28.01.2014 08:32
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Pflanzenschutzmittel
Glyphosat nicht giftiger als bisher angenommen
Der Präsident des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, hat die bestehenden Grenzwerte für den Pflanzenschutzwirkstoff Glyphosat aus Sicht des Verbraucherschutzes bestätigt und gleichzeitig Kritik an der Arbeitsweise des Bundesamtes zurückgewiesen.

Wie Hensel vergangene Woche am Rande der Internationalen Grünen Woche mitteilte, wurden vom BfR im Zuge einer immer noch laufenden Neubewertung von Glyphosat mehr als 1'000 neue Studien ausgewertet. Diese hätten keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei den Versuchstieren geliefert.

Botulismus bei Rindern?

Der BfR-Präsident bestätigte damit die Zwischenergebnisse der Untersuchung vom Dezember 2013, die unter anderem auch Befürchtungen entkräftet hatte, dass schädliche Clostridien sich unter dem Einfluss von Glyphosat verstärkt vermehren und eine der Ursachen für Botulismus bei Rindern sein könnten.

Mögliche Kreuzeffekte zwischen Glyphosat und bestimmten Beistoffen wie Tallowamine, die zu einer höheren Toxizität führen könnten, erforderten zwar weitere Untersuchungen, böten nach aktuellem Sachstand aber ebenfalls keinen Anlass, die gesundheitlichen Grenzwerte des Wirkstoffs wesentlich zu verändern, betonte Hensel.

Hensel wehrt sich gegen Vorwürfe

Der BfR-Präsident verwahrte sich zudem gegen Vorwürfe, das BfR sei bei der Neubewertung des Pflanzenwirkstoffs nicht neutral vorgegangen: Das Bundesinstitut stelle eine unabhängige Einrichtung dar und stehe im Gegensatz zu manchen Lobbygruppen in keinem Interessenkonflikt. Zudem arbeite man innerhalb des europäischen Verbunds nach transparenten, systematischen und nachvollziehbaren Regeln.

Ungeachtet der deutlichen Aussage zur gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Glyphosat bekräftigte das Umweltbundesamt (UBA) seine Kritik an der nach seiner Einschätzung übermäßigen Verwendung des Wirkstoffs.

Häufigster Wirkstoff

Das UBA moniert nicht zuletzt den enormen Anstieg der Glyphosatanwendung. Nach seinen Angaben hat der Wirkstoffeinsatz in Deutschland während der vergangenen 15 Jahre um das Dreifache zugenommen. Im Jahr 2012 sei Glyphosat mit knapp 6'000 t bereits
der am häufigsten verwendete Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln gewesen.

Gegenüber dem Spiegel erklärte der Leiter des UBA-Fachbereichs Chemikaliensicherheit, Klaus Günter Steinhäuser, der massive und umfangreiche Einsatz von Glyphosat werde innerhalb der Behörde zunehmend als Problem gewertet, da der Wirkstoff wesentlich zur Verarmung der biologischen Vielfalt in landwirtschaftlich geprägten Ökosystemen beitrage, indem er Vögeln wie der Feldlerche indirekt die Nahrungsgrundlage entziehe.

Unkräuter lassen sich nach Angaben des Umweltbundesamtes auch ohne Pflug und mit geringerem Herbizideinsatz effektiv bekämpfen. Rund 15% des Wirkstoffs könnten zudemlaut UBA allein durch den Verzicht auf Glyphosat als Erntebeschleuniger, die so genannte Sikkation, eingespart werden.

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