8.03.2016 17:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
EU
Glyphosat: EU vertagt Entscheidung
Die Weiterverwendung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in der EU ist ungewiss. Die EU vertagte am Dienstag nach einer Anhörung von Experten aller 28 Mitgliedstaaten die Entscheidung über eine Verlängerung der Zulassung des weltweit meistgenutzten Herbizids.

Dies hiess es in EU-Kommissionskreisen. Die Kommission hatte eine Verlängerung der kommenden Juni auslaufenden Genehmigung empfohlen. Allerdings zeichnete sich keine qualifizierte Mehrheit der EU-Staaten ab. Nach den Regularien hätten sich mindestens 55 Prozent der Mitgliedstaaten, die mindestens 65 Prozent der Bevölkerung der EU repräsentieren, für Glyphosat aussprechen müssen.

Blockbuster Rounup

Der für das Mittel zuständige Ausschuss solle nun bei seiner Sitzung am 18. und 19. Mai, möglicherweise aber auch früher, entscheiden, hiess es. Hintergrund ist ein Streit über die von Glyphosat möglicherweise ausgehenden gesundheitlichen Gefahren. Die EU-Agentur EFSA hatte erklärt, der Unkrautvernichter sei wohl nicht krebserregend.

Dagegen hatte die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO zuvor davon gesprochen, dass Glyphosat beim Menschen wahrscheinlich Krebs auslösen kann. Der US-Agrar-Riese Monsanto vertreibt Glyphosat unter dem Markennamen Roundup. Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz mit dem Mittel in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar.

Frankreich will nicht weiter machen

Im US-Staat Kalifornien klagt Monsanto gegen die Umweltbehörde, die Glyphosat in eine Liste krebserregender Mittel aufnehmen möchte. Bisher war damit gerechnet worden, dass die EU-Staaten trotz heftiger Proteste von Umweltschützern die Verwendung des Herbizids für weitere 15 Jahre billigen würden. Frankreich hatte jedoch vergangene Woche erklärt, der Zulassungsverlängerung nicht zustimmen zu wollen. Deutschland wollte sich enthalten.

In der Schweiz gilt für diese Art von Produkten der Grundsatz der Selbstkontrolle. Die Hersteller müssen also die Risiken beurteilen. Die kantonalen Laboratorien überprüfen die Risikobeurteilung. Zu Glyphosat-Rückständen sind laut dem Bundesrat allerdings noch keine Kontrollen durchgeführt worden.

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