der emotional geführten Debatte um Pflanzenschutzmittelrückstände Verbraucherinnen und Verbraucher nicht unnötig zu verunsichern“, erklärte BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel.

Er erinnerte an Medienberichte vom Juni 2015 über Befunde von Glyphosat in 16 Muttermilchproben und die vom BfR unmittelbar danach geäußerten wissenschaftlichen Zweifel an der Zuverlässigkeit jener Ergebnisse. „Aufgrund der physikalisch-chemischen Eigenschaften von Glyphosat war kein relevanter Übergang des Wirkstoffes in Muttermilch zu erwarten und, wie bei Kuhmilch, wissenschaftlich auch bisher nicht belegt“, betonte Hensel. Das BfR und die Nationale Stillkommission weisen darauf hin, dass Muttermilch nach wie vor die natürliche und damit beste Nahrung für Säuglinge sei. Mütter sollten sich nicht verunsichern lassen und wie bisher stillen.

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