5.04.2016 17:52
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Glyphosat
Glyphosat-Hersteller sollen Studien offenlegen
Im Streit um die Zukunft des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in Europa sollen nun die Anbieter die ihnen vorliegenden Studien zu dem Stoff veröffentlichen. Damit soll mehr Transparenz geschaffen werden über die unterschiedliche Risikobewertung des Stoffes durch verschiedene Stellen.

Die Offenlegung sei «vorteilhaft für die Gesellschaft insgesamt und würde die laufenden Debatten und den Entscheidungsprozess erleichtern», heisst es in einem Schreiben des EU-Kommissars für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, an einen Zusammenschluss der Glyphosat-Anbieter.

Als Grund für den Vorstoss führte der EU-Kommissar einen «starken Wunsch der Öffentlichkeit nach voller Transparenz» in Bezug auf die Studien an, die von der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA zur Beurteilung des Krebsrisikos durch Glyphosat herangezogen wurden.

Besorgte Bevölkerung

Ein «bedeutsamer Teil der Zivilgesellschaft» sei besorgt wegen der unterschiedlichen Beurteilungen von Glyphosat durch die EFSA und die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC). Solche Sorgen könne er nicht ignorieren, heisst es in Andriukaitis' Schreiben, das am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Er lade daher die Anbieter-Organisation Glyphosat Task Force (GTF) ein, «proaktiv» die Untersuchungen und das zugrunde liegende Datenmaterial zu veröffentlichen.

Zwar müsse der Wunsch nach Transparenz gegen andere «gesellschaftliche Bedürfnisse» abgewogen werden - etwa den Schutz von Privateigentum und des laufenden Entscheidungsprozesses, erklärte Andriukaitis. Allerdings habe das Verfahren zur weiteren Zulassung von Glyphosat ein «aussergewöhnliches Mass an öffentlicher Aufmerksamkeit und Besorgnis» hervorgerufen. Deshalb sei eine Veröffentlichung der Studien sinnvoll.

Zulassung verlängern oder Verbot?

Die Zulassung des Pestizides läuft in der EU im Juni aus. Kritiker wollen Glyphosat verbieten, weil es laut IARC krebserregend sein kann. Die EU-Kommission dagegen sieht aufgrund von Empfehlungen der EFSA keinen Grund, Glyphosat in der EU vom Markt zu nehmen.

Eine Entscheidung des zuständigen EU-Fachausschusses zur weiteren Zulassung des Mittels war im März vertagt worden, da sich weder für eine Verlängerung noch für ein Verbot von Glyphosat eine qualifizierte Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten abzeichnete. Glyphosat ist das weltweit am meisten verkaufte Pestizid und wird sowohl in der Landwirtschaft als auch in privaten Gärten sehr häufig verwendet. In der Schweiz werden laut der Stiftung für Konsumentenschutz jährlich 300 Tonnen davon versprüht.

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