15.12.2013 10:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Ackerbau
Lücken beim Pflanzenschutz
In den nächsten Jahren fallen bei Raps, Mais und Rüben Saatgut-Beizmittel weg. Alternativen sind nirgends in Sicht. Auch beim Spritzen gelten strengere Regeln. Von der Branche geforderte Lockerungen kamen nicht durch.

Alle, die Pflanzenschutzmittel einsetzen, müssen sich auf einige Änderungen gefasst machen. So darf Raps- und Maissaatgut nicht mehr mit drei Neonikotinoidwirkstoffen gebeizt werden. Betroffen sind rund 95 Prozent des Saatrapses und 5 Prozent des Saatmaises. Gebeizter Raps konnte 2013 noch gesät werden.

Ab Herbst 2014 fehlen wirksame Beizmittel


«Ab Herbst 2014 stehen jedoch keine wirksamen Beizmittel gegen den Erdfloh mehr zur Verfügung», betont Geri Busslinger vom Pflanzenschutzdienst des Kantons Aargau. «Wir rechnen nicht damit, dass bis zur Saat 2014 ein Ersatz bewilligt sein wird.» Auch beim Mais müssen die Produzenten nach Alternativen suchen. Doch solche gibt es laut Busslinger nicht: «Der Drahtwurm kann mit keinem anderen Produkt bekämpft werden.»

Ab 2015 fallen nicht nur die erwähnten Beizmittel für Raps- und Maissaatgut weg. Auch die Rübenproduzenten müssen sich auf eine Lücke beim Schutz ihrer Saat einstellen. Temik, ein Granulat gegen Rübenkopfälchen, ist nur noch bis 2015 zugelassen. Der Hersteller hat das Produkt  zurückgezogen. Die Folgen bekamen die Produzenten in Regionen mit Kopfälchen-Fäulerisiko schon diesen Herbst zu spüren. Sie gingen bei der Verteilung der zusätzlichen Zuckerquote leer aus.

Betroffen sind laut Stefan Wyss von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau rund 1'000 ha Rüben- oder entsprechend 4'000 ha Fruchtfolgefläche. «Ein Ersatz für Temik ist nicht in Sicht», weiss Wyss. Es gibt zwar einen Hersteller, der den  Wirkstoff in einer höheren Konzentration vertreibt. Doch eine geänderte Konzentration würde eine Neuzulassung beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bedingen. Das ist laut Hersteller nicht geplant.

Weitere Einschränkungen

Solange Temik noch verfügbar ist, muss vor der Anwendung eine Sonderbewilligung eingeholt werden. Das gilt auch weiterhin für Audienz und Biscaya gegen Getreidehähnchen. Bei beiden Wirkstoffen hatten sich die Produzentenorganisationen beim BLW dafür stark gemacht, dass sie im Getreide frei einsetzbar werden. Das Amt sah nach einer Risikobewertung davon ab. Audienz soll aber 2014 wieder überprüft werden. 

Für die Kartoffelbauern dürfte sich die Hoffnung, dass das Drahtwurmmittel Gondor Bait zugelassen wird, zerschlagen. Wie die «Agrarzeitung» schreibt, wurden in Deutschland zwei Zulassungsanträge abgelehnt. Der Fipronil-Höchstgehalt in den Kartoffeln dürfte in der EU begrenzt werden – das wäre das definitive Aus.

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