3.06.2016 06:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Glyphosat
Mulchsaat auch ohne Glyphosat
Die Bauern werden für den Glyphosateinsatz kritisiert. Oft zu Unrecht. Viele suchen Alternativen. Das Lohnunternehmen Estermann setzt auf glyphosatfreie Mulchsaat. Und es wird wieder mehr gepflügt.

Das Lohnunternehmen Thomas Estermann aus Eschenbach LU geht bei der Maissaat neue Wege. «Seit Frühling bieten wir die Mulchsaat ohne Glyphosat an», sagt Teilhaber Werner Rüttimann.

Glyphosateinsatz auf freiwilliger Basis reduzieren

Für ihn ist klar: «Wir müssen den Glyphosateinsatz auf freiwilliger Basis reduzieren. Sonst riskieren wir, dass der Wirkstoff verboten wird.» Diese Befürchtung ist keine Schwarzmalerei. Am 30. Juni läuft die Zulassung von Glyphosat in der EU aus. Bisher wurde sie  nicht verlängert.

Rüttimann hat lange nach einem bodenschonenden Anbauverfahren gesucht, das ohne das umstrittene Totalherbizid auskommt.  Grubber seien bei Bodenunebenheiten zu wenig wirksam. Fündig wurde er bei Celli. Die italienische Firma hat eine Fräse entwickelt, die in Österreich verbreitet auf Biobetrieben eingesetzt wird.

«Die ganze Fläche wird 5cm tief abgehobelt. Das schont die Bodenstruktur und ist genug tief, um alle Unkräuter abzuschneiden», erklärt er. «Wir haben bisher 35ha Mais gesät. Die Bilanz ist positiv. Wir können auf Glyphosat verzichten, die normale Nachauflaufbehandlung genügt.» 

Mulchrotte

Als weiteren Vorteil der Mulchrotte nennt Rüttimann den Erosionsschutz. «Einziger Wermutstropfen ist, dass nur die Beiträge für Mulch- und nicht jene für Streifenfrässaat ausbezahlt werden. Aber keiner unserer Kunden hat diese Einbusse von 50 Franken pro Hektare beklagt. Wir sind uns alle bewusst, dass es beim Glyphosat nicht so weitergehen kann.» 

Rüttimann beweist mit dieser Aussage, dass die Bauern nicht einfach als «notorische Gift-Versprüher» betitelt werden dürfen. Als solche werden sie aber immer wieder an den Pranger gestellt, zuletzt von Pro Natura in einer Plakataktion. 

D: 90% setzen Pflug ein

Das Bewusstsein der Landwirtschaft für die Glyphosatproblematik belegt auch das aktuelle Praxismonitoring der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) vom März 2016. Die Umfrage unter 274 Bauern, die eine Fläche von fast 67'000 ha bewirtschaften, zeigt, dass der Pflug noch lange nicht ausgedient hat.

Fast 90 Prozent der Landwirte haben einen auf dem Betrieb. «Die geringe Zahl der Nicht-Pflug-Besitzer kann darauf hindeuten, dass  Landwirte auf die viel diskutierte Rückstandsproblematik und auch den damit verbundenen zunehmenden Wirkstoffverlusten reagieren», so die DLG. «Sie sehen im Pflugeinsatz eine Art biologische Unkrautbekämpfung.» 

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