29.08.2016 11:58
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Glyphosat
Mit passenden Verfahren auf Glyphosat verzichten
Der Unkrautvernichter Glyphosat ist umstritten. Über seine Schädlichkeit für Mensch und Umwelt streiten Politik und Wissenschaft. Forschende der Berner Fachhochschule zeigen nun, wie sich Unkraut auch sehr gut ohne Glyphosat bekämpfen und gleichzeitig der Boden vor Erosion schützen lässt.

Gegen Unkraut haben Bauern im Wesentlichen zwei Mittel: Herbizide spritzen oder die Böden maschinell wenden. Diese intensive Bodenbearbeitung führt allerdings dazu, dass Boden durch Erosion verloren geht: Allein in der Schweiz werden bis zu 840'000 Tonnen Erde aus Landwirtschaftsflächen abgeschwemmt, schrieb die Berner Fachhochschule BFH in einer Mitteilung vom Montag.

Forschende um Bernhard Streit von der BFH und der Forschungsanstalt Agroscope haben daher ein Anbausystem zur Reife gebracht, das die Böden schont und auch ohne Herbizide wie Glyphosat gute Erträge liefert.

Böden schonen

Für die nachhaltige Nutzung von landwirtschaftlichen Böden seien drei Dinge entscheidend, sagte Streit gemäss der Mitteilung: «Erstens sollte der Boden möglichst nicht bearbeitet werden. Zweitens sollte er permanent mit Pflanzen bedeckt sein und drittens braucht es eine Fruchtfolge, bei der die Kulturen ideal aufeinander abgestimmt sind.»

Das haben die Forschenden mit ihrem Anbausystem umgesetzt, das auf Direktsaat und Gründüngung beruht. Direktsaat bedeutet, dass die Böden vor der Saat nicht bearbeitet werden. Bei der Gründüngung werden Zwischenkulturen angebaut, die den Boden wieder mit Nährstoffen anreichen.

Für Winterweizen getestet

Solche Zwischenkulturen - beispielsweise mit Hülsenfrüchten wie der Futtererbse - machen aber nicht nur den Boden wieder fruchtbarer, sie dämmen auch das Unkraut ein und verringern die Erosion, schrieb die BFH. Die Herausforderung dieses Anbausystems bestehe indes darin, die richtige Mischung an Gründünger, die ideale Fruchtfolge und den passenden Zeitpunkt für die Aussaat zu finden.

«Im bisherigen Projekt konnten wir erst für den Winterweizen nachweisen, dass die glyphosatfreie Direktsaat funktioniert», räumte Streit ein. Anhand der ersten Ergebnisse vermuten die Forschenden aber, dass ähnliche Anbausysteme auch für andere Hauptkulturen funktionieren könnten. Derzeit prüfen sie den Einsatz beim Mais. Das Projekt läuft im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden».

Verdacht, krebserregend zu sein

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Über die zugrundeliegenden Forschungsergebnisse sind sich Experten jedoch uneins. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass die zulässigen Rückstände des Unkrautvernichters in Lebensmitteln kein gesundheitliches Risiko bedeuten. Umweltschützer warnen hingegen vor den Folgen für die Umwelt.

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