Donnerstag, 28. Oktober 2021
21.09.2021 10:01
Pflanzenschutz

Mechanische Unkrautbekämpfung steigt deutlich

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Von: sda/blu

Der Aktionsplan zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln zeigt Wirkung. Landwirte halten sich beim Gebrauch zurück und wenden alternative Methoden an. Der Bau neuer Waschplätze sorgt zudem für einen besseren Gewässerschutz, wie das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Dienstag mitteilte.

Der Bund verabschiedete den Aktionsplan 2017. Ziel war die Risikoreduktion der Pflanzenschutzmittel – Herbizide im Fall des Unkrauts – und die Förderung von Alternativen. Gemäss dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht sind unterdessen 29 von 51 Massnahmen umgesetzt.

Mechanische Bekämpfung steigt um 30%

Demnach bekämpfen die Betriebe das Unkraut vermehrt mechanisch, etwa mit Hilfe von jätenden Feldrobotern auf den Feldern. 2020 wurden demnach 21 Prozent der Obst- und Rebflächen sowie 16 Prozent der offenen Ackerflächen ohne Herbizide bewirtschaftet. Das sind 30 Prozent mehr als 2019.

Der Verzicht auf Herbizide auf der offenen Ackerfläche und bei Dauerkulturen, der bislang mit Ressourceneffizienzbeiträgen gefördert wurde, soll im Rahmen des Verordnungspaketes zur parlamentarischen Initiative «Reduktion des Risikos beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln» als Produktionssystembeitrag weiterentwickelt werden

Waschplätze und Innenreinigung

Zur Verhinderung punktueller Einträge von Pflanzenschutzmitteln werden seit 2018 Füll- und Waschplätze von Spritz- und Sprühgeräten mit Strukturverbesserungsbeiträgen vom Bund und den Kantonen unterstützt. Beim Förderprogramm für gewässerschutzkonforme Waschplätze verdreifachte sich der Zubau auf rund 200 solcher Plätze. Das verhindert, dass Herbizide beim Reinigen etwa von Spritzgeräten in Bäche oder in die Kanalisation gelangen. Seit 2017 werden im Kanton Bern Befüll- und Waschplätze im Rahmen des Ressourcenprojektes unterstützt. Das bei der Reinigung der Geräte anfallende pflanzenschutzmittelhaltige Abwasser wird aufgefangen und separat behandelt.

Zudem rüsteten die Betriebe 2020 knapp 1000 Spritzgeräte mit einer automatischen Innenreinigung auf. Pro Feld- oder Gebläsespritze wurde ein einmaliger Beitrag ausgerichtet. Bisher wurde die Anschaffung von insgesamt 2363 automatischen Spülsystemen unterstützt. Nach Ablauf der Förderung soll der Einsatz solcher Innenreinigungssysteme für Spritzgeräte im ÖLN ab 2023 obligatorisch werden.

Mit dem Bau von rund 200  Waschplätze hat sich im letzten Jahr die Anzahl unterstützter Waschplätze verdreifacht.
zvg

Insektizid- und Fungizidverzicht auf hohen Niveau stabil

Das Extenso-Programm fördert den Verzicht auf Fungizide und Insektizide in Getreide und Raps (Ausnahme Kaolin) sowie in Sonnenblumen, Eiweisserbsen, Ackerbohnen und Lupinen. Im ÖLN dürfen in Mais keine Insektizide (Ausnahme Trichogramma) eingesetzt werden und Fungizide sind keine zugelassen. Saatbeizungen sind jeweils möglich. In Kunstwiesen sind keine Insektizide (Ausnahme lebende Organismen) und Fungizide zugelassen. Die Reduktion des Einsatzes von Fungiziden und Insektiziden im Obstbau, Rebbau und Zuckerrübenanbau wird seit 2018 durch den Bund mit Beiträgen gefördert.

Die Beteiligung der Landwirte an Programmen zum Insektizid- und Fungizidverzicht auf offenen Ackerflächen ist bis 2018 stetig gestiegen und seither auf diesem hohen Niveau geblieben. Heute werden insgesamt 55% der offenen Ackerflächen ohne Insektizid- und Fungizid-Behandlungen bewirtschaftet. In Raps ist die Teilnahme am Extenso-Programm seit 2018 von 26% auf 20% gesunken. Dies erklärt das BLW mit dem in den letzten Jahren steigenden Schaderregerdruck, insbesondere durch den Rapserdfloh.

Im Rahmen des Verordnungspaketes zur Parlamentarischen Initiative sollen die Programme zum Fungizid- und Insektizidverzicht erweitert werden: Die bisherige Massnahme für die Förderung der extensiven Produktion im Ackerbau wird weiterentwickelt, für mehr Kulturen angeboten und mit differenzierten Beiträgen abgegolten.

Reduktion der Abschwemmung

Die «Weisungen betreffend der Massnahmen zur Reduktion der Risiken bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln» wurde für den Teil Abschwemmung angepasst. «Dank der neuen Massnahmen in den Weisungen lässt sich das Risiko für Gewässerorganismen stark reduzieren. Die betroffenen Wirkstoffe werden bezüglich Abschwemmung nun neu beurteilt», schreibt das BLW.

  • Wirkstoff zurückgezogen: Bifenox, Bifenthrin, Carbendzamin, Chlorpyrifos, Chlorpyrifos-methyl, Dimethoate, Diuron, Fenazaquin, Fenoxycarb, Fenpropimorph, Imidacloprid, Isoproturon, Linuron, Methomyl, Oryzalin, Thiacloprid, Thiamethoxam und zeta-Cypermethrin
  • Überprüfung abgeschlossen und Anwendung eingeschränkt: Aclonifen, Azoxystrobin, Diflubenzuron, Diflufenican, Fluazinam, Flufenacet, Foramsulfuron, Metazachlor, Nicosulfuron, S-Metolachlor, Spiroxamin und Terbutylazin
  • Wirkstoff in Überprüfung:
  • Überprüfung ausstehend: Abamectin, Captan, Dimethomorph, Fenpropidin, Fenpyroximate, Fluoxastrobin, Folpet, Fosetyl, Lenacil, Pirimicarb, Prosulfocarb, Tebuconazol, Thifensulfuron-methyl und Trifloxystrobin.

-> Den gesamten Bericht gibt es hier

Strengere Vorschriften für Hobby-Gärten

Anfangs 2021 traten schärfere Vorschriften für den Verkauf von Herbiziden an Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner in Kraft. Zusätzlich sind noch strengere Regelungen für die Hobby-Produktion in der Vernehmlassung.

Im Jahresbericht weisen die zuständigen Bundesämter für Umwelt (Bafu) sowie für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit (BLV), das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und die Forschungsanstalt Agroscope den Stand der Umsetzung aus.

Die Ziele des Aktionsplans hatte das eidgenössische Parlament im Frühling 2021 im Gesetz verankert. Zudem baute es die rechtlichen Grundlagen zum Schutz der Oberflächengewässer aus.

Das neue Gesetz dehnt den Geltungsbereich über die Landwirtschaft hinaus aus, besonders auf Biozide. Das sind Produkte im nichtlandwirtschaftlichen Bereich zur Bekämpfung von Schadorganismen (Insekten, Pilze, Bakterien, Nager, Algen, etc.).

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