1.06.2016 13:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
EU
Glyphosat: EU-Kommission will Zulassung verlängern
Der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat dürfte in Europa wahrscheinlich auch nach dem Stichtag Ende Juni erlaubt bleiben. Die EU-Kommission strebt eine Verlängerung der geltenden Zulassung für bis zu anderthalb Jahre an.

Der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, kündigte für den nächsten Montag eine Abstimmung im Kreis der EU-Staaten über die Verlängerung an. Falls dort nicht die nötige Mehrheit zustande kommt, gibt es ein zweites Treffen mit nationalen Experten.

Zulassung endet Ende Monat

Gibt es auch dort keine Lösung, würde normalerweise die EU-Kommission entscheiden - und die Behörde plädiert entschieden für eine Verlängerung. Am liebsten würde er die Mitgliedsstaaten aber «an Bord» halten, sagte Andriukaitis am Mittwoch in Brüssel.

Die Zulassung von Glyphosat in der EU läuft am 30. Juni aus. Sollte die EU bis dahin keine Entscheidung über eine Verlängerung treffen, erlischt die Zulassung. Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Das Pestizid kommt auch in der Schweiz zur Anwendung.

Gutachten abwarten

Mit der Verlängerung der Genehmigung für einen Zeitraum zwischen 12 und 18 Monaten will die EU-Kommission Zeit gewinnen, um ein Gutachten der europäischen Chemikalienagentur Echa zu Glyphosat abzuwarten.

Auf Grundlage der Studien-Ergebnisse will die EU-Kommission dann erneut über eine dauerhafte Zulassung von Glyphosat entscheiden. «Ich bin tief davon überzeugt, dass wir unsere Entscheidung auf wissenschaftlich fundierter Basis treffen sollten, und nicht aufgrund von politischen Interessen», sagte Andriukaitis.

Staaten dürfen Glyphosat verbieten

Die EU-Kommission wollte eigentlich eine Neuzulassung erreichen, ist damit bisher aber gescheitert, weil die nötige Mehrheit unter den EU-Staaten nicht zustande kam. Andriukaitis erinnerte daran, dass es nationalen Regierungen frei stehe, Produkte, die den Wirkstoff Glyphosat enthalten, selbst zu verbieten.

Andriukaitis will den EU-Staaten auch Vorschläge zur Einschränkung des Glyphosat-Einsatzes machen. So könnte die Substanz nicht mehr zusammen mit einem umstrittenen Zusatzstoff Verwendung finden, für öffentliche Parkanlagen, Spielplätze oder Gärten verboten werden sowie nicht zur Beschleunigung der Reifung kurz vor der Ernte auf dem Feld verspritzt werden.

Solche Einschränkungen seien aber Sache der Staaten, sagte der EU-Kommissar. «Sie müssen sich nicht hinter der Entscheidung der Kommission verstecken.»

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