12.03.2020 11:50
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Schädlinge
Japankäfer gemeinsam bekämpfen
Oft bleiben nur noch Zweige und Blattgerippe übrig, wenn der Japankäfer zuschlägt. Der aus Asien stammende Schädling verbreitet sich bereits im Tessin und bedroht hierzulande insbesondere Trauben-, Mais- und Steinobstkulturen. Eine neue Sonderbriefmarke soll helfen, ihn frühzeitig zu erkennen.

Hübsch sieht er aus mit seinen kupfern schillernden Flügeldecken und dem goldgrün schimmernden Körper. Trotzdem sollte sein Anblick bei der Schweizer Bevölkerung Besorgnis auslösen. 

Im Tessin nachgewiesen

Der Japankäfer Popillia japonica breitet sich seit rund 100 Jahren über die Welt aus, hat aber ausserhalb seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets in Japan kaum natürliche Feinde. Er frisst Blätter, Blüten und Früchte diverser Kulturpflanzen und Baumarten und kann erheblichen Schaden anrichten. Als Engerling ernährt er sich von Wurzeln.

2017 wurde der Käfer im Südtessin in vorsorglich aufgestellten Fallen gefangen und vergangenes Jahr erstmals auch in freier Natur nachgewiesen. Es ist damit zu rechnen, dass er sich in der Schweiz weiter ausbreitet. Einerseits kann er aus eigener Kraft einige hundert Meter weit fliegen, andererseits im Inneren von Autos, Lastwagen, in Topfpflanzen oder mit Erde unbemerkt weiter verbreitet werden.

Hilfe der Bevölkerung gefragt

Fachleute des Eidgenössischen Pflanzenschutzdienstes (EPSD) hoffen auf die Mithilfe der Bevölkerung, um neue Befallsherde früh zu entdecken, wie der EPSP in einer Mitteilung vom Donnerstag festhält. Zu einem Zeitpunkt also, wenn die Bekämpfung noch relativ einfach ist. Denn hat sich der Käfer erst einmal festgesetzt, lässt er sich kaum mehr vollständig los werden.

In Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Illustrator Angelo Boog gestaltete der EPSD daher eine Sonderbriefmarke, welche die Schweizerische Post am Donnerstag präsentierte. Die wissenschaftlich korrekte Zeichnung soll helfen, ihn zu erkennen und von einheimischen Verwandten wie dem Junikäfer zu unterscheiden. Die Sonderbriefmarke im Wert von 85 Rappen erscheint im Rahmen des Internationalen Jahres der Pflanzengesundheit.

Problematisch für Landwirtschaft

Der Japankäfer hat einheimische Verwandte wie den Gartenlaubkäfer oder den Junikäfer. Dennoch ist der Japankäfer auch für Laien gut zu erkennen: Er ist 8 bis 12 mm lang. Die Flügeldecken sind metallisch kupferfarben. Kopf und Körper schimmern gold-grün. Unverkennbar sind die weissen Haarbüschel: je fünf kleine auf beiden Seiten des Hinterleibs und zwei grössere am hinteren Körperende. Bei einem Verdacht sollte der Käfer eingefangen und fotografiert, sowie umgehend der zuständige kantonale Pflanzenschutzdienst informiert werden. 

Würde sich der Japankäfer in der ganzen Schweiz ausbreiten, wäre dies insbesondere für die Landwirtschaft problematisch. Während die Engerlinge im Boden feuchter Wiesen leben und sich vorwiegend von Graswurzeln ernähren, frisst der erwachsene Käfer Blätter verschiedener Bäume (zum Beispiel Apfel, Ulme, Linde, Ahorn, Pfirsich), Sträucher (Weinrebe, Brombeere oder Rose) und anderer Pflanzen (Mais, Sojabohne etc.). Oft werden Pflanzen bis auf die Zweige und Blattskelette kahlgefressen.

Wird verschleppt

Der Japankäfer kann aus eigener Kraft mehrere hundert Meter weit fliegen und sich so ausbreiten. Er kann aber auch im Inneren von Autos und Lastwagen, mit Topfpflanzen oder Erde über grössere Distanzen verschleppt werden. Letztes Jahr wurden im Tessin erstmals vereinzelte Japankäfer in der freien Natur festgestellt. Ob diese sich vermehrt haben, lässt sich noch nicht sagen. Es muss jedoch mit einer weiteren Ausbreitung in die Schweiz gerechnet werden.

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