5.10.2018 12:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Pflanzenschutz
Ohne Glyphosat droht mehr Erosion
Der Bundesrat muss aufzeigen, inwiefern ein schrittweiser Verzicht auf Glyphosat zweckmässig wäre. Bauern- und Getreideproduzenten betonen, dass der Wirkstoff sicher sei und korrekt angewendet werde.

Der Bundesrat muss den schrittweisen Ausstieg aus der Verwendung von Glyphosat prüfen. Das verlangt der Nationalrat (siehe Kasten).

Für Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband steht fest: «Der Nationalrat hat einen politischen Entscheid gefällt. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Wirkstoff Glyphosat grundsätzlich unproblematisch. Er wird schnell in der Umwelt abgebaut und verursacht insbesondere in den stark diskutierten kleineren und mittleren Oberflächengewässern keine Probleme.» Das Gleiche gelte für den Bereich Rückstände, wie das  Glyphosatmonitoring des Bundes schön aufzeige.

Politisch  unter Druck

«Politisch ist Glyphosat  massiv unter Druck, nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit. Einzelne Länder arbeiten an  Verboten und Einschränkungen. Vor diesem Hintergrund ist der Entscheid des Nationalrates nachvollziehbar, und die Schweizer Landwirtschaft tut  gut daran, sich mit der heutigen Anwendungspraxis auseinanderzusetzen und Alternativen zu suchen», ist sich Rufer bewusst. «Es ist   wichtig, dass aufgezeigt wird, wo Einsparpotenzial besteht und wo noch keine praxistauglichen Alternativen auf dem Tisch liegen. Die Landwirtschaft muss sich  an diesem Prozess aktiv beteiligen.»

Pierre-Yves Perrin, Geschäftsführer der Schweizer Getreideproduzenten, bedauert die nationalrätliche Forderung. «Im  Ackerbau hat man mehr und mehr Interessenkonflikte», begründet er seine Meinung. «Ein Beispiel dafür ist eine schonende oder pfluglose Bodenbearbeitung und die Problematik der Unkräuter. Dank Glyphosat ist es zurzeit möglich, wirksame Massnahmen gegen die Erosion zu treffen.»

Es gebe heute schon Alternativen, die in Entwicklung sind, zum Beispiel im Raps mit einer Untersaat. Herbizidlösungen gegen Problemunkräuter im Getreideanbau gebe es auch  – «ob diese Produkte oder Wirkstoffe ökologischer sind als Glyphosat, ist nicht gesichert», warnt Perrin,  «denn sie werden flächendeckend benutzt, statt  dass  gezielt mit Glyphosat gespritzt wird.»

Effizienter Wirkstoff 

Für Perrin bleibt Glyphosat  ein wichtiger, billiger und effizienter Wirkstoff, der gezielt einsetzbar ist.  Perrin: «Eine korrekte Anwendung, wie wir sie in der Schweiz seit Jahren machen, ist umweltschonend. Die GVO-freie Schweizer Landwirtschaft sollte nicht für Fehler im Ausland bezahlen müssen. Wenn die Politik die Konsumenten schützen will, sollten   Importe von Lebensmittel   auf Glyphosatrückstände kontrolliert werden.»

Es droht mehr Erosion

Für Markus Hochstrasser von der Fachstelle Pflanzenschutz des Kantons Zürich ist der Entscheid rein politisch   und mit Blick aufs Ausland motiviert. Fachlich sei es ein Rückschritt, auf Glyphosat zu verzichten: «Wir werden eine höhere Umweltbelastung haben, weil die pfluglosen Saatverfahren Direktsaat, Mulchsaat und Streifenfrässaat verunmöglicht  werden. Wird der Pflug wiederum häufiger eingesetzt, begünstigt das die Erosion und den Run-off beispielsweise von eingesetzten Bodenherbiziden auf den vielen hügligen Parzellen in der Schweiz.»

Auch die chemische Stoppelbehandlung würde erschwert: «Man kann  keine Quecken, Ackerwinden oder Blacken  mehr nachhaltig auf den Stoppeln bekämpfen, denn spezifische Gräserherbizide sind nicht nachhaltig, ebenso wenig wie der Grubber gegen mehrjährige Unkräuter. Die Zunahme von Disteln und Winden auf unseren Äckern würde sich ebenfalls  zusätzlich  beschleunigen. Wir setzen Glyphosat heute schon zurückhaltend ein im Vergleich zum Ausland.»

Alternativen aufzeigen

Der Nationalrat hat  am Mittwoch ein Postulat von Adèle Thorens (Grüne, VD) mit 95 zu 78 Stimmen bei 13 Enthaltungen überwiesen. In einem Bericht muss der Bundesrat nun aufzeigen, inwiefern ein schrittweiser Verzicht auf Glyphosat  zweckmässig wäre und wie dieser bewerkstelligt werden könnte. Dabei soll er Alternativen zur Verwendung von Glyphosat aufzeigen. Thorens wies auch auf das Bienensterben hin, für das Glyphosat mitverantwortlich gemacht wird.

Der Bundesrat hatte sich für das Postulat ausgesprochen. Er betonte zwar, gemäss wissenschaftlichen Studien stellten  Herbizide mit Glyphosat bei vorschriftsgemässer Verwendung kein Gesundheitsrisiko dar. Weil einige EU-Länder aus der Verwendung aussteigen könnten, sei er aber bereit, eine Studie zu erstellen. 

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