23.08.2014 07:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Obst und Beeren
Kleines Insekt, grosse Schäden
Die Kirschessigfliege richtet heuer in Beeren-, Trauben- und Zwetschgenkulturen erstmals grosse Schäden an. Betroffen sind die Bauern in fast der ganzen Schweiz. Sie müssen aufwändige Schutzmassnahmen treffen.

Zwar wird die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) seit 2011 in der Schweiz nachgewiesen. Dieses Jahr aber müssen die Steinobst-, Beeren- und Traubenproduzenten erstmals Schäden verzeichnen. Andreas Häseli, Obstbauberater am FiBL, spricht im «Bioaktuell» gar von einem Super-GAU. Bei den Kirschen hätten die Spätsorten in gewissen Gegenden teils nicht mehr geerntet werden können, weil der Befall so hoch war.

Bei Beeren fast alle Kantone betroffen

«Die Situation ist sehr ernst», sagt auch Catherine Baroffio von Agroscope in Conthey VS. Sie verfolgt die Ausbreitung des aus Japan eingeschleppten Insekts und weiss: «Es sind Beerenproduzenten in fast allen Kantonen betroffen. Einige mussten wegen starken Kirschessigfliegenbefalls die Ernte gewisser Sorten abbrechen.»

Bei den Zwetschgen ist die Ernte voll im Gang. «Es ist zu früh, um Bilanz zu ziehen», meint deshalb Stefan Kuske von Agroscope in Wädenswil ZH. «Ich weiss aber von einzelnen Bauern, denen die Kirschessigfliege schon die ganze Frühzwetschgenernte vernichtet hat.» Eine Einschätzung, die Thomas Herren, Leiter Produktion beim Schweizer Obstverband, bestätigt: «Wir hören von massiven Ertragsausfällen bei einzelnen Bauern. Die wirtschaftlichen Einbussen der ganzen Branche können wir aber noch nicht abschätzen.»

Von Hochstammbäumen und aus Gärten konnte Kirschessigfliege einfliegen

Schuld am starken Befall ist laut Baroffio der milde Winter: «Die Population der Kirschessigfliege konnte sich früh aufbauen.» Und wegen der nassen Witterung wurden viele Hochstammkirschen und Beeren in Selbstpflückanlagen und Privatgärten nicht geerntet, weil sie aufgeplatzt oder angefault sind – eine ideale Nahrungsquelle für die Larven der Kirschessigfliege. Diese legt ihre Eier erst in die Früchte und Beeren, wenn sie fast reif sind. So können zur direkten Bekämpfung keine Insektizide mehr gespritzt werden.

«Von den Hochstammbäumen und aus den Gärten konnte so die Kirschessigfliege in Kulturen der Umgebung einfliegen», erklärt Baroffio. «In diesen Fällen nützen auch die Fallen, die rund um die Anlagen aufgestellt wurden, nichts.» Dabei sind die Fallen neben den hygienischen Massnahmen – nicht geerntete Früchte und Beeren müssen sofort aus den Anlagen entfernt werden – die einzige  Möglichkeit, die Kirschessigfliege langfristig zu bekämpfen. Eine Möglichkeit, die laut Herren einen grossen Mehraufwand für die Produzenten darstellt, der nicht abgegolten wird. «Immerhin kann  das Insekt so in Schach gehalten werden», hofft Baroffio.

Ob die Kirschessigfliege den Bauern auch 2015 wieder schlaflose Nächte bereiten wird, kann Baroffio noch nicht sagen: «Wir hoffen auf einen kalten Winter, damit möglichst keine Kirschessigfliegen überleben.»

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