14.03.2018 18:10
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/sbv
Trinkwasserinitiative
Initiative verfehlt Ziel meilenweit
Der Schweizer Bauernverband hat ein Argumentarium gegen die Trinkwasser-Initiative veröffentlicht. Die Initiative schiesse meilenweit am Ziel vorbei, lautet das Fazit.

Die Trinkwasser-Initiative verlangt, dass nur noch Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen erhalten, die auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichten, ihre Tiere ausschliesslich mit betriebseigenem Futter versorgen und keine Antibiotika prophylaktisch einsetzen.

Die Initiative würde die einheimische Produktion praktisch verunmöglichen, lautet das Urteil des Schweizer Bauernverbands. Bei Kartoffeln, Raps, Zuckerrüben, Gemüse, Obst wäre nicht einmal mehr der Anbau in Bioqualität möglich, ebenso wäre die Haltung von Hühnern und Schweinen extrem eingeschränkt. Der Bauernverband hat ein Argumentarium zusammengestellt, das aufzeigt, warum die Initiative aus seiner Sicht meilenweit am Ziel vorbeischiesst. 

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Hier gehts zum Argumentarium Trinkwasserinitiative vom Schweizer Bauernverband

Das Wichtigste in Kürze vom Bauernverband zur Initiative

(1) Die Annahme der Initiative für sauberes Trinkwasser würde die Schweizer Landwirtschaft auf den Kopf stellen. Sie ist ein gefährliches „agrarpolitisches Experiment“. Zudem hat sie nicht nur den Pflanzenschutz, sondern auch auf die Nutztierfütterung, die Biodiversität, die Agrarforschung und den Antibiotikaeinsatz im Visier.

(2) Ein vollständiger Verzicht auf Pflanzenschutzmittel würde den Pflanzenbau in der Schweiz – egal ob ÖLN- oder Bio-Produktion – massiv einschränken und zu Mindererträgen im Umfang von 20 bis 40 Prozent führen. Mit der sinkenden Produktion würden die Preise für Schweizer Lebensmittel steigen und die Importe zunehmen. Letztere stammen aus Produktionsbedingungen, die nicht mit dem Schweizer Standard in Bezug auf Ökologie und Tierhaltung mithalten können.

(3) Die Auflage für ausschliesslich betriebseigenes Futter würde die Produktion von Eiern, Geflügel- und Schweinefleisch extrem einschränken. Diese Lebensmittel kämen in der Folge vermehrt aus Ländern, in denen das Tierwohlniveau tiefer ist. Die Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie, z.B. Getreidekleie aus der Müllereibranche, könnten nicht mehr wie heute verfüttert werden und würden in Biogasanlagen oder in der Verbrennung landen. Ein ökologischer Unsinn.

(4) Von der Initiative besonders betroffen sind eher kleinstrukturierte Betriebe, die extensiv wirtschaften. Diese Betriebe erzielen einen hohen Anteil ihrer Einnahmen über die Direktzahlungen und sind existentiell auf diese angewiesen. Die Betriebe sind den zusätzlichen Vorgaben gemäss Initiative für die Direktzahlungen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

(5) Die Kommunikation rund um die Initiative macht die Trinkwasserqualität ungerechtfertigt schlecht. Fakt ist: Die Trinkwasserqualität in der Schweiz ist auch im weltweiten Vergleich hervorragend. Es besteht keine Gesundheitsgefährdung beim Konsum von Trinkwasser. In 98 Prozent der Grundwassermessstellen wird der nummerische Anforderungswert von 0.1 μg/l PSM-Wirkstoff eingehalten. Zudem ist bei Pflanzenschutzmitteln der Anforderungswert sehr tief angesetzt. Bei andern Stoffen, z.B. Blei, ist der Anforderungswert tausend Mal höher.

(6) Die Landwirtschaft nimmt die in der Initiative angesprochenen Herausforderungen ernst: Mit dem „Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz“, der „Nationalen Strategie Antibiotikaresistenzen“, dem „Aktionsplan Biodiversität“ und der von der Branche initiierten „Strategie nachhaltige Schweizer Futtermittelversorgung“ arbeiten Landwirtschaft und Behörden auf weitere Verbesserungen hin.

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