25.06.2020 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
USA
Glyphosat: Milliardenvergleich für Bayer
Es gleicht einem Befreiungsschlag: Der deutsche Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat sich im Rechtskonflikt mit US-Klägern wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter auf einen milliardenschweren Vergleich geeinigt.

Durch den Kompromiss sollen etwa 75 Prozent der aktuellen Verfahren zum Abschluss gebracht werden - mit insgesamt etwa 125'000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen, teilte der Konzern am Mittwochabend mit. Der Konzern ist dazu bereit, dafür bis 9,8 Milliarden Euro (10,5 Mrd. Fr.) zu zahlen.

75 Prozent der Verfahren 

Mit der Einigung würden «75 Prozent der aktuellen Roundup-Verfahren zum Abschluss» gebracht - «mit insgesamt etwa 125'000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen», erklärte Bayer. Zu den jetzt eingeplanten 9,8 Milliarden Euro kämen weitere 1,1 Milliarden Euro, «um eine separate Vereinbarung für potenzielle künftige Klagen zu ermöglichen.»

Diesem Teil der Vereinbarung müsse noch ein Richter im US-Bundesstaat Kalifornien zustimmen. «Die Vereinbarungen wurden von Vorstand und Aufsichtsrat der Bayer AG unter Mitwirkung des eigens dafür eingerichteten Ausschusses zum Glyphosat-Rechtskomplex einstimmig genehmigt», erklärte der Chemiekonzern. «Sie enthalten keinerlei Eingeständnis einer Schuld oder eines Fehlverhaltens.»

Rechtsrisiken vorbeugen

Mit diesem Kraftakt will Bayer fast alle der zahlreichen Glyphosat-Verfahren in den USA aus der Welt schaffen und drohenden Rechtsrisiken in der Zukunft vorbeugen. Darüber hinaus erzielte der Konzern auch Einigungen bei weiteren Klagen, die den umstrittenen Unkrautvernichter Dicamba betreffen.

Bayer hatte sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto immense Rechtsrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat und anderen Agrarprodukten ins Haus geholt. Nachdem Bayer in den ersten drei Prozessen hohe Schadenersatz-Urteile kassiert hatte, warfen immer mehr Menschen dem Konzern vor, durch die Verwendung von Monsantos Herbizid Krebs bekommen zu haben.

Bayer an Börse massiv unter Druck

Die Leverkusener wiesen die Vorwürfe stets zurück und bekamen dabei zuletzt nochmals Rückendeckung von der US-Umweltbehörde EPA, die Glyphosat bei vorschriftsmässigem Gebrauch nicht als Gesundheitsrisiko einstuft. Die anstehenden Berufungsprozesse in den USA, in denen anders als bislang keine Geschworenen, sondern Berufsrichter geurteilt hätten, sollen trotz des Vergleichs weiterlaufen.

Die Glyphosat-Klagewelle hatte Bayer an der Börse massiv unter Druck und die Konzernführung um Vorstandschef Werner Baumann stark in die Kritik gebracht. Finanziell ist Bayer gerüstet für einen Vergleich. Allein der Verkauf der Tiermedizin soll Bayer 7,6 Milliarden Dollar einbringen - den Grossteil davon in bar, einen kleineren Teil in Aktien des Käufers Elanco.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE