Samstag, 17. April 2021
31.12.2020 13:15
Pflanzenschutz

«Lenkungsabgaben sind systemfremd»

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Von: David Brugger, sbv

David Brugger ist Leiter des Geschäftsbereich Pflanzenbau beim Schweizer Bauernverband. In einem Standpunkt äussert er sich zu einer Lenkungsabgabe bei Pflanzenschutzmitteln.

Das Thema «Lenkungsabgaben» steht in Bundesbern hoch im Kurs. Grün-linke Politiker, Umweltorganisationen und auch einzelne Wissenschaftler sehen hier die ultimative Waffe, um beispielsweise den Pflanzenschutz-, Futtermittel- oder Kunstdüngerverbrauch zu senken. Was sind Lenkungsabgaben genau?

Mässiger Erfolg

Ein klassisches Beispiel ist die Flugticketsteuer. Da viel Fliegen die Umwelt belastet, soll eine künstliche Verteuerung die Leute zu ökologischeren Fortbewegungsmittel umlenken. Auch die Tabaksteuer ist eigentlich eine Lenkungsabgabe. Das Thema ist in der Landwirtschaft nicht neu. Seit den 90er-Jahren haben eine Handvoll europäischer Staaten diese eingeführt – mit mässigem Erfolg.

Das immer wieder als Vorzeigebeispiel angeführte Dänemark musste seine Abgabe mehrfach komplett überarbeiten und auch massiv erhöhen. Und obwohl stattliche 85 Mio. Franken (2016) in die Staatskassen fliessen, steigen die eingesetzten Pflanzenschutzmittelmengen seit 2005 wieder.

Dänemark muss Weizen importieren

Warum? Die Abgabe führte beispielsweise dazu, dass bei den Herbiziden fast nur noch jene mit den geringsten Aufwandmengen zum Einsatz kamen. In Kürze bildeten die Unkräuter Resistenzen dagegen aus. Beim Stickstoff führten zu ehrgeizige Reduktionsziele und Lenkungsabgaben dazu, dass weniger als der tatsächliche Pflanzenbedarf gedüngt werden konnte. In der Folge sanken die Proteinwerte von Brotgetreide drastisch.

2014 lag der durchschnittliche Proteingehalt von dänischem Weizen bei gut 8%. Zum Vergleich: In der Schweiz gibt es unter 12.8% einen Preisabzug. Unter 11.5% kippt mancher Müller den vermeintlichen Brotweizen ins Futtergetreide, weil sich daraus kein Brot backen lässt. Heute ist Dänemark auf den Import von Qualitätsweizen angewiesen.

Die Menge der verkauften Pflanzenschutzmittel in der konventionellen Landwirtschaft sinkt Jahr für Jahr, sagt Brugger.
zvg

Immer weniger Pflanzenschutzmittel

Lenkungsabgaben sind also bei weitem nicht der Weisheit letzter Schluss, auch wenn sie in gewissen Kreisen «en Vogue» sind. Wir müssen ja nicht unbedingt die gleichen Fehler machen, wie andere Länder. Die Menge der verkauften Pflanzenschutzmittel in der konventionellen Landwirtschaft sinkt Jahr für Jahr. Seit 2008 ging sie um über 40% zurück. Bei Glyphosat sind es sogar über 60% weniger.

Eine unabhängige Zulassungsbehörde, die gezielte Überprüfung der zugelassenen Wirkstoffe, wirkstoffspezifische Anwendungsauflagen, Anreizen für einen tiefen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei den Direktzahlungen (Extenso, herbizidfrei, Bio, Ressourceneffizienz- und demnächst Produktionssystembeiträgen), der Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz sowie die Parlamentarischen Initiative 19.475 «Absenkpfad PSM» sorgen dafür, dass diese Entwicklung weitergeht.

Keine Grauzonen schaffen

Lenkungsabgaben sind im Umfeld der Schweizer Landwirtschaft «systemfremd» und dürften kaum einen Effekt oder Mehrwert bringen. Im Gegenteil: Sie ist fast eine Art moderner Ablasshandel im Stil von «ich setze zwar etwas Kritisches ein, zahle aber eine Abgeltung dafür und deshalb ist es ok.» Meiner Meinung nach muss man das Risiko von Pflanzenschutzmitteln auf der Basis von anerkannten wissenschaftlichen Methoden so beurteilen, dass die Mittel sicher zugelassen werden können. Im gegenteiligen Fall sind sie zu verbieten. Punkt Schluss.

Grauzonen mit Hilfe von Lenkungsabgaben zu schaffen, erachte ich als fragwürdig, ja sogar scheinheilig. Denn eines ist sicher: Die ersten, welche die Landwirtschaft mit einer millionenschweren Negativkampagne wegen den Grauzonen an die Plakatwände bringen, sind die Umweltorganisationen. Ihnen wird es nie genug sein. Egal was wir tun. Egal wie viel umweltfreundlicher unsere Produktion im Vergleich mit dem Ausland ist.  

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21 Responses

  1. Sehr gute Analyse, genau so ist es. Diese NGO haben eben keine Ahnung von Landwirtschaft, wir müssen ja nicht die gleichen unnötigen Fehler machen wie die Dänen…

  2. Grundsätzlich sollten alle Vorstöße der Linken, Grünen, Kommunisten mit mehr Vorsicht behandelt und entsorgt werden, als jedes vermeintliche Umweltgift. Das schädlichste Gift für Menschen und Gesellschaft, sind die Gedanken und Worte dieser Manipulatoren.

      1. @Blume: du sprichst kaum für alle Bauern. Du solltest aufwachen! Die Sozialisten zerstören alles und die Bauern wie du sollten endlich aufwachen und denen die Stirn bieten. Ich habe mein Hirn eingeschaltet, bei dir, Blume, zweifle ich daran. Informiere dich!

    1. Richtige Blumen sind intelligent, realistisch und passen sich der Umwelt an.
      Linke, die diese Eigenschaften nie un nimmer erfüllen, massen sich solche Eigenschaften an…
      Linke verwechseln ständig „gut“ und „gut gemeint“
      Sinnvolle Lenkungsabgeben müssten nach Indikation in div. Klassen eingeteilt werden. Wie wird ein Produkt besteuert, das in einer Indikation unproblematisch und ein einer andern problematisch ist?

  3. lieber Schweizerbauer, stellt bitte die Kommentare dieses Beat Furrer ab. Sie schaden den Anliegen der Landwirtschaft und der Bauern und spiegeln nur seinen politischen religiösen Fanatismus. Echte Beiträge zu den angesprochenen Themen sind es nicht, sondern nur Tiraden von Beschimpfungen. Seine Kommentare zeigen, dass er selbst tatsächlichen Manipulatoren gehorcht.

    1. @R. Meier: Und noch etwas: Dein Kommentar spiegelt genau den linken Meinungs-Totalitarismus wieder. Man darf nur über die Themen sprechen, die die Linken ansprechen. Alle anderen Themen und Meinungen werden unterdrückt. Wenn das so weitergeht, sind wir früher als wir denken in einer totalen Diktatur.
      Was ich schreibe ist politisch, aber nicht nur einfach ein Geplapper um Direktzahlungen oder Regulierungen, sondern, darüber, dass wir von sozialistischen Manipulatoren betrogen werden.

    2. Lieber Schweizer Bauer: Bitte stellt die Kommentare von R. Meier ab! Denn er ist einer der linken Agitatoren (bewusst oder manipuliert unbewusst), der keine freie Diskussion zulassen will. Damit hilft er der schädlichen, demokratiefeindlichen, letztlich dummen Haltung der linken Manipulatoren, die unser Land und die Schweizer Landwirtschaft durch Demoralisierung, Destabilisierung, unbegründeten Anklagen, Regulationen und angebliche Problemlösungen zugrunde richten.

    3. @R. Meier: Ich habe den festen Glauben an Gott und lese Sein Wort. Ich werde nicht manipuliert, sondern erkenne dadurch glasklar die völlige Manipulation und Irreführung der Gesellschaft durch die „Toren“ und „Gottlosen“. Lies mal die Sprüche Salomos. Wo immer das Wort „Narr“ oder „Tor“ steht, da kannst du die Personen einsetzen, die Gott verworfen haben (in ihrer Ideologie), und das sind die Grünen, Sozialisten, Kommunisten (in den Umweltorganisationen).

  4. @R. Meier: Du gehörst offensichtlich genau zu der Kategorie Menschen, die völlig manipuliert sind. Denen man all die Tataschen schreiben kann und der trotzdem nichts begreift. Du kannst ja konkret schreiben, was dir nicht passt. Machst du aber nicht, weil du dann selber überlegen müsstest und dann erkennen würdest, dass das, was ich schreibe, genau der Realität und der Wahrheit entspricht. Wache also auf. Was den Bauern schadet ist das Schweigen und Ducken, wenn Reden angesagt ist.

  5. Lieber Schweizer Bauer, danke dafür, dass alle Kommentare veröffentlicht werden, die den Netiquetten entsprechen.
    Diverse Zensurwünsche aufgrund von abweichenden Meinungen sind weiterhin zu ignorieren.
    Offenbar gibt es Kommentatoren die eine Einheitsmeinung vorziehen. Diese sollten sich andere Foren suchen, wo sie sich gegenseitig bestätigen und auf die Schulter klopfen können.
    Es braucht den Diskurs. Aber ohne Gegensätze gibt es den nicht.

  6. Eigentlich sollten wir schlauer sein , und uns fragen ,braucht die Pflanze das wirklich oder nicht. Dass es auch ohne Planzenschutzmittel geht beweissen sehr viele Bauern.
    Wir müssen selber auf unsern Höfen nach Lösungen suchen, bevor uns die ganze Bevölkerung und Politik auf die Bude steigt, und zwar subito. Dann werden wir auch nicht mehr von allen seiten zum Sündenbock gemacht .

    1. @Hase Glarner: Man kann auch ohne Pflanzenschutzmittel wirtschaften, klar. Die Pflanzenschutzmittel wurden ursprünglich eingeführt als Hilfe, damit man weniger jäten muss, bessere Qualität hat, ….
      Wir haben jedoch hier (bei den Umweltverbänden und bei den linken Parteien) die kommunistische Vorgehensweise, die die Gesellschaft demoralisiert und destabilisiert. Es geht denen nicht um Problemlösung, sondern um die Vergrösserung eines Problems zum Machtgewinn und zur Diktaturerrichtung.

      1. Bin Biobauer und weiss was jäten heisst.
        Man muss nur nicht immer ( Futter ) liefern dann hat man seine Ruhe. Und kann es sein dass Sie sich von allem und jedem angegriffen fühlen Herr Furrer?

        1. Nein, fühle mich nicht angegriffen. Wenn etwas freiwillig geschieht, dann ist es gut. Wenn uns aber Kommunisten ihren Willen aufzwingen, nicht.

  7. Solange die Produkte nicht den ehrlichen Preis tragen (Umweltbelastung inklusive) wird sich nicht viel ändern. Und solange dass die Landwirtschaft keine konkreten und zukunftsgerechten Lösungsvorschläge aufzeigen kann, wird sie „unangenehm“ mit heiklen Themen konfrontiert werden.

    1. Die Nachfrage auf dem Markt fordert günstige, qualitativ hochstehende Produkte. Das liefert die Schweizer Landwirtschaft. Der Konsument bestimmt, was und wie produziert wird. Nicht durch Worte oder Politik, sondern durch den Preis, den er zu zahlen bereit ist.

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