21.06.2015 09:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Kauf glyphosathaltiger Produkte weiterhin möglich
Glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel sind in französischen Gartenbaumärkten auch weiterhin erhältlich. Das hat die europäische Vertretung des Saatgutkonzerns Monsanto als Reaktion auf anderslautende Medienberichte vergangene Woche in einer entsprechenden Verlautbarung klargestellt.

Im Vorfeld war von unterschiedlichen Nachrichtenmagazinen über ein exklusives Verbot des von Monsanto hergestellten Herbizids Roundup durch Frankreichs Umweltministerin Ségolène  Royal berichtet worden. Entgegen der verbreiteten Meldungen habe die Ministerin jedoch kein Verbot ausgesprochen, sondern lediglich gefordert, die gängige Verkaufspraxis anzupassen, stellte Monsanto klar. Demnach könnten Pflanzenschutzmittel künftig nicht mehr frei zugänglich aus dem Regal genommen werden, sondern würden auf Anfrage von Mitarbeitern bereitgestellt. Die kontrollierte Herausgabe sei bereits in zahlreichen EU-Ländern gängige Praxis, so etwa in Deutschland.

Sämtliche Pflanzenschutzmittel betroffen

Royal hatte in französischen Medien die Gartenbaucenter zunächst aufgefordert, den freien Verkauf von Roundup einzustellen. Am Dienstag vergangener Woche kündigte die Ministerin dann bei einem Besuch des Haus- und Gartenbaumarktes Jardiland laut einer Presseverlautbarung ihres Hauses an, lediglich den Selbstbedienungsverkauf glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel vom 1. Januar 2016 an zu verbieten. Pressevertreter Monsantos wiesen unterdessen darauf hin, dass sich die Pläne zur kontrollierten Abgabe nicht allein auf das Produkt Roundup bezögen. Vielmehr seien sämtliche Pflanzenschutzmittel betroffen; auch jene, die den Wirkstoff Glyphosat nicht enthielten.

Keine Alternative

Derweil betonte Frankreichs Landwirtschaftsminister Stéphane  Le Foll, dass er das Herbizid Glyphosat nicht verbieten werde. Er verwies in dem Zusammenhang auf Reaktionen von Landwirten, dass es keine Alternative gebe und bei einem Verbot die landwirtschaftliche Produktion in Gefahr wäre. Darüber hinaus bestätigte der Minister das Engagement der Regierung, die Landwirte vor der Anwendung gefährlicher Pflanzenschutzmittel zu bewahren.

Dazu ist bereits Anfang Juni ein entsprechendes Dekret in Kraft getreten, in dem das Verzeichnis berufsbedingter Erkrankungen in der Landwirtschaft modifiziert worden ist. In diesem Zusammenhang erinnerte Le Foll daran, dass bereits 2013 glyphosathaltige Produkte zur Anwendung im Privatbereich dahingehend überprüft worden seien, ob sie über die notwendige Sicherheit für Hobbygärtner verfügten. Im Zuge dieser Kontrolle seien bereits Präparate diesem Anwendungsbereich entzogen worden.

Verkauf nur noch bei fachkundigem Personal

Le Foll und Royal wiesen darauf hin, dass vom 1. Januar 2018 an der Zugang für Hobbygärtner zu Pflanzenschutzmitteln nur noch bei Zwischenhändlern erfolgen könne, die über zertifizierte und im integrierten Pflanzenschutz sachkundige Verkäufer verfügten. Auf diese Weise solle sichergestellt werden, dass der Käufer in einer systematisch verstärkten Beratung zu weiteren Verboten und Alternativen informiert werde, heißt es in einer Pressemitteilung des Agrarressorts. Die Umsetzung solle mit den betroffenen Händlern 2016 getestet werden. Die Verringerung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes ist auch ein zentraler Bestandteil der Pariser Regierung in ihrem neuen Plan zum Programm Ecophyto, der noch in diesem Jahr erarbeitet werden soll.

Demnach soll ab 2022 in öffentlichen Gärten, Grünanlagen und Wäldern komplett auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden. Auch sollen Privatpersonen ab 2022 keine Pflanzenschutzpräparate mehr anwenden dürfen; davon ausgenommen sollen Produkte der Biokontrolle sein sowie solche mit einem geringen Risiko oder die zur Nutzung im Biolandbau zugelassen sind.

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